pinselfisch - Kunst- & Literaturworkshops für Menschen jeden Alters




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...und raus bist Du
Welsh, Renate
2008

12 Things To Do Before You Crash And Burn
Proimos, James
2013
Nominierung DJLP 2014

2084. Noras Welt
Gaarder, Jostein
2013
Nominierung DJLP

28 Tage lang
Safier, David
2014

Abzählen
Melaschwili, Tamta
2012
DJLP 2013

Adios Nirvana
Wesselhoeft, Conrad
2012
Nominiert für den DJLP 2013

Allein unter Schildkröten
Kaldhol, Marit
2012
Nominiert für den DJLP 2013

Alles so leicht
Haston, Meg
2015

Alles- worum es geht
Teller, Janne
2013
Nominierung DJLP 2014

Als gäbe es einen Himmel
Beerten, Els
2011

Am Freitag sehen wir uns wieder
Koch, Karin
2017

Aristoteles und Dante
Saenz, Benjamine Alire
2014
Nominierung DJLP 2015

Auf der richtigen Seite
Sutcliffe, William
2014
Nominierung DJLP 2015

Bet empört sich
Frascella, Christian
2015

Bo
Merkel, Rainer
2013
Nominierung DJLP 2014

Bunker Diary
Brooks, Kevin
2014

Cache
Röder, Marlene
2016

Candy
Brooks, Kevin
2006

Concentr8
Sutcliffe, William
2016

Crazy dogs
Werner, Brigitte
2014

Dachbodenfund
Mahler, Nicholas
2015

Darkmouth
Hegarty, Shane
2015

Das Fieber
Lucier, Makiia
2015
Nominierung DJLP 2016

Das Herz von Libertalia
Kuschnarowa, Anna
2015

Das hier ist kein Tagebuch
Sassen, Erna
2015
Nominierung DJLP 2016

Das ist genau mein Ding
Baltzheim,Meike & Wallis, Beatrice
2014

Das Mädchen und der Soldat
Sax, Aline | de Bode, Ann
2016

Das Mädchen Wadjda
Al Mansour, Hayfa
2015
Deutscher Jugendliteraturpreis 2016

Das Schicksal der Sterne
Höra, Daniel
2015

Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Green, John
2012
DJLP 2013

Das verdrehte Leben der Amelie
Desjardins, India
2013

Dass Ich Ich bin, ist genauso verrückt wie die Tatsache, dass Du Du bist
Hasak-Lowy, Todd
2016

Der Circle
Eggers, Dave
2014
Nominierung DJLP 2015

Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß
Wortberg, Christoph
2014
Nominierung DJLP 2015

Der falsche Deutsche
Podhostnik, Thomas
2015

Der Geruch von Häusern anderer Leute
Hitchcock, Bonnie-Sue
2016
DJLP 2017

Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul
Reinhardt, Verena
2016
Nominierung DJLP 2017

Der Joker
Zusak, Markus
2006
DJLP 2007 Jugendjury

Der lange Weg zum Wasser
Park, Linda Sue
2016

Der Märchenerzähler
Michaelis, Antonia
2011
Auswahlliste DJLP 2012

Der Rabe ist Acht
Antelmann, Corinna
2014

Der Tiger in meinem Herzen
McCormick, Patricia
2015
Nominierung DJLP 2016

Der Tiger in meinem Herzen
McCormick, Patricia
2015
Nominierung DJLP 2016

Der Zweifel ist das Wartezimmer der Erkenntnis
Chaumeny, Corinna
2014

Die besseren Wälder
Baltscheit, Martin | Text & Illustration
2013

Die Bücherdiebin
Zusak, Markus | Text & Illustration
2008
Jugenjury-Auswahl DJLP 2009

Die Nacht gehört dem Drachen
Casale, Alexia
2013
Nominierung DJLP 2014

Die Nackten
Prochátzková, Iva
2009
Jugendjury-Auswahl DJLP 2009

Die Sonnensucher
Laing, Kojo
2015

Die Sprache des Wassers
Crossan, Martha
2013
Nominierung DJLP 2014

Die unterirdische Sonne
Ani, Friedrich
2014
Nominierung DJLP 2015

Die Welt wär besser ohne Dich
Littmann, Sarah Darer
2016

Die Zeit der Wunder
Bondoux, Anne-Laure
2011
Auswahlliste DJLP 2012 Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2012

Djadi, Flüchtlingsjunge
Härtling, Peter
2016

Du neben mir
Yoon, Nicola
2015
Nominierung DJLP 2016

Echt
Scheuring, Christoph
2014
Nominiert für den DJLP 2015

Ein Ort wie dieser
Murail, Marie-Aude
2014

Eine wie Alaska
Green, John
2007
Auswahlliste DJLP 2008

Eisvogelsommer
De Leeuw, Jan
2016
Nominierung DJLP 2017

Elefanten sieht man nicht
Keller, Susan
2013
Nominiert für den DJLP 2013

Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen
Scheler, Ulla
2016
DJLP Nominierung 2017

Es war einmal Indianderland
Mohl, Nils
2011
DJLP 2012

Eve sieht es anders
Johnson, J.J.
2015

Feldpost für Pauline
Nielsen, Maja
2013

Finding Sky
Sterling, Joss
2012
Nominiert für den DJLP 2013

Finsterer Sommer
Wildner, Martina
2016

forbidden
Suzuma, Tabitha
2011
Auswahlliste DJLP 2012

Für immer Holly Hill
Pilz, Alexandra
2016

Gehen, immer weiter
Zeevaert, Sigrid
2015

Goodbye Bellmont
Quick, Matthew
2015
Nominierung DJLP 2016

Grenzlandtage
Peer, Martin & Michaelis, Antonia | Schüler, Kathrin
2016

Halbe Helden
Lange, Erin Jade
2015
Nominierung DJLP 2016

Harry Potter und das verwunschene Kind
Rowling, J.K.; Tiffany, John; Thorne Jack
2016

Heart.Beat.Love
Patterson, James & Raymond, Emily
2015

iBoy
Brooks, Kevin
2012
Auswahlliste DJLP

Ich heiße Parvana
Ellis, Deborah
2014

Ich, Adrian Mayfield
Zwigtman, Floortje
2009
Jugendjury-Auswahl DJLP 2009

Im Meer schwimmen Krokodile
Geda, Fabio
2012

Im Schatten der Wächter
Gardner, Graham
2006
DJLP 2005 Jugendjury

Jackpot
Knösel, Stephan
2012
Nominiert für den DJLP 2013

Jenseits der blauen Grenze
Linke, Dorit
2014
Nominierung DJLP 2015

Jesus Jackson
Daley, James Ryan
2015

Junk Girl
Kuschnarowa, Anna
2011

Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten
Köpfer, Benno & Matthews, Peter
2016

Kaputte Suppe
Valentine, Jenny
2012

Kaputte Suppe
Valentine, Jenny
2012

Kascha
Voorhoeve, Anne C.
2015

Katertag
Dürig, Regina
2011
Auswahlliste DJLP 2012

Keiner kommt davon
Nicholls, Sally
2014

Kissing the rain
Brooks, Kevin
2007
Auswahlliste DJLP 2008

Kopfschuss
Vaught, Susan
2011
Auswahlliste DJLP 2012

Letztendlich sind wir dem Universum egal
Levithan, David
2014
DJLP 2015

Liebeskinder
Frey, Jana
2015

Löcher
Sachar, Luis
2015

Love crazy love
Kavka, Zara
2016

Lucas
Brooks, Kevin
2005
DJLP 2006 Jugendjury

Mädchenmeute
Fuchs, Kirsten
2016
Deutscher Jugendliteraturpreis 2016

Manchmal dreht das Leben einfach um
Steinberger, Kathrin
2015

Marienbilder
Bach, Tamara
2014

Mehr als das
Ness, Patrick
2014

Mein bester letzter Sommer
Freitag, Anne
2016
Nominierung DJLP 2017

Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe
Frascella, Christian
2012
Nominiert für den DJLP 2013

MÉTO
Grevet, Yves
2012
Nominiert für den DJLP 2013

Misty Falls
Stirling, Joss
2015

Mit anderen Worten: ich
Stone, Tamara Ireland
2016
Nominierung DJLP 2017

Mit Worten kann ich fliegen
Draper, Sharon M.
2014

Monsterwochen
Koertge, Ron
2004
Auswahlliste DJLP 2005

Mord ist nichts für junge Damen
Stevens, Robin
2016

Nick & Norah
Cohn, Rachel & Levithan, David
2007
Auswahlliste DJLP 2008

Nowhere man
Miler, Christoph
2015

Numbers
Ward, Rachel
2010
Auswahlliste DJLP 2011

Nur drei Worte
Albertalli, Becky
2016
DJLP 2017

Pampa Blues
Lappert, Rolf
2012
Nominiert für den DJLP 2013

Paradiesische Aussichten
Guène, Faïza
2006
Auswahlliste DJLP 2007

Press play
Camden, Steven
2015

Runaway
Hijuelos, Oscar
2011
Auswahlliste DJLP 2011

Running Man
Bauer, Michael Gerard | Text & Illustration
2007
Auswahlliste DJLP 2008

Schneeriese
Keller, Susan
2014
DJLP 2015

Schneller als die Angst
Weidinger, Erich (Hrsg.)
2013

Sieben kleine Verdächtige
Frascella, Christian
2013

Simpel
Murail, Marie-Aude
2007
Auswahlliste DJLP 2007

Sommer unter schwarzen Flügeln
Peer, Martin
2015
Deutscher Jugendliteraturpreis 2016

Spurlos
Elston, Ashley
2014

Tanz der Tiefeequalle
Höfler, Stefanie
2017

Tanz der Tiefseequalle
Höfler, Stefanie
2017

The Road of the dead
Brooks, Kevin
2008
DJLP 2009

Tigermilch
de Velasco, Stefanie
2013
Nominierung DJLP 2014

Tonspur
Krones, Susanne & Hintze, Olaf
2014

Tote Tulpen
Konecny, Jaromir
2014

Town
Roy, James
2010
Auswahlliste DJLP

Train Kids
Reinhardt, Dirk
2015
Nominierung DJLP 2016

Tschick
Herrndorf, Wolfgang
2011
DJLP 2011

Über ein Mädchen
Horniman, Joanne
2013
Nominierung DJLP 2014

Und auch so bitterkalt
Schützsack, Lara
2014

Und plötzlich schreibt das Meer zurück
Shearer, Alex
2016

Vierzehn
Bach, Tamara
2016
DJLP Nominierung 2017

Walking home
Walter, Eric
2016

Warten auf Gonzo
Cousins, Dave
2016
DJLP Nominierung 2017

Warum ist Rosa kein Wind?
Knödler, Christine | Harjes, Stefanie
2014

Was ist hier die Frage?
Gusella, Anna | Text & Illustration
2017

Was vom Sommer übrig ist
Bach, Tamara
2012
Katholischer Kinder- und Jugenduchpreis 2013

Wenn er kommt dann laufen wir
Klass, David
2006
Auswahlliste DJLP 2007

Wenn ihr uns findet
Murdoch, Emily
2014
Nominierung DJLP 2015

Wer hat Angst vor Jasper Jones?
Silvey, Craig
2012
Nominiert für den DJLP 2013

Who i am not
Staunton, Ted
2015

Wie das Licht von einem anderen Stern
Boyle Rodtness, Nicole
2016

Wie ein unsichtbares Band
Garland, Inés
2013
DJLP 2014

Wie man unsterblich wird
Nichols, Sally
2008
Jugendjury-Auswahl DJLP 2009

Wintereis
van Gestel, Peter | Text & Illustration
2009
Auswahlliste DJLP 2009

Wir beide wussten, es war was passiert
Herrick, Steven
2016
Nominierung DJLP 2017

Wir beide wussten, es war was passiert
Herrick, Steven
2016
Nominierung DJLP 2017

Wir retten Leben, sagt mein Vater
van Ranst, Do
2006
DJLP 2007

Wo ein bisschen Zeit ist...
Ostrovski, Emil
2014
Nominierung DJLP 2015

Zeit der großen Worte
Günther, Herbert
2014

Zusammen allein
Bruder, Karin
2010
Auswahlliste DJLP 2011


Weitere Titel und Rezensionen folgen!

...und raus bist Du
Welsh, Renate
143 Seiten, Obelisk

Cover

Die Diskussionen über Abschiebungen in sichere Herkunftsländer kennen wir aus den tagtäglichen Nachrichten und haben sicherlich auch eine Meinung dazu. Welche Geschichten aber verbergen sich hinter den Bildern?

 

Esad und Pino sind vor vielen Jahren mit ihren Eltern aus Bosnien nach Wien gekommen. Da ihr Asylantrag keine Aussicht auf Erfolg hat, können sie legal nicht bleiben. Der Vater hat die Familie verlassen, um in sich in der Illegalität als Schwarzarbeiter zu verdingen und so den Lebensunterhalt sicherstellen zu können. Die Mutter und die Geschwister versuchen, möglichst nie aufzufallen, um der drohenden Abschiebung zu entgehen. Dann aber wird eine befreundete Familie in einer Nacht und Nebelaktion abgeschoben. Ausgerechnet sie, die immer versucht haben, alles richtig zu machen und deren Sohn ein sehr guter Schüler war. Jetzt wird auch die Angst der Familie um Esad und Pino unerträglich…

 

Eindringlich und mit den Augen der jüngeren Tochter Pina beschreibt Renate Welsh eine Situation, wie sie schlimmer kaum sein kann. Schnell wird klar, dass da grundsätzlich was falsch läuft, wenn Menschen so lange im Ungewissen bleiben. Ergänzt wird die Geschichte mit weiterem Material zu diesem Thema. Dieses Buch rüttelt auf und macht nachdenklich.

- KW

12 Things To Do Before You Crash And Burn
übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn

Proimos, James
128 Seiten, Gerstenberg

Cover

Der 16jährige Hercules wird von seiner Mutter kurz nach der Beerdigung seines ungeliebten Vaters zu dessen Bruder nach Baltimore verfrachtet. Mit seinem Onkel verbindet ihn eine raubeinige Männerfreundschaft, trotzdem ist der junge Mann nicht gerade begeistert von seiner Zwangsverschickung.

Und Onkel Anthony hat sich dann auch noch eine besondere Beschäftigung für seinen Neffen ausgedacht: der soll eine Liste mit 12 Punkten abarbeiten, an jedem der 12 Tage seines Aufenthalts einen. Die Liste sieht, für sich betrachtet, ziemlich merkwürdig aus, aber irgendwie rutscht Hercules mehr oder weniger bewusst in die Erfüllung dieser Aufgaben hinein. Dass er dabei sowohl neue Seiten an sich selbst als auch an Baltimore entdeckt, versteht sich von selbst...Außerdem geht es um Mädchen, natürlich, und nicht zuletzt um Herc´s Verhältnis zu seinem verstorbenen Vater. In 49 kurzen, kürzesten oder längeren Kapiteln berichtet Hercules von seinen Gefühlen, Bemühungen, Ausflüchten und zufälligen Begegnungen. Obwohl er fest entschlossen war, alles ziemlich doof zu finden, ist er doch ehrlich genug  zuzugeben, dass er sich zeitweilig köstlich amüsiert, ganz zu schweigen von einer Liebesgeschichte oder eigentlich zwei. Die trockene, authentische Sprache, von Uwe-Michael Gutzschhahn trefflich übersetzt, macht das Buch schnell und mitreißend.

Klasse!

- JPS

2084. Noras Welt
übersetzt von Gabriele Haefs

Gaarder, Jostein
188 Seiten, Hanser Verlag

Cover

Nora, kurz vor ihrem 16. Geburtstag, ist ein junges, norwegisches Mädchen, das sich sehr für die Natur und deren aktuellen Zustand interessiert. Sie verfolgt besorgt das Arten-sterben und macht sich globale, ökologische Gedanken.  Immer schon sehr fantasie-begabt, bemerkt Nora, dass sie Situationen und Menschen aus anderen Zeiten trifft, bzw. von ihnen träumt. Um abzuklären, ob Nora krank ist, fährt sie in Begleitung ihrer Mutter und ihres Freundes Jonas nach Oslo und lernt dort den Psychiater Dr. Benjamin kennen. Von ihm erhält sie den Tipp, ihre Besorgnis ernst zu nehmen und eine Umweltgruppe zu gründen. Anlässlich ihres Geburtstages erbt Nora den über 100 Jahre alten Rubinring ihrer Tante Sunniva, um den sich eine Menge Geschichten ranken – so soll er ein Wunsch-Ring sein. In der Nacht vor ihrem Geburtstag erscheint Nora im Traum sie selbst als ihre eigene Urgroßmutter. Auch ihre Urenkelin Nova ist dort und Nora bekommt Einblick in die Welt in 72 Jahren. Aufgerüttelt von diesem und weiteren Träumen beginnt Nora, konkret an der Verbesserung der Welt zu arbeiten und gegen das Fortschreiten der Klimakatastrophe anzugehen. Die Geschichte wechselt zwischen den Zeiten hin und her, mal erzählt Nora mal Nova von den konkreten Problemen in der Welt. Kenntlich gemacht durch die unterschiedliche Typographie und durchaus fesselnd ist hier der Leser aufgefordert, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken, so wie Nora es tut. Wer jetzt jung ist, wird 2084 noch erleben, die Chance besteht darin, aktiv zu werden. Sehr nachvollziehbar von der Jugendjury auf die Nominierungsliste gesetzt...

- JPS

28 Tage lang
Safier, David
404 Seiten, Rowohlt Taschenbuch

Cover

Die Jüdin Mira muss ihre Schwester Hannah und ihre Mutter versorgen, nachdem sich ihr Vater den Bedingungen des Warschauer Ghettos ergeben hat, indem er sich das Leben nahm und ihr Bruder zur Judenpolizei gegangen ist. Der einzige Weg, an Lebensmittel zu gelangen, ist der Schmuggel. Auf einem ihrer hochgefährlichen Streifzüge außerhalb des Ghettos wird sie durch beherztes Eingreifen von Stefan vor den Fängern der SS gerettet. Stefan ist Mitglied des Widerstandes gegen die Deutschen und will Mira anwerben. Doch erst, nachdem klar wird, dass allen Juden des Ghettos die Deportation in den Tod bevorsteht und Mira Mutter und Schwester im Überlebenskampf verliert, schließt sie sich tatsächlich dem bewaffneten Kampf an. Immer wieder stellt sie sich bei all der Gewalt um sie herum die Frage: „Was für ein Mensch willst du sein?“ Um nicht dem Wahnsinn anheim zu fallen, rettet sie sich in ihrer Traumwelt in die Geschichten, die ihre Schwester immer erzählt hat. Hier kann sie Hannah noch einmal treffen, bevor alles zu Ende geht…Bücher über die Vernichtung der Juden im Dritten Reich sind oftmals sehr schwere Kost und eignen sich nur selten zur Feierabendlektüre. Dieses ist bei „28 Tage lang“ von David Safier anders. Der Roman beruht zwar in weiten Teilen auf Tatsachen, so kommen etwa reale Personen und Ereignisse der Tage des Warschauer Ghettos vor, handelt aber dennoch von den Erlebnissen einer fiktiven Person. Durch die äußerst behutsame Erzählweise, die trotzdem nichts von den Schrecken auslässt, bekommt der Lesende einen hautnahen Eindruck der Geschehnisse. Dadurch, dass er die Protagonistin durch die 28 Tage begleitet, prägen sich die Geschehnisse sicherlich weitaus besser ein, als es reine Wissensvermittlung täte. Der Spannungsbogen wird die gesamte Zeit gehalten und das wiederum bedingt, dass man gar nicht aufhören kann, das Buch zu lesen. Ergänzt wird der Prosatext von Lehrermaterialien zum kostenlosen download. Daher ist der auch für den Schulunterricht bestens geeignet. Wichtig für junge Menschen ab etwa 15 Jahren.

- KW

Abzählen
übersetzt von Natia Mikeladse-Bachsoliani

Melaschwili, Tamta
112 Seiten, Unionsverlag

Cover

Zwei 13-jährige Mädchen, die Ich-Erzählerin Zknapi und ihre Freundin Ninzo, leben in einer Konfliktzone zwischen zwei miteinander im Krieg befindlichen Ländern. Mit ihnen sind dort nur noch Alte, Kranke und Kinder und es mangelt an Allem. Die ältesten Jungen organisieren sich in Banden und natürlich sind auch die Mädchen gezwungen, Dinge des täglichen Bedarfs zu organisieren. Zknapis kleiner Bruder droht zu verhungern, weil der Mutter die Milch versiegt ist, Hunger und Krankheit setzen ihr zu und die Angst um ihren Mann im Krieg und ihren kleinen Sohn. Zknapi selbst ist in großer Sorge, die Mutter sagt mehrfach, dass sie nicht mehr leben will. Ninzo pflegt ihre sterbenskranke Großmutter und überredet Zknapi, zusammen mit ihr auf Raubzüge in verlassene Häuser zu gehen. Als die beiden Mädchen beginnen, als Drogenkuriere zwischen den Frontlinien zu verkehren, spitzt sich alles noch  mehr zu.  Die unmittelbare und noch kindliche Sprache der Icherzählerin nimmt die Leser mit hinein in diese trostlose und unverschuldete Lage und als der Erzählstrom versiegt, kann das nur eines bedeuten...

Eine herbe Innenansicht des Krieges, unter dem auch so viele Kinder zu leiden haben.

- JPS

Adios Nirvana
übersetzt von Karsten Singelmann

Wesselhoeft, Conrad
286 Seiten, Carlsen

Cover

Ein Jugendbuch für Gitarrenspieler, eines für Poeten und Slampoeten, für Walt Wittmann-Verehrer, für Coole-Sprüche-Sammler, für Jugendliche mit Hang zum Drama und für Zwillinge, natürlich. Jonathan, der Erzähler, ist der übrig  gebliebene  Zwilling, nachdem sein Bruder Edward tödlich verunglückt ist. Er muss lernen, als Einzelner zu überleben, was ihm wahrhaftig nicht leicht fällt, schulisch steht der einst erfolgreiche Schüler und ausgezeichnete Dichter bereits kurz vorm Absturz. Nur seine engsten Schulfreunde, die Dickies, haben eine ungefähre Vorstellung davon, wie Jonathan mit dem eigenen Ende flirtet, weil ihm das Leben ohne seinen Bruder nicht mehr lebenswert erscheint. Der Auftrag, die Lebenserinnerungen eines alten Journalisten, der im örtlichen Hospiz wohnt, aufzuschreiben, ist ein Deal zwischen der Schule, dem Jugendlichen und dem alten Mann, der sich Jonathan als „Sprachrohr“ ausgesucht hat. Er soll ihm eine adäquate Möglichkeit bieten, schulisch den Anschluss nicht zu verpassen. Was jedoch wirklich passiert, spiegelt sich in der veränderten Wahrnehmung Jonathans: er überwindet 
Ängste und Grenzen, entdeckt in sich auch den Musiker neu, dessen Rolle er bisher immer dem Bruder zugewiesen hatte  und lernt, das Leben als solches zu feiern...

- JPS

Allein unter Schildkröten
übersetzt von Maike Dörries

Kaldhol, Marit
134 Seiten, mixtvision

Cover

Dieses Buch handelt von Mikke, von seinen letzten Tagebucheinträgen bis zu seinem Selbstmord und von Mikkes Mutter, die nach einem Chile-Urlaub mit ihrem Freund Idar zurückkehrt, und ihren toten Sohn in seinem Zimmer vorfindet. Idar, der Freund der Mutter, auch Mikkes Vater fühlen sich schuldig, kein Wunder. Mikkes Mutter schreibt Briefe an ihren toten Sohn, drückt ihren Schmerz aus, arbeitet sich an ihm ab, lebt mit ihm weiter und mit den Menschen, die Mikke wichtig waren. Wo zu Beginn Mikke selbst zu Wort kommt, in Tagebucheinträgen in seinem Computer, entsteht bereits ein Bild von Mikke, über die Briefe der Mutter vervollständigt sich das Bild von Mikkes Leben und zum Schluss des Buches schreiben die Menschen, die Mikke nahestanden, ebenfalls in Briefform.

Ein aufrüttelndes Buch in seiner Offenheit und Aufrichtigkeit, hier stehen keine Erklärungen und tiefgründigen Begründungen zur Verfügung, um diesen Selbstmord leichter zu verkraften.

- JPS

Alles so leicht
übersetzt von Alexandra Ernst

Haston, Meg
317 Seiten, Thienemann

Cover

„Mein Name ist Stevie, und in 21 Tagen bin ich tot“ so würde Stevie am liebsten die Gesprächsrunde der Gruppentherapie eröffnen. Denn das ist der Plan. Am Todestag ihres Bruders Josh will sie verhungert sein. Sie ist überzeugt davon, dass sie keine Lebensberechtigung mehr hat und flüchtet sich in die Nahrungsverweigerung. Ihr Vater hat sie in der Therapieeinrichtung untergebracht und Stevie setzt alles daran, ihren Plan dennoch durch zu ziehen. Sie ist stärker, als all die anderen Mädchen dort, die schon aufgegeben zu haben scheinen. Doch ihre Therapeutin bringt sie behutsam dahin, die Monster anzusehen, die sie verfolgen. Nach einer Weile scheint auch Stevie auf einen guten Weg zu kommen. Dann findet sie heraus, dass ihre Mutter, die die Familie verlassen hat, die Kosten der Klinik übernimmt. Ist alles Erreichte wieder für die Katz?

Den Gedanken und Gefühlen von Stevie durch das Buch zu folgen, fordert den Lesenden sehr. So sehr die Sicht der Protagonistin subjektiv ist und nicht richtig erscheint, so sehr versteht man auch ihre Not. Als es Stevie einen Rückschlag versetzt, durch die Ärzte als Bulimiekrank bezeichnet zu werden, obwohl sie doch unter Anorexie leiden muss, um wirklich mager und willensstark zu sein, ahnt man das tatsächliche Ausmaß der Erkrankung. Die Autorin schafft es, dass man dieses Mädchen lieb gewinnt und ihrer Heilung entgegen fiebert. Zudem wunderschön erzählt. Unbedingt zu empfehlen.

- KW

Alles- worum es geht
übersetzt von Sigrid C. Emgeler und Birgitt Kollmann

Teller, Janne
143 Seiten, Hanser

Cover

Mit diesem Buch schreibt Janne Teller die konsequente „Fortsetzung“ ihres Buches „Nichts“. Nichts war in Dänemark zunächst verboten, wurde dann 2001 mit dem dänischen Kinderbuchpreis ausgezeichnet und seitdem in 25 Sprachen übersetzt. Auch mit „Alles“ schafft es Janne Teller wieder, zu polarisieren: acht Essays und Kurzgeschichten erzählen von dem, was den verschiedenen Protagonisten in den 8 Geschichten wichtig ist. Immer geht es um Gewalt, immer „dient“ diese Gewalt einem vermeintlichen Zweck. Auch hier, wie bei „Nichts“ sind wir Leser unmittelbar aufgefordert, uns zu positionieren und zu identifizieren.  Wie wir dem Klappentext entnehmen können, sind die Kurzgeschichten zu verschiedenen Zeiten und an verschiedene Zielgruppen gerichtet entstanden. Dennoch gibt es keine Rückzugsräume, in die sich der Leser flüchten könnte, alle Geschichten sind unmittelbar und damit verstörend. Tellers kraftvolle Sprache und „Null-Distanz“ zu ihren Figuren macht die Leser gleichzeitig zu Opfern und Tätern. In der letzten, der achten Kurzgeschichte, schreibt Teller über das „Alles“ in sich, über ihren persönlichen Zwang zum Schreiben und das sie sich so die Welt aneignet. Auch hier spürt man ihr Ringen um Wahrheit und Wahrhaftigkeit.     

- JPS

Als gäbe es einen Himmel
übersetzt von Mirjam Pressler

Beerten, Els
614 Seiten, FJB Fischer

Cover

Es macht Mühe, diesen Roman wieder aus der Hand zu legen, weil er tatsächlich von Anfang bis Ende fesselt. Und am Ende bleibt man zurück mit einem Gefühl von gemeinsam Erlebtem, von mit den Protagonisten geteilter Zeit - mehr kann ein Roman nicht erreichen!
Drei Geschwister und ihr gemeinsamer Freund geraten gemeinsam mit ihren Familien in dem flämischen Ort Hasselt unter den zunehmenden Terror der Nazis. Gleichzeitig wird auch in Flandern massiv um Freiwillige geworben - mit offener Unterstützung der katholischen Kirche. Jefs Vater verbietet seinem Sohn auch nur daran zu denken, die Deutschen zu unterstützen, ganz egal, was der Pfarrer sagt. Aber Jefs bester Freund Ward, ein smarter Junge und hervorragender Saxofonist, außerdem der Liebste von Jefs Schwester Renée, lässt sich nicht aufhalten, nicht mal von Renée. Und Remi, der Jüngste, muss wohl für immer warten dass Ward ihm das Saxofonspielen beibringt...Els Beerten erzählt aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der 4 Protagonisten, während die Handlung spannungsreich und leichtfüßig zwischen den Zeiten und Figuren wechselt.
Dabei wird so eindrücklich von Konflikten zwischen Freundschaft und Leidenschaft, Feigheit und Loyalität, Politik und Kirche, Familie und Eigenständigkeit erzählt, dass es wohl keinen Leser kalt lassen kann.
Die Brutalität des Krieges wird schonungslos als die Gewalt gezeigt, die aus Menschen mit Hunger, Angst und Hass verzweifelte und rücksichtslose Wesen machen kann - ein wunderbares und wichtiges Buch für alle, die im Frieden leben dürfen.

- JPS

Am Freitag sehen wir uns wieder
Koch, Karin
210 Seiten, Peter Hammer

Cover

Sie, Juni, verwöhntes 15-jähriges Mädchen, das sich lieber nicht mit dem Flüchtlingsthema auseinandersetzen möchte. Er, Sahal, 15-jähriger Somalier auf der Flucht vor der Al-Shabaab-Miliz in seinem Heimatland, vor der Polizei Deutschlands und seinen kriminellen Freunden. Beide treffen einander erstmals in der Schule im Rahmen eines Flüchtlingsprojektes, dann später in der S-Bahn und in einer Markthalle. Juni merkt, dass Sahal nicht mehr in dem betreuten Wohnheim nächtigt, sondern auf der Straße wohnt. Sie versteckt ihn bei einem alten Schulfreund, der verreist ist, und wird später selbst zum Flüchtling in ihrer Stadt. Dabei flieht sie nicht nur vor Polizei, Eltern und Gangstern, sondern auch vor ihrer eigenen vertrackten Familiensituation.

Am stärksten ist die Geschichte, als Juni sich auf der Suche nach einem neuen Versteck durchs Dickicht der Bahntrassen Berlins zwängt und plötzlich ansatzweise nachvollziehen kann, wie es dem Flüchtling Sahal gehen muss: „Ich kann nicht einfach aufgeben, zurückgehen. Ich brauche eine Lösung. Sahal braucht eine Lösung. Und auf einmal kriege ich eine Ahnung davon, was es für Sahal bedeutet, auf der Flucht zu sein.“

Eine spannende Geschichte übers Fremdsein, das Erwachsenwerden und wahre Freundschaft.

- MD

Aristoteles und Dante
entdecken die Geheimnisse des Universums

Saenz, Benjamine Alire
384 Seiten, Thienemann

Cover

Aristoteles ist ein zurückgezogener, mexikanischstämmiger Junge, der sich daran gewöhnt hat, mit Ironie und etwas Selbstmitleid auf seine derzeitige, schwierige Lebensphase als 15-jähriger zu blicken. Dann trifft er Dante. Genauso alt und genauso mexikanisch-stämmig, aber wortgewandter, selbstsicherer - und schwimmen kann er auch. Dante bringt Ari nicht nur das Schwimmen bei, sondern zeigt ihm neue Aspekte des Lebens, auf die er alleine nicht gekommen wäre. Gemeinsam sprechen sie über ihre Zweifel, ihre Eltern, besonders über die Väter, die so unterschiedlich sind. Sie sprechen über den totgeschwiegenen Bruder Aris, der schon lange in Haft ist und natürlich sind sie die ganze Zeit auf der Suche nach sich selbst...Und dann passiert dieser Unfall, der die Beziehung der beiden Jungen vollkommen neu ausrichtet.

Mir hat es besonders die Sprache von Benjamine Alire Saenz angetan: leise, intensiv und poetisch. Wunderbar übersetzt von Brigitte Jakobeit; wie die beiden Jungen miteinander reden, wie sie mit ihren Eltern reden. Überhaupt wird in diesem Buch viel geredet. Das ist toll. Man könnte Jugendlichen über dieses Buch sagen: lest es nicht! Es wird die ganze Zeit nur gelabert. Keine Action, kein Sex, keine Verfolgungsjagden. Vielleicht wäre es dann so richtig interessant. Für mich ist es eines der besten Bücher zur männlichen Adoleszenz!

- JPS

Auf der richtigen Seite
übersetzt von Christiane Steen

Sutcliffe, William
347 Seiten, Rowohlt

Cover

Joshua lebt mit seiner Mutter und seinem Stiefvater in einem Israelischen Siedlungsgebiet. Der Stiefvater, ein orthodoxer Jude, hat den Umzug dorthin veranlasst, nachdem Joshuas Mutter nach dem Tod des Vaters Orientierung gesucht und diesen Mann gefunden hatte. Joshua ist mit Liev nie warm geworden, besonders kritisch sieht er dessen Umgang mit seiner Mutter, die ihm unterwürfig dient. Besonders Liev hält auch das Feindbild aufrecht, dass hinter der Mauer fanatische Terroristen leben, die nur auf Tod und Vernichtung aus sind. Eines Tages entdeckt Joshua zufällig ein leeres Gelände direkt an der Mauer. Als Joshua das Gelände erkundet, findet er den Zugang zu einem unterirdischen Tunnel, er kann nicht widerstehen und kriecht durch den Tunnel auf die andere Seite der Mauer. Hier fällt er durch seine Kleidung sofort auf und wird von einer Gruppe Jungen gnadenlos gejagt. Ein Mädchen gewährt ihm Zuflucht und so bekommt Joshua Einblick in das Leben auf der anderen Seite. Auch hier leben Menschen, viel ärmer, drangsaliert von Soldaten und sogar ohne die Möglichkeit, ihr Land auf der anderen Seite regelmäßig zu bewirtschaften. Joshua kann nicht anders, er will das Mädchen wieder sehen und sich bedanken und bringt durch seinen erneuten Besuch deren Familie in große Gefahr. Als Wiedergutmachung übernimmt er die Pflege des Olivenhains, aber irgendwann kommt Liev hinter alles und schießt um sich. Als Joshua beschließt, von zuhause weg zu gehen, ereignet sich ein dramatischer Unfall, der alles verändert. Dieses Buch hat, gemeinsam mit einer Reise nach Palästina, die ich kurz darauf unternahm, auch mein Leben grundsätzlich erschüttert. Das ist es, was wir brauchen: Einblicke in fremde Lebenswelten, die uns mitreißen und verändern. Tolles Buch, unbedingt lesen!

- JPS

Bet empört sich
übersetzt von Annette Kopetzki

Frascella, Christian
285 Seiten, Frankfurter Verlagsanstalt

Cover

Elisabetta, die Bet genannt werden will, ist 17 Jahre und eine aufmüpfige junge Frau. Sie lebt mit Mutter und Stiefvater in Turin, nach dem ihr Vater, ein Gewerkschafter, nach Rom gegangen ist. Die streitbare Bet lebt mit der angepassten Welt auf Kriegsfuß, sei es in der Schule, in ihren Beziehungen oder zuhause. Angetrieben von dem Wunsch, die Welt ehrlicher und gerechter zu machen, galoppiert Bet durch ihr Leben, reißt dabei vieles um und manches ein und rammt auch Freunde und Freundinnen. Die hochschwangere Viola wird von Bets Temperament umgerissen und weiß kaum, wie ihr geschieht und Andrea, ein Klassenkamerad mit politischem Engagement bekommt urplötzlich Gelegenheit zum Handeln. Die Icherzählerin ist stellenweise kaum zu ertragen, so sehr ist sie in ihrem gesellschaftskritischen Strudeln verfangen- aber sie erinnert mich auch gewaltig an mich...Frascella gelingt hier ein atemberaubendes Statement für Jugendlichkeit und Revolution- Werte des alten Europas für eine immer noch aktuelle Hoffnung auf ein menschliches Leben.

- JPS

Bo
Merkel, Rainer
688 Seiten, Fischerverlage

Cover

Diese Geschichte spielt angeblich an drei Tagen, doch zusammen mit Benjamin, der eigentlichen Hauptfigur dieses Romans, verlieren wir im afrikanischen Liberia schon nach kürzester Zeit die Orientierung. Benjamin kommt aus Berlin, Brilliant aus den USA und Bo aus Monrovia, wo sich alle drei dreizehnjährigen Hauptfiguren treffen. Bo ist blind, Benjamin will eigentlich 3 Wochen mit seinem Vater verbringen, der im Auftrag der GTZ in Libarias Hinterland eine Brücke baut und Brilliant scheint ein verwöhntes und manipulatives junges Mädchen zu sein, das seinen schwerreichen Onkel besucht. Gleich zu Beginn landet Benjamin ohne Pass und Geld am Flughafen und der Vater, der ihn abholen sollte, ist nicht da und taucht auch nicht auf. Brilliants Onkel hilft Benjamin, überhaupt ins Land zu kommen, doch als Weißer gibt Benjamin eine Prima Zielscheibe ab für Trickbetrüger, wortgewaltige Verkaufstalente und jede Menge Neugieriger. Aber auch die anderen Liberianer lernen wir kennen, allen voran den christlichen Taxifahrer Max, der Benjamin aufsammelt und zu Bo fährt, damit die Jungen Gesellschaft haben. So werden Bo und Benny ein Team. Bo wird einerseits recht kindlich dargestellt, andererseits aber besitzt er eine Menge afrikanische Chuzpe und  Herzenswärme. Brilliant, die auf Benjamin schon im Flieger aufmerksam geworden war, wittert unterhaltsame Abenteuer zusammen mit diesem weißen Jungen, macht ihn ausfindig und schließt sich der Gruppe an. Und abenteuerlich wird es wirklich - ein eindrucksvolles Road-Movie der afrikanischen Art, ein Selbstfindungstrip für Benjamin und ein eindrucksvoller Roman für Langstreckenleser, die sich von fast 700 Seiten und einem langweiligen Buchcover nicht abschrecken lassen!

- JPS

Bunker Diary
übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn

Brooks, Kevin
300 Seiten, dtv

Cover

Dieses Buch hat bereits viele Diskussionen ausgelöst und wird es gewiss auch noch einige Zeit tun, es ist sicherlich eines der radikalsten Bücher Brooks. Der Plot ist kurz erzählt: ein namenloser Entführer entführt nacheinander 6 Personen, die anschließend gemeinsam in einem fensterlosen Bunker um ihr Überleben kämpfen müssen. Sie werden rund um die Uhr überwacht, bei Fehlverhalten mit Krach, Säure oder Gas bestraft und immer wieder mit verschiedenen Tests gegeneinander aufgestachelt. Dabei tritt der Entführer nie in Erscheinung und auch seine Motive bleiben völlig im Unklaren. Die Figur des zuerst entführten 16jährigen Linus lässt uns über die Tagebucheintragungen in einem zur Verfügung gestellten Bunker-Diary an seinen Überlegungen und am täglichen Existieren der Gruppe teilhaben. Das Ganze endet mit dem Tod, ohne ein sichtbare Auflösung oder Erklärung der Umstände und lässt den Leser ratlos zurück. Inwieweit das Buch für jugendliche Leser geeignet ist, möchte ich nicht generell entscheiden, hilfreich dürfte es sein, gemeinsam mit Jugendlichen darüber zu sprechen. Vielleicht können auch ausgewählte Textauszüge  zum Thema Selbstbestimmtheit und Fremdbestimmtheit einen guten Diskussionseinstieg liefern. Auf keinen Fall etwas für zarte Gemüter.

- JPS

Cache
Röder, Marlene
256 Seiten, Fischer KJB

Cover

Am Ende des Buches ist sich Leyla sicher: „Die ganze Zeit hat sie den Falschen gesucht… Hätte sie ahnen können, was passieren würde?“ In ihrem neuen Jugendroman nutzt Marlene Röder die Struktur der immer beliebter werdenden modernen Schnitzeljagd, genannt „Geo Caching“, um die Suche der Jugendlichen Max, Leyla und Red nach Identität und wahrhaftiger Beziehung geheimnisvoll und spannend darzustellen.

Max und Leyla sind über ein Jahr zusammen. Während Max ein zierliches Schloss besorgt, um ihre Liebe an der Warschauer-Brücke mit romantischem Blick auf den Berliner Fernsehturm zu besiegeln, kommen Leyla erste Zweifel. Wie viel bedeutet sie Max wirklich? Passen sie überhaupt zusammen? Er, der leistungsstarke Mustersohn aus gutem Haus und sie, die Durchschnittsschülerin mit Migrationshintergrund? Als Max in den Ferien im Schwimmcamp ist, lernt Leyla den geheimnisvollen Geocacher Red kennen und verliebt sich in ihn. Die Suche nach immer gefährlicheren und aufregenden Geocachs – Verstecken für Botschaften, die zu immer neuen Orten führen – wird zur Suche und Neubestimmung der Jugendlichen untereinander und von sich selbst. Marlene Röder montiert dabei gekonnt verschiedene Zeitebenen über die Berliner Orte, welche die Protagonisten aufsuchen.

Erzählt wird sowohl aus der Ich-Perspektive von Max als auch personal aus der Perspektive von Leyla. Red bleibt konsequent ohne Innensicht. Die von ihm gelegten Fährten führen in die Irre. Die Dreiecksgeschichte endet tragisch und anders als erwartet. Den Hintergrund der spannenden Ich-Suche bilden geheime und reale Orte der Stadt Berlin.

Es ist bereits der dritte Jugendroman der viel versprechenden und mehrfach ausgezeichneten deutschen Nachwuchsautorin. „Cache“ ist für den 5. Deutsch-Französischen Literaturpreis nominiert.

- KE

Candy
übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn

Brooks, Kevin
426 Seiten, dtv

Cover

Zwischen einem behütet aufwachsenden Jungen und einem drogenabhängigen Mädchen, das anschaffen geht, entsteht eine tiefe Beziehung, in deren Verlauf Joe erfährt, wie hauchdünn die Grenze zwischen seiner und Candys Welt ist. Und wie unüberwindlich tief der Abgrund dazwischen. Existenzielle Erfahrungen von Gewalt, Abhängigkeit und Hilflosigkeit, von Todesangst und Verzweiflung verändern ihrer beider Leben. In dieser temporeichen Geschichte kommt alles so knüppeldick und heftig, dass nur das Leben selbst solche Geschichten schreiben kann.
Dankenswerter Weise kein Happy-End – obwohl beide Protagonisten über sich selbst hinauswachsen und mehr schaffen, als eigentlich möglich ist.
Sehr empfehlenswert!

- JPS

Concentr8
übersetzt von M. Seibert & K. Kastner

Sutcliffe, William
301 Seiten, Rowohlt Taschenbuch

Cover

Um den vielen aufmüpfigen Kindern und Jugendlichen in London etwas entgegen zu setzen wurde in der jüngsten Vergangenheit an viele von ihnen ein Mittel verteilt, welches ruhig stellen soll- Concentr8. Das scheint zunächst auch zu funktionieren. Dann aber wird die Vergabe plötzlich eingestellt. Kurz darauf wird London von einer Welle von Unruhen und Plünderungen erfasst, die vornehmlich von Jugendlichen begangen werden. Fast scheint es, als sei eine ganze Generation entfesselt. Mittendrin eine Gruppe von Jugendlichen um den Anführer Blaze. Sie schwimmen auf der Welle der Unruhen mit und lassen sich durch London treiben. Der Entzug macht auch sie scheinbar unberechenbar. Um ihrer Forderung nach Wiederaufnahme der Verteilung von Concenrt8 Nachdruck zu verleihen, entführen sie einen Beamten des Rathauses und verschanzen sich mit ihm in einer alten Lagerhalle. Dann aber erfahren sie durch die Recherchen einer Journalistin etwas über die Hintergründe und ändern ihren Plan… Ein Roman ist für mich dann gut, wenn er etwas in mir anrührt. Concentr8 hat mit seiner Geschichte um die ruhig gestellten Kinder und Jugendlichen von London mitten in das Unbehagen getroffen, dass mich seit langem quält: die immer häufiger auftretende Diagnose ADHS und deren Behandlung mit Ritalin! Der Roman bietet durch seine Herangehensweise die unterschiedlichen Sichtweisen der Protagonisten an und unterfüttert die erfundene Geschichte mit Informationen aus unserer Realität. Das macht das Unbehagen konkreter. Und das macht diesen Roman aus. Unbedingt lesen, ab etwa 15 Jahren.

- KW

Crazy dogs
Werner, Brigitte
480 Seiten, Freies Geistesleben

Cover

Die junge Ich-Erzählerin Mirjam gibt uns mit tagebuchartigen Einträgen Einblicke in ihr Leben, begonnen im Alter von 13 Jahren, am Ende des Buches ist sie 18. Der Weg dieses jungen Mädchens zu Selbstbewusstsein und Individualität wird von ihrer Liebe zur Musik, besonders dem Blues bestimmt. Zusammen mit den Crazy Dogs, das sind Mirjams musizierenden Freunde der selbst gegründeten Bluesband, die sich gegenseitig mit freundschaftlicher Nähe unterstützen und stärken, kann sie bestens wachsen und gedeihen. Als ihr geliebter Vater Pom mit dem Motorrad tödlich verunglückt, bekommt das musische und familiäre Idyll tiefe Risse und es sieht zunächst nicht so aus, als ob Mirjam diese Ereignisse unbeschadet überstehen könnte.

Was mich beim Lesen gleichermaßen berührt und verstört, ist die Tatsache, dass die Geschichte in den 80er Jahren spielt. Hier tauchen Möglichkeiten meiner eigenen Jugend in ähnlichen lokalen Verhältnissen auf und der Ruhrpott wird durch seine menschlichen Werte gleichsam geadelt. Jedoch - wen könnte das sonst noch interessieren? Eine Jugend ohne ein einziges Handy und mit hippiehaftem Bekleidungscharme, mit Räucherstäbchen und selbst gebasteltem Schmuck- bitte sagt mir Bescheid, ihr 13 bis 18 jährigen: eure Meinung interessiert mich!  

- JPS

Dachbodenfund
Gedichte

Mahler, Nicholas
96 Seiten, °luftschacht

Cover

Wer kennt es nicht? Das Gefühl, das uns ohne Vorwarnung überfällt, wenn wir zufällig auf Spielzeug aus unserer Vergangenheit – oder manchmal noch heftiger – aus der Vergangenheit mit unseren Kindern, stoßen. Alle damaligen Empfindungen ballen sich im Bauch und machen uns eine Weile ganz weich.

Dem Autor kann es nur ebenso gegangen sein, schafft er es doch in seinen Gedichten vom Dachbodenfund uns auf seine ganz persönliche Zeitreise mitzunehmen. Mit knappen Worten werden die Funde ausdrucksstark und aufs Wesentliche beschränkt beschrieben und wir scheinen sie alle zu kennen: die Filztiere, Barbies, Autos und sonstigen Schätze.

Mit wenigen ansprechenden Zeichnungen vom Autor illustriert. Ein schönes Geschenk für (junge) Erwachsene.

- KW

Darkmouth
Band 1: Der Legendenjäger

Hegarty, Shane
365 Seiten, Oetinger

Cover

Shane Hegarty tritt den Beweis dafür an, dass man auch nach Harry Potter noch neue Fantasywelten erschaffen kann.

Finn hat weder einen Nachnamen noch eine Ahnung, wie er die hohen Erwartungen seines Vaters erfüllen kann: als letzter Spross einer jahrhundertealten Familie von Monster-(„Legenden“-)jägern interessiert er sich nicht für das Aufspüren und Kaltstellen („Exsikkieren“) von Monstern, die durch einen Riss im Universum aus einer fremden, unwirtlichen Welt in unsere übersetzen können, sondern für die Veterinärmedizin. Hinzu kommt noch eine Prophezeiung, welche ihm die uneingeschränkte Aufmerksamkeit beider Welten sichert…

Die ein wenig an „Percy Jackson“ und „Ghostbusters“ erinnernde Handlung emanzipiert sich schnell von ihren berühmten Stichwortgebern: mit viel Witz, Spannung und Ironie erzählt Shane Hegarty den Beginn einer Coming-of-age-Geschichte, in deren Verlauf Finn seinen eigenen Weg findet, mit den vielfältigen Erwartungen seiner Umgebung umzugehen.

Der erste Teil der auf sechs Bände ausgerichteten Darkmouth-Reihe (2. Band: „Die andere Seite“, 2015; 3. Band: „Die Legenden schlagen zurück“, 2016) macht Lust auf mehr.

- MD

Das Fieber
übersetzt von Katharina Diestelmeier

Lucier, Makiia
368 Seiten, Königskinder

Cover

Die Geschichte spielt im Herbst 1918, während der großen Pandemie der spanischen Grippe. Die 17jährige Cleo stammt aus wohlhabenden Verhältnissen und wurde nach dem Unfalltod ihrer Eltern von ihrem deutlich älteren Bruder Jack aufgezogen. Nun treten Jack und seine Frau Lucy eine längere Reise an, Cleo bleibt zuhause denn die Grippe scheint weit weg an der Ostküste. Aber dann tauchen die ersten Infektionen in Cleos Heimatstadt auf, die Schule muss schließen, und das gesamte öffentliche Leben kommt aufgrund der Epidemie zum Erliegen. Cleo hält es nicht mehr zuhause. Sie, die vorher nicht wusste, was sie mit ihrem Leben anfangen sollte, folgt jetzt dem Aufruf des Roten Kreuzes, als Krankenschwester zu helfen. Sie besitzt einen Wagen und hat bei ihrem Bruder das Fahren gelernt. So wird sie beauftragt, abgelegene Stadtteile an zu fahren und dort Schutzmasken zu verteilen oder Erkrankte ohne Hilfe aufspüren, die sonst verlassen in ihren Wohnungen sterben müssten. Cleos Leben hat plötzlich einen Sinn: sie kann hilfreich sein in Zeiten größter Not, hat sie doch selbst einmal erlebt, wie es ist, verlassen und allein nur auf sich selbst gestellt zu sein.

Dieser überaus spannend geschriebene, historische Roman macht deutlich, wie viel sich in den letzten 100 Jahren in medizinischer Hinsicht getan hat. Trotzdem zeigt das Buch auch die immer gleichen Abgründe der Menschheit auf: wo große Infektionskrankheiten wüten, verlassen Menschen einander, um sich selbst in vermeintliche Sicherheit zu bringen...

- JPS

Das Herz von Libertalia
Kuschnarowa, Anna
461 Seiten, Beltz & Gelberg

Cover

Anna Kuschnarowa schreibt diesmal über das Leben der sagenumwobenen Piratin Anne Bonny. Sie lässt Anne Bonny selbst erzählen, beginnend im Rückblick, aus dem Gefängnis von Santiagio de la Vega auf Jamaika.

Hier wartet sie gemeinsam mit ihrer Crew auf ihren Prozess, dessen Ausgang schon sicher scheint: Tod durch den Strang, wie für alle Piraten. Die Leser - und besonders die Leserinnen - erfahren hier von einer Zeit, in der die Rolle der Frau absolut festgelegt war: hübsch sein, eine gute Partie machen/heiraten, Kinder bekommen und zeitlebens tun, was andere vorschreiben. Das erste Kriterium erfüllte Anne wohl über die Maßen, sie soll atemberaubend schön gewesen sein. Doch sah sie für sich, die sich bereits vom freien Leben der Jungen und Männer einen eigenen Eindruck gemacht hatte, indem sie  Männerkleidung trug,  keine Rückkehr mehr in den Käfig der gesellschaftlichen Zwänge. Die Ungerechtigkeit der so genannten „Freien Welt“, die Sklaven hielt und Indianer ausrottete und das alles als göttlichen Willen hinstellte, trieb sie förmlich in die Arme der Freibeuter und Piraten. Sie heiratete den unbekannten Piraten James Bonny und entzog sich so dem väterlichen Willen. Da sie schon immer zur See fahren wollte, unter Anderem um den sagenhaften, freien Inselstaat Libertalia zu finden, heuerte sie bei einem bekannten Piratenkapitän an. Sie fand Libertalia nicht, aber sie fand eine andere Frau, die in Männerkleidern Seite an Seite mit ihr kämpfte: Mary Read. Und vielleicht fand sie auch ein Schlupfloch, um dem Tod durch den Strang zu entkommen. Ihre Spur verläuft sich im Nirgendwo. Kuschnarowa nutzt das als Möglichkeit für ein gutes Ende ihres Romans. Sorgfältig recherchiert, sprachlich authentisch und mit unbändigem Freiheitswillen geschrieben, welch ein fulminanter, historischer Jugendroman!

- JPS

Das hier ist kein Tagebuch
Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf

Sassen, Erna
179 Seiten, Freies Geistesleben

Cover

Wie schafft es ein 16- jähriger damit klarzukommen, dass seine Mutter sich vor den Zug geworfen hat? Boudewijn schafft es nicht. Boudewijn ist müde. So müde, dass er gar nichts mehr tut: „Nicht zur Schule gehen, nicht essen, nicht schlafen, nicht reden wollen, nichts wollen, einfach überhaupt NICHTS“. Niemand kann ihn mehr in dieser grenzenlosen Erschöpfung erreichen, außer seiner kleinen Schwester Fussel, in deren Anwesenheit er manchmal einen leisen Trost findet. Sein Vater, der sich keinen Rat mehr weiß, zwingt ihn jeden Tag aufzuschreiben, was in ihm vorgeht und eine von den CD’s zu hören, die er ihm hinlegt. Anderenfalls muss er sich in eine psychiatrische Klinik begeben. Also schluckt Boudewijn diese Pille und beginnt zunächst zögerlich zu schreiben und zu hören. Ganz langsam tastet er sich heran an die verborgenen Verletzungen der letzten fünf Jahre seit dem Unglück. Und während sie alle wieder an die Oberfläche kommen die Erinnerungen, beginnt in ganz ganz kleinen Schritten ein Weg heraus aus der endlos scheinenden Müdigkeit.

Ein starkes, ein ganz anderes Buch über die Macht der Worte und der Musik. Sehr einfühlsam wird dem Lesenden über die Entwicklungen der Nichttagebucheinträge und der sich verändernden Wahl der Musikstücke der Prozess der Heilung erkennbar. Ein Buch das berührt und fesselt aber auch Mut macht, sich den eigenen Dämonen zu stellen. Ein Buch für dessen Beschreibung es mehr braucht als die Textzeilen einer Rezension. Also selber lesen! Empfehlenswert für ältere Jugendliche.

- KW

Das ist genau mein Ding
Mutige Menschen, die ihren Weg gehen

Baltzheim,Meike & Wallis, Beatrice
201 Seiten, Beltz & Gelberg

Cover

In diesem Buch sind die Portraits und Interviews mit 25 Jugendlichen und jungen Erwachsenen gesammelt, die „ihr Ding“ durchgezogen haben- voller Leidenschaft für die eine Sache, die sie am liebsten machen und/oder am besten können. Mit dem Mut der erforderlich ist, wenn es darum geht, Sicherheiten aufzugeben und Neuland zu betreten, sind sie alle aufgebrochen: Seiltänzer und Hip-Hopper, Comiczeichner und Fußballer, Klavierspieler und

Weltverbesserer. Keine gradlinigen Lebenswege werden hier aufgezeichnet, sondern Umwege, Aus- und Abbrüche und auch immer wieder Zweifel. Aber wer erst mal herausgefunden hat, was ihn oder sie antreibt, hat natürlich den Zugang zu einem enormen Potenzial. In diesem Sinne ein wunderbares Buch zur Selbst(er-)findung...

- JPS

Das Mädchen und der Soldat
übersetzt von Mirjam Pressler

Sax, Aline | de Bode, Ann
90 Seiten, Jacoby & Stuart

Cover

Schwarz auf weiß und weiß auf schwarz. Und Grün. Auf den weißen Seiten erfahren wir aus der Sicht des blinden Mädchens von seiner Begegnung mit dem Soldaten, der außer, dass er nach Soldat riecht, auch noch den warmen Geruch von gerösteten Nüssen an sich hat. Der Soldat, dessen Schilderungen auf den schwarzen Seiten mit weißer Schrift erzählt werden, wählt die Bank in der Sonne gegenüber dem Wirtshaus, auf die sich das Mädchen auch immer setzt. Sie setzt sich zu ihm, weil es sie nicht stört, dass er schwarz ist. Sie sprechen mit einander, erzählen sich von Afrika, von zuhause, von ihren Familien. Der Vater des Mädchens ist auch im Krieg. Eines Tages backt das Mädchen ein Brot für den Soldaten. Aber im ständigen Wechsel zwischen seinem Dienst an der Front und den wenigen freien Tagen auf der Bank in der Sonne entsteht ein bedrohliches Loch. Das Mädchen macht sich auf, um den Soldaten zu suchen, läuft bis ins Soldatenlager und denkt am Ende, er sei tot. So hatte sich der Soldat auch gefühlt, aber wie durch einen Wink des Schicksals treffen sich die beiden wieder und gemeinsam essen sie das Brot auf der Bank in der Sonne. Auf grünen Seiten.

Mit ihrer ruhigen und poetischen Sprache, von Mirjam Pressler punktgenau übersetzt, beleuchtet die Autorin eindrucksvoll die Zeit des 1. Weltkriegs in Belgien. Zusammen mit den ausdrucksvollen Gemälden der Illustratorin Ann de Bode entsteht ein dichtes Bild von der Trostlosigkeit des Krieges und der Kraft der Hoffnung auf Frieden. Ein atemberaubendes Stück Weltgeschichte im Taschenformat - absolut gelungen!

- JPS

Das Mädchen Wadjda
übersetzt von Catrin Frische

Al Mansour, Hayfa
304 Seiten, cbt

Cover

Eine Jugendliche spart ihr Geld, um sich ein grünes Fahrrad zu kaufen, das sie im Geschäft gesehen hat.

Dieser alltägliche Handlungsverlauf wird im Roman „Das Mädchen Wadjda“, der auf einer deutsch-saudi-arabischen Kinoproduktion des Jahres 2012 basiert, zu einem Akt der Rebellion; spielt diese Geschichte doch in Saudi-Arabien, wo Fahrradfahren wie vieles andere für Mädchen und Frauen verboten ist. Wadjda, die kleine Heldin der Geschichte, kümmert sich wenig um diese und andere Regeln und versucht alles, um das heiß ersehnte Fahrrad kaufen zu können, ja sie macht sogar beim langwierigen Koran-Rezitationswettbewerb mit.

Umgeben ist Wadjda von anderen starken Frauenfiguren: ihrer Mutter, die mit der Tatsache konfrontiert ist, dass ihr Mann sich eine andere, fruchtbarere Frau nehmen wird, und der Direktorin Ms Hussa, die das wortwörtliche Befolgen der zahlreichen religiösen (Bekleidungs-)Vorschriften mit grimmiger Akribie kontrolliert und deprimierenderweise Wadjda einmal gesteht, sie sei auch einmal so rebellisch wie sie gewesen.

Der Roman zum Film, der zwar unter schwierigsten Bedingungen in Saudi-Arabien gedreht wurde, jedoch dort aus Mangel an Kinos nicht gezeigt werden kann, erhielt 2016 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Kinderbuch. In seiner Begründung weist die Jury auf das grüne Fahrrad als „Symbol für Rebellion, Freiheit und Gleichberechtigung“ hin.

Tatsächlich zeigt die Geschichte die beklemmende Innensicht eines Kulturkreises, in der Frauen nur eine kleine Nische bleibt, in der sie so etwas wie Freiheit überhaupt leben können: abgeschottet von der Öffentlichkeit unter ihresgleichen oder in ihrer Phantasie.

Lesenswert.

- MD

Das Schicksal der Sterne
Höra, Daniel
246 Seiten, bloomoon

Cover

Flucht und Vertreibung sind wahrhaftig keinen neuen Phänomene- der vorliegende Roman von Daniel Höra berichtet sehr anschaulich von den Parallelen, die das Flüchten zu allen Zeiten und an allen Orten der Welt hat. Die letzte, große Flüchtlingswelle nach dem Ende des zweiten Weltkriegs verbindet er mit der Aktuellen. Hier erzählt er die Geschichten von Karl und Adib, Karl ist vor 70 Jahren aus Schlesien geflohen und Adib vor knapp Einem aus Afghanistan. In Berlin treffen beide aufeinander und ihrer beider Interesse an den Sternen und an Astronomie bringt sie miteinander ins Gespräch. Obwohl es nicht direkt zwischen ihnen zur Sprache kommt, entwickelt sich doch ein tiefes Verständnis für den jeweils anderen: beide waren zum Zeitpunkt der Flucht zu jung für die große Verantwortung für Mutter und Geschwister, beide erlebten das Ausgeliefert sein auf der Flucht und im neuen Land, beide kennen die Ängste der Flucht und die Kämpfe um Würde und Anerkennung am Zielort. Auf dem Hintergrund dieser Fluchterfahrung entsteht ein tiefe Verbindung, die gegenseitigen Respekt zeigt und Kampfgeist, den man braucht um unter solch schwierigen Bedingungen zu bestehen. Das richtige Buch am richtigen Ort.

- JPS

Das Schicksal ist ein mieser Verräter
übersetzt von Sophie Zeitz

Green, John
286 Seiten, Hanser

Cover

Diese Geschichte berichtet von zwei jugendlichen Krebspatienten, die sich wider alle Vernunft in einander verlieben und mit der besonderen Endlichkeit dieser Liebe von Anfang an leben müssen. Dabei schwanken sie, genauso wie viele Gesunde, zwischen Distanzbemühungen und dem Wunsch nach bedingungsloser Hingabe, und genauso wie viele junge Verliebte kommen sie existenziellen Fragen

sehr nahe. Aber anders als Diese sind für sie die existenziellen Fragen wirklich drängend.... Die zunächst widerwillig besuchte Selbsthilfegruppe krebskranker Kinder bildet den Rahmen und das Ensemble der mit verschiedenen Krebs-Leiden geschlagenen Protagonisten, die sich auf individuelle Weise mit Schmerz, Verlust und dem Sterben auseinander setzen. Neben Hazels großer Liebe Augustus spielt ein Buch eine weitere wichtige Rolle  dass für Hazel besonders in den Zeiten der starken Schmerzen Trost und Herausforderung bedeutete. Bisher war es nie gelungen, einen Kontakt mit dem Autoren her zu stellen, nun hat es Augustus heimlich versucht und sowohl eine Einladung nach Amsterdam für sie beide erhalten als auch eine Finanzierungsmöglichkeit aufgetan. Trotz intensiver Bemühungen sieht es zunächst nicht so aus, als könnte die Reise stattfinden, als sie dann doch reisen, ist gerade das Zusammentreffen mit dem Autoren eine menschliche Enttäuschung. Trotzdem bedeutet diese Reise einen Höhepunkt für die Liebe der beiden...

- JPS

Das verdrehte Leben der Amelie
Beste Freundinnen Band 1

Desjardins, India
267 Seiten, Kosmos

Cover

Das Leben mit 14 Jahren ist verwirrend genug. Wenn sich dann noch die beste Freundin verliebt und sich nur noch alles um IHN dreht, wird es nahezu unerträglich. Denn wem soll Amelie jetzt erzählen, dass sich ihre Mutter peinlicherweise in den Schuldirektor verguckt hat? Und dann ist da noch Pseudo- Ryan, der eigentlich Nicolas heißt und in dessen Nähe Amelie plötzlich nicht mehr normal reden kann. Sie wird sich doch wohl nicht auch noch verliebt haben…

Ein schöner Roman über eine kluge 14 jährige, die über das ein oder andere stolpert, aber auch Vieles gut durchschaut und zu erklären vermag. Ein Buch über Verlust und Verlieben, über Mütter und Töchter und eben beste Freundinnen. Im modernen Tagebuchstil geschrieben. Super zu lesen. Empfehlenswert für Menschen ab 12 Jahren.

- KW

Dass Ich Ich bin, ist genauso verrückt wie die Tatsache, dass Du Du bist
Ein Roman in Listen

Hasak-Lowy, Todd
655 Seiten, Beltz & Gelberg

Cover

7 Tatsachen, die man über dieses Buch wissen sollte:

1.

Ein 16 jähriger namens Darren erkennt, dass seine Vorstellung von der Welt nicht mehr aktuell ist;

2.

Er muss schmerzlich begreifen, dass jeder Mensch nur der sein kann, der er ist;

3.

Das gilt auch für seine Eltern;

4.

Er findet die eine Person, die zu ihm zu gehören scheint und fragt sich, wer sie ist;

5.

„sie ist Zoey, das ist alles“;

6.

er verliert sie wieder;

7.

Darren trifft eine Entscheidung;

 

Wer den „Fänger im Roggen“ gelesen hat, wird sich auf eine sehr moderne Art an diesen erinnert fühlen. In Listen führt der Roman durch das Gefühlsleben des jungen Darren, der auf für ihn schmerzvolle Art erwachsen werden muss. Junge Menschen ab 14 Jahren werden durch die besondere Erzählart angesprochen und nehmen darüber sicher auch für ihr Leben etwas mit. Ein Buch, welches man daher jedem Heranwachsenden auf den Schreibtisch legen sollte.

- KW

Der Circle
übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann

Eggers, Dave
560 Seiten, Kiepenheuer & Witsch

Cover

Die junge Mae wähnt sich am Ziel ihrer Wünsche: das erfolgreichste und innovativste Unternehmen der Welt hat sie eingestellt. Hier kann sie sich und der Welt beweisen, was es bedeutet, dazu zu gehören: zu den Schönen, Intelligenten, Erfolgreichen. Dass dabei zunehmend Privatsphäre, Individualität und damit auch freies Denken auf der Strecke bleiben, nimmt Mae gerne in Kauf. Denn ihre Anerkennung in der Community funktioniert über Leistung, Gruppenpräsenz und vor allem: Transparenz. Eggers beschreibt hier Menschen ohne Schamgefühl, soziale Kompetenz und eigene Wertvorstellungen, alle unterwerfen sich freiwillig einer übergeordneten Moral, die nur von einigen Wenigen in stetig wiederkehrenden Mantras veröffentlicht und damit verbindlich gemacht wird. So wird die junge Mae selber zur Täterin...

Holzschnittartig zeigt Eggers auf, was wir schon wissen aber in seiner Konsequenz nicht erleben möchten. Dieses Buch fasziniert gleichermaßen Jugendliche und Erwachsene –schwarz-weiß ist ein klarer Kontrast der polarisiert. Seit unsere Welt komplexer geworden ist, hat selbst solch eine Dystopie etwas Faszinierendes. Lang lebe die Individualität- auch wenn sie manchmal echt nervig ist!

- JPS

Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß
Wortberg, Christoph
190 Seiten, Beltz & Gelberg

Cover

Der 16jährige Lenny hat gerade durch einen Bergunfall seinen 18jährigen Bruder Jakob verloren. Jakob war der Stolz seiner Eltern: Einser Abitur und bereits seit Jahren als würdiger Nachfolger für Vaters Apotheke auserwählt. Lenny stand stets im Schatten seiner Bruders, Jakob jedoch liebte und beschützte seinen Bruder vor der übergriffigen und Besitzergreifenden Mutter und dem leistungsorientierten Vater, der vor der dominanten Mutter den Schwanz einzieht. Lenny glaubt von Anfang an nicht an einen Unfall seines Bruders und macht sich auf die Suche nach dessen Sorgen und Nöten. Was er findet ist Jakobs Verzweiflung, dessen Unfähigkeit, sich all diesen Erwartungen zu widersetzen und ein Selbstmord-Forum im Internet, das Lenny zu einem Mädchen führt...

Wortbergs schnörkellose Sprache ist speziell bei diesem Thema ein Gewinn, bestimmt auch für Jugendliche. Hier wird kein pädagogisches Plädoyer gehalten und dennoch ist die Botschaft klar und deutlich: mach was draus, aus deinem Leben, fang an und widersetz´ dich... Die Neugier des Protagonisten weist den Lesern die Richtung.

- JPS

Der falsche Deutsche
Podhostnik, Thomas
165 Seiten, °luftschacht

Cover

„Der Blonde“, von dem man weder seinen Namen noch sein Herkunftsland erfährt, ist aus Deutschland nach Havanna/Kuba gekommen. Er und der junge Kubaner Yanez wollen sich gegenseitig ihre Sprache näher bringen, wobei der Kubaner, der die deutschen Philosophen und Deutschland an sich liebt, glaubt, einen Deutschen vor sich zu haben. Die Verbindung wird für beide zu einer harten Probe. Scheinbar nutzen sie einander aus, man ahnt, dass es mit der aufkeimenden Freundschaft nicht lange gut gehen kann. „Der Blonde“ ist ein sehr negativer Mensch, der an dem Kuba, das er erlebt, nichts Schönes sehen kann. Er benutzt die Frauen, die ihm begegnen als Objekte und macht auch vor der Frau und der Mutter von Yanez nicht halt.

 

Ein Roman, der radikal aufräumt mit dem Bild, welches der Tourist von Kuba haben mag.

Abseits von dem bunten scheinbar immer sonnigen Urlaubsleben erlebt man ein Land voller Armut, Aberglauben, Dreck und Trostlosigkeit, obwohl es in erster Linie der Gast, „der Blonde“ ist, der mit seiner Haltung dieses Bild erzeugt. Man fragt sich unweigerlich, ob es tatsächlich so ist: dass die Kubaner in Deutschland das gelobte Land sehen und den Gast auszunehmen verstehen, während der Gast selber glaubt, sich an den Frauen schadlos halten zu können.

Das Cover des Buches, auf dem das verrottete Innere eines der Oldtimer vor einem fahrenden, schönen Wagen zu sehen ist, steht symbolisch für die Gesamtaussage.

Eine harte, manchmal unnötig deutliche Sprache – auch und besonders, wenn es um Sex geht, bedingt, dass man dieses Buch keinem Minderjährigen in die Hand drücken mag.

- KW

Der Geruch von Häusern anderer Leute
übersetzt von Sonja Finck

Hitchcock, Bonnie-Sue
320 Seiten, Königskinder

Cover

Alaska gehört zwar seit meinem Geburtsjahr als 49. Bundesstaat zu den USA, ist mir als Lebensraum aber so fremd, dass ich bisher kaum eine Vorstellung davon hatte. So nah am Polarkreis gibt es hier lange, sehr kalte Winter und Lebensbedingungen, die man wohl durchaus als unwirtlich bezeichnen kann. Mit dem vorliegenden Buch stellt uns Bonnie-Sue Hitchcock eine ganze Reihe von Jugendlichen vor, die hier leben und gelernt haben, sich anzupassen aber auch gegenseitig zu unterstützen. Hitchcock verwebt die einzelnen Schicksale gekonnt zu einer gemein-samen Geschichte. In jahreszeitliche Kapitel unterteilt, kristallisieren sich bei Ruth, Hank, Alyce und Dora individuelle Problemlagen und spezielle Hintergrundgeschichten heraus. Rau wie die Witterung ist auch zuweilen der Umgangston der Erwachsenen, Alkoholmissbrauch spielt eine zentrale Rolle und Jagen und Fischen dienen zum Überleben. Doch gerade die feinen und sanften Töne sind es, die einen in all der Strenge und Härte der Umgebung berühren, z.B. jene Erwachsene, die nicht hart und abweisend geworden sind, sondern die die schwierigen und zum Teil existenziellen Situationen der betreffenden Jugendlichen richtig deuten und entsprechend handeln. All dies geschieht mehr durch aufmerksames Beobachten als durch Gespräche, denn geredet wird hier anscheinend nicht so viel, dafür aber gelacht, sei es auch manchmal zu laut und an der falschen Stelle.

Die Lektüre dieses Buches schafft etwas Besonderes: ein Ahnung vom Leben in Alaska und ein zärtliches Gefühl für die Menschen.

- JPS

Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul
Reinhardt, Verena
521 Seiten, Beltz & Gelberg

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Friedrich Löwenmaul, letzter Nachkomme einer berühmten Hummelreiterfamilie, wird von einer goldenen Hummel namens Brumsel in ein fernes Land namens Skarnland entführt, wo er in einen Konflikt zwischen Nordwärts und Südwärts hineingezogen wird. Dieser spielt sich zwischen den Tieren ab, die dort alle vernunftbegabt sind und sprechen können. Und so gesellen sich bald Kahlsson, die tätowierte Raupe – später Schmetterling –, die opernsingenden Eulenschwestern Oilinis, die Mottenmeisterin, die Zikade Talpa und viele andere zu den beiden, um ein Komplott gegen Nordwärts aufzudecken und einen Krieg zu verhindern.

Der Roman Verena Reinhardts sprüht dabei nur so vor Erfindungsgabe: Es wird eine komplexe Gesellschaftsordnung der Tiere dargestellt, die auf ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten beruht, aber frappante Ähnlichkeit mit unserer hat; auch dort gibt es Industriegebiete, Soldatenarmeen, Drogenexzesse, Motorräder, Schmuggler, Opernaufführungen, nicht zuletzt auch eine eigene Mythologie und Ethik. Gemeinsam mit Friedrich amüsiert sich der Leser über die originellen Regeln des Tierstaates: zum Beispiel macht es einen absoluten Unterschied, ob eine Nacktschnecke auf der Straße nackt ist oder ob sie sich gerade für ihren Kellnerdienst eine Schürze umhängt und dabei bitteschön nicht gestört werden möchte.

Ein Feuerwerk an Ideen, das sich selbst nicht so ernst nimmt, und so durch Ironie und Witz besticht.

Zu Recht nominiert für den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises 2017 (Neue Talente)

Ein bemerkenswerter Romanerstling

- MD

Der Joker
übersetzt von Alexandra Ernst

Zusak, Markus
443 Seiten, cbj

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Jurybegründung AKJ:
Jeder Loser kann die Welt verbessern! – Ed findet eine Spielkarte im Briefkasten, mit drei Adressen und Uhrzeiten – Anstoß für seine ersten drei Aufgaben. In weiteren Aufträgen kreuzt Ed das Leben anderer Menschen. Einer alten, einsamen Frau leiht er ein offenes Ohr, einem brutalen Familienvater führt er die Gefühle des Opfers vor Augen. Er ändert nicht aktiv das Leben der Anderen, sondern zeigt ihnen nur die Richtung. Nach und nach öffnen sich auch ihm die Augen und er entdeckt in seiner eigenen scheinbar heilen Welt Risse und Sprünge.
Den Helden auf seinem Weg zu begleiten, ist ein aufregendes Abenteuer. Skurrilironisch-komische Abschnitte wechseln sich ab mit erschütternden und nachdenklich machenden Etappen. Zusak spricht viele verschiedene Themen an und lässt den Leser zusammen mit Ed in zahlreiche unterschiedliche Milieus eintauchen. Diese Episoden fügen sich wie von selbst zu einer unglaublichen, aber dennoch authentischen Story zusammen. Hinzu kommt der geniale Stil des Autors. Durch geschickte Wortwahl lockt er den Leser hin und wieder auf falsche, teils grausige Fährten, so dass man sich in einem Strudel aus Realität und Fiktion wiederfindet. Ab 13

Vier Freunde, einer davon der Ich-Erzähler Ed, befinden sich in einem Zustand relativer Antriebslosigkeit. Egal, ob sie Arbeit haben, oder nicht, sie haben sich in ihrem Dasein eingerichtet und spielen regelmäßig miteinander Karten. Bis eines Tages zwei der 4 in einen Banküberfall verwickelt werden, durch den die Öffentlichkeit auf Ed aufmerksam wird. Jetzt beginnt eine neue Zeit für Ed, denn irgendjemand schickt ihm Spielkarten, Asse, mit Aufgaben, denen er sich stellen will oder muss. Indem er diese Herausforderungen annimmt, lernt er sich, seine Freunde und seine Mitmenschen neu kennen und beginnt, echtes Interesse zu entwickeln. Er wächst an seinen Aufgaben als Freund, als Mensch und als Mann. Eine Frage, die sich wohl zurzeit viele junge Leute stellen: was hat das alles mit mir zu tun? Die Idee, sich mal in seiner näheren Umgebung umzuschauen, die Menschen zu BEACHTEN, die da leben und ihnen vielleicht ein wenig zu helfen, dazu muss man eigentlich nicht erst eine Spielkarte zugeschickt bekommen. Aber wenn es hilft, kann man ja dieses Medium benutzen. Und Aufgaben verteilen, die vielleicht innerhalb der Gruppe etwas voran bringen?!

- JPS

Der lange Weg zum Wasser
Park, Linda Sue
128 Seiten, bloomoon

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In „Der lange Weg zum Wasser“ von Linda Sue Park verweben sich zwei Geschichten zu einem Ganzen: Die eine spielt im Jahr 2008 und handelt von dem Dorfmädchen Nya aus dem südlichen Sudan. Die andere ist 1985 in der Zeit des Zweiten Sudanesischen Bürgerkriegs angesiedelt und hat den elfjährigen Salva als Protagonisten. Während Nya mehrmals am Tag weite Wege zur Wasserstelle zurücklegen muss, um das Überleben ihrer Familie zu sichern, begleitet der Leser den elfjährigen Salva auf seiner Flucht vor dem Krieg. Sie führt ihn durch den Busch, die Wüste, in Flüchtlingslager in Äthiopien und schließlich Kenia. Eine glückliche Wende nimmt sein Schicksal, als er Asyl in den USA erhält und dort von einer Pflegefamilie aufgenommen wird. Jahre später kehrt Salva in sein Heimatland zurück.
Die Autorin lernte den jungen Sudanesen kennen und hat nun mit „Der lange Weg zum Wasser“ sein Schicksal – und damit das vieler Lost Boys des Sudanesischen Bürgerkriegs – dokumentiert. Das Buch beschönigt nichts, lässt den Leser auch die grausamen Details seiner Flucht miterleben. Es macht betroffen, ist aber auch ein Quell des Muts: „Die Sohlen (…) bestanden ohnehin nur noch aus einzelnen Fetzen, die von ein wenig Leder und jeder Menge Hoffnung zusammengehalten wurden.“ In diesem Satz steckt die Botschaft dieses Buchs – und widersetzt sich damit der Wahrheit, die manchmal kaum zu ertragen ist.

- KP

Der Märchenerzähler
Michaelis, Antonia
446 Seiten, Oetinger

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Lochan und Maya sind die zwei älteren Geschwister Kit, Tiffin und Willa die jüngeren. Mit unglaublichem Engagement versuchen Lochan und Maya, neben der Schule die Familie zu organisieren und zusammen zu halten. Die Mutter aller fünf Kinder ist zunehmend dem Alkohol und ihren häufig wechselnden Lovern zugeneigt, und lädt die Verantwortung bei ihren Ältesten ab. Als sie dann auch noch ständig abwesend ist, steigt der Druck noch: wenn Schule oder Jugendamt davon erführen, würden die Geschwister mit Sicherheit getrennt und auf verschiedene Heime oder Pflegefamilien verteilt. Das ist der worst case. Maya und Lochan ackern Tag und Nacht, versuchen die Schule und die familiäre Dauerbelastung unter einen Hut zu bringen und stellen zu allem Überfluss dann auch noch fest, dass sie unsterblich in einander verliebt sind. Ein schrecklicher und gleichzeitig unglaublich tröstender Streich des Schicksals: hieraus beziehen die beiden ihre unglaubliche Kraft aber hier droht auch die größte Gefahr: eine Liebe, die nicht sein darf ...Suzuma erzählt diese dichte und intensive Geschichte, die Inzest als eines der letzten gesellschaftlichen Tabus thematisiert, und die Leser leiden mit...

- JPS

Der Rabe ist Acht
Antelmann, Corinna
221 Seiten, mixtvision

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Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die beiden Klassenbesten, Maja und Markus Klebe, genannt Klebe, gemeinsam einen Plan zur endgültigen Beseitigung einiger Lehrer ausarbeiten? Eigentlich besteht eine Art Leistungskonkurrenz zwischen den beiden, Maja entspricht so sehr dem Bild der braven und strebsamen Einserschülerin, dass sie sich selbst schon widerwärtig findet. Sie ist unterschwellig so aggressiv, dass sie ab und zu im Heizungskeller der Schule flaschenweise die Schulmilch an den Wänden zerdeppert. Klebe hat sie dabei beobachtet. Er selbst hat eine treue Anhängerschaft unter den Mitschülern, allen voran Bernd, der Klebe vorwiegend nach dem Mund redet. Klebe sucht nach einer Formel, mit der sich das Leben erklären lässt und findet einen angeschossenen Raben, den er gesund pflegt. Klebes Angewohnheit, den Lehrern provokante Fragen zu stellen, zuweilen auch auf Haftnotizzetteln, führt eines Tages dazu, dass sich die überforderten Lehrer über in lustig machen. Das hört Klebe zufällig, sein Ego ist tief verletzt. Antelmann erzählt diese extrem spannende Geschichte über die Entstehung von Gewalt aus der Sicht von Maja (die hasst Bienen, aber genau das ist ihr Symbol) und Klebe, der durch einen Raben symbolisiert wird.

Eine tiefgründige und lesenswerte Verarbeitung der Ereignisse von Winnenden oder ähnlicher Gewalteskalationen...

- JPS

Der Tiger in meinem Herzen
Übersetzt von Maren Illinger

McCormick, Patricia
256 Seiten, Fischer KJB

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Du erzählst deine Geschichte“, sagt Peter, „um die Menschen zu retten, die noch in Kambodscha sind. Aber auch, um dich selbst zu retten. Darüber zu sprechen, deine Geschichte zu erzählen, ist ein Weg, dich für das Leben zu entscheiden. Du bist bei den Lebenden. Nicht den Toten.“ Arn Chorn Pond wird als Elfjähriger 1975 von den Roten Khmer deportiert. In einem Kinderarbeitslager kämpft er ums nackte Überleben, begegnet den menschlichen Abgründen in allgegenwärtiger Grausamkeit und Tod. 1979 fallen vietnamesische Truppen in Kambodscha ein; Arn wird selbst zum Kindersoldat, bevor er sich in ein Flüchtlingslager nach Thailand rettet. Dort wird er von dem Amerikaner Peter Pond adoptiert. Auch in seiner neuen Heimat Amerika fällt es ihm schwer, den Tiger in ihm zu bändigen: „Mein Herz. Wie ein Tiger“, sage ich, „mein Herz ist wie ein Tiger in meiner Brust, kratzt an meinen Rippen, um auszubrechen. Es ist so viel Hass darin, dass es wehtut. Hass auf die Menschen, die meine Familie getötet haben, Hass auf die Menschen, die meine Freunde getötet haben, Hass auf mich selbst.“

Wer großes Leid erlebt hat, kann oft nicht darüber sprechen. Patricia McCormick hat Arns Geschichte aufgeschrieben und zu einem packenden Roman verwebt. Das Buch hilft zu verstehen, wie Krieg Menschen zu Tieren macht. Es ist aber auch eine Hommage an die Menschlichkeit in einer unmenschlichen Zeit. Gewalt ist in den Szenen an der Tagesordnung, die Lektüre setzt innere Reife voraus.

- KP

Der Tiger in meinem Herzen
Übersetzt von Maren Illinger

McCormick, Patricia
256 Seiten, Fischer KJB

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Arn Chorn-Pond, die reale Titelfigur des Romans, berichtet als Ich-Erzähler von seinem Überlebenskampf nach der Machtübernahme durch die Roten Khmer. Mit 11 Jahren wird er durch deren willkürliche Gewalt von seiner Familie getrennt. Beinahe 4 lange Jahre ist Arn Torturen ausgesetzt, bei denen er unermessliches Leid ertragen und grausame Gewalt miterleben muss. Während er ständig Hunger leidet und gemeinsam mit zahllosen anderen Kindern täglich 14 Std. arbeiten muss, behält er seinen wachen Verstand und leidet umso mehr, als er selbst immer wieder auch zum Täter werden muss, um zu überleben. Einzig sein Talent beim Spielen des Kambodschanischen Nationalinstruments, der Khim, schafft für ihn einen Sonderstatus, der gleichzeitig Fluch und Segen für ihn ist. Erst in der Rückschau Arns wird deutlich, wie sehr die Musik zu seinem Überleben beigetragen hat. Diese Rückschau ist es auch, die die Leser endlich entspannen lässt: Arn hat es geschafft, einige seiner Freunde und Geschwister auch. Arn wird von dem Amerikaner Peter Pond adoptiert und in die USA gebracht, von wo aus er, zunächst widerwillig, später mit einer dringlichen Aufgabe, dafür sorgt, dass die Geschichte der Kindersoldaten in Kambodscha bekannt wird. Wie unglaublich groß das Ausmaß menschlicher Grausamkeit und die Lust am Töten auch ist, hier wird ein Appell für Menschlichkeit und für die Macht der Vergebung an alle gerichtet. Mit einer bemerkenswerten Sprache schaffen Autorin und Übersetzerin ein historisches Zeugnis, dessen Inhalt oft kaum zu ertragen ist.... 

Wer großes Leid erlebt hat, kann oft nicht darüber sprechen. Patricia McCormick hat Arns Geschichte aufgeschrieben und zu einem packenden Roman verwebt. Das Buch hilft zu verstehen, wie Krieg Menschen zu Tieren macht. Es ist aber auch eine Hommage an die Menschlichkeit in einer unmenschlichen Zeit. Gewalt ist in den Szenen an der Tagesordnung, die Lektüre setzt innere Reife voraus.

- JPS

Der Zweifel ist das Wartezimmer der Erkenntnis
Zeitungsfibel

Chaumeny, Corinna
36 Seiten, Kunstanstifter

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„Der Ort an dem ich bin, ist nicht ganz leicht zu erreichen“, dieser Eindruck verfestigt sich beim Lesen der Kapitel. Wie ein Kunstwerk, eine Collage aus unterschiedlichen ausgerissenen Zeitungsversatzteilen reihen sich die Texte aneinander und ergeben ein neues skurriles Bild, ergänzt von den eindringlichen Illustrationen der Autorin. Interessant als Gesamtkunstwerk, literarisch hat es mir nicht viel gegeben. Vielleicht am ehesten für den Kunst/Literaturunterricht als Anregung geeignet. Für ältere Jugendliche und Erwachsene

- KW

Die besseren Wälder
Baltscheit, Martin | Baltscheit, Martin
250 Seiten, Beltz & Gelberg

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Martin Baltscheit erzählt in diesem illustrierten Roman von Ferdinand, einem Ausnahmeschaf im Land der Schafe. Klug, charmant und mit einer unwiderstehlichen Singstimme ist Ferdinand der Stolz seiner Eltern. Dass seine eigentlichen Eltern bei dem Versuch, mit ihm gemeinsam die besseren Wälder zu erreichen, erschossen wurden und die beiden Schafe Wanja und Frauke den kleinen Wolf aufgenommen und zu einem Schaf erzogen haben, das weiß Ferdinand selber lange Zeit nicht. Aber als er sich in das hübsche Schafmädchen Melanie verliebt und die beiden einen kleinen, verbotenen Abstecher ins Grenzgebiet unternehmen, kommt viel Alkohol ins Spiel und als Ferdinand aufwacht, liegt Melanie tot neben ihm. Getötet von einem Wolf. Er kommt ins Gefängnis, er fängt an, sich zu fragen, wer er ist, er wird von zwei Mithäftlingen in die Mangel genommen, schließlich flieht er. Ok, er ist ein Wolf. Aber ist er auch Melanies Mörder?

Baltscheits Fabel von den Schafen und den Wölfen liest sich in der Tat wie ein Krimi. Seine wunderbare Sprache, zwischen Poesie und Alltagskultur, trägt die Gedanken in  die Köpfe und lässt sie dort keimen, die Sprachbilder wie die Illustrationen wird man so schnell nicht mehr los. Farben unterteilen die Kapitel, die wölfischen sind Schwarz, die schafigen Weiß, zwischendurch blutiges Rot und Pastelltöne. Was für ein Buch!

- JPS

Die Bücherdiebin
übersetzt von Alexandra Ernst

Zusak, Markus | Zusak, Markus
587 Seiten, cbj

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Darf man über das schrecklichste Kapitel deutscher Geschichte Witze machen? Der Tod darf das. Wer, wenn nicht er? "Ich frage mich wirklich, ob nicht irgendwann irgendwo beim Hitlergruß jemand einmal ein Auge verloren oder sich die Hand oder den Arm gebrochen hat. Man musste doch bloß zur falschen Zeit in die falsche Richtung schauen oder zu nah vor jemandem stehen." Der Tod ist aber auch ein Poet, der zärtliche Worte für die Menschen findet, deren Seelen er "auf das Förderband zur Ewigkeit" legt. Er ist es auch, der uns fasziniert die Geschichte von Liesel Meminger erzählt. Das kleine Mädchen stiehlt Bücher, um sich und andere mit ihnen zu trösten, während die Welt um sie herum untergeht. Am Grab ihres Bruders klaut sie das erste Buch. Es ist dem Totengräber aus der Tasche gefallen. Später wird sie ihr Pflegevater mit dem Handbuch "Wie man ein guter Totengräber wird" das Lesen lehren und in ihr die Liebe zum geschriebenen Wort wecken. Er tröstet sie auch, wenn sie des Nachts vom toten Bruder und der vermissten Mutter träumt. Liesel klaut alle Bücher, die sie nur kriegen kann, und teilt ihr Leseerlebnis mit anderen, die ebenfalls nach geistigen Fluchten lechzen: mit ihrem Freund Rudi, den Nachbarn im Luftschutzkeller und dem Juden Max, den ihre Zieheltern verstecken.

Damit ist "Die Bücherdiebin" von Markus Zusak, einem Australier mit deutsch-österreichischen Wurzeln, dann auch weit mehr als eine weitere bewegende Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg: Eine Hommage an Bücher und an die Macht der Sprache, die Seelen retten kann. Und ein Buch, das nicht nur Jugendliche beeindrucken wird, sondern auch Erwachsene - weil sich in ihm das Schwere mit dem Leichten verbindet, ohne je bemüht oder banal zu wirken. Denn auch in seinem neuen Werk zeigt die Sprache des für sein Buch "Der Joker" mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis gekürten Autors wieder ihren Facetten-Reichtum. Neben Poesie und Ironie ist es hier vor allem der lakonisch-distanzierte Ton des Erzählers. Nur manchmal muss man über seinen Redefluss hinweglesen, um die ausdrucksstarke und bildhafte Sprache genießen zu können. *ag* Heike Byn, Quelle: 1001 Buch

- JPS

Die Nacht gehört dem Drachen
übersetzt von Henning Ahrens

Casale, Alexia
320 Seiten, Carlsen

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Die 14 jährige Icherzählerin Evie ist nach offenbar traumatischen Kindheitserlebnissen bei liebevollen Adoptiveltern gelandet. Aber auch hier braucht sie noch Jahre, bis sie Amy und Paul endlich von ihrer gebrochenen Rippe erzählen kann. Im Krankenhaus wird ihr der inzwischen abgestorbene Teil der Rippe herausoperiert und zusammen mit ihrem neuen Onkel Ben schnitzt Evie aus dem Stück Rippe einen Drachen. Evie wünscht sich so sehr, dass der Drache lebendig werden möge, dass es dann eines Nachts auch passiert. Der Drache spricht mit ihr- allerdings meistens in Rätseln- und vor allem begleitet er sie auf nächtliche Ausflüge. Dieses fantastische Element gibt dem Roman einen schwebenden Grundton. Die Autorin Alexia Casale überlässt es den Lesern ihres Debütromans, zwischen den Zeilen zu lesen und sich selbst Gedanken zu machen. Das Thema Missbrauch wird hier so vorsichtig und sensibel behandelt, wie ich es bisher noch kaum irgendwo gefunden habe. Vielleicht ist es gerade das, was das Buch so wichtig macht. Aber auch Rache, Gerechtigkeit und Strafe werden thematisiert, auch hier müssen die Leser selbst entscheiden. Das orangefarbene Cover weckt Interesse und Neugier, ein signalfarbiger Hinweis darauf, dass überall auf der Welt Kinder misshandelt werden...

- JPS

Die Nackten
Prochátzková, Iva
264 Seiten, Sauerländer

Cover

Fünf junge Menschen erleben einen heißen Sommer, jede/r von ihnen mit seiner Geschichte, seiner Unfertigkeit, seiner Suche. Sie treten hinein oder hinaus aus dem Leben der anderen, kennen sich, lernen sich kennen, stellen sich selbst vor, sind Ich-Erzähler oder wechseln als Protagonisten in eine andere Episode. Sylva ist eine dieser Fünf, ein Mädchen, das sich als Hochbegabte in der Schule langweilt und sich nicht unterordnen will. Sie schwänzt tagelang und bewegt sich auf langen Wanderungen durch die Natur. Filip ist in Sylva verliebt, merkt das aber erst nach ihrem Weggang. Als Gegenmittel gegen seine verkopfte Art verordnet er sich körperliche Arbeit und lernt so ein anderes Mädchen kennen, in das er sich später verliebt. Niklas kennt Sylva von früher. Da wollte er noch Filme machen, aber nun hat er die bildschöne Evita kennengelernt, und folgt ihr fasziniert in die Drogenszene. Und Robin, der gegen die Übermacht seines Vaters kämpft, ist von der Schule geflogen, weil er angeblich auf einer Klassenfahrt ein Mädchen vergewaltigt hat – doch die Sache ist etwas komplizierter.
Die Beziehungen – die der Jugendlichen untereinander und die zu den Erwachsenen – sind es, die die eigentliche Hauptrolle im Prozess des Erwachsenwerdens spielen. Iva Prochátzková lässt es Sylvas Vater zusammen fassen : “Die Pubertät ist ein eigenartiger Zustand. Nicht wiederholbar. In der Pubertät ist der Mensch nackt, also berührt ihn alles direkt. Die Berührung ist erregend und schmerzhaft zugleich. […] Erst wenn du älter wirst, beginnst du dich anzuziehen.”
Lebhaft gestaltete Charaktere, die Radikalität der Jugendlichen im Tun und Denken, die Gefahr und das Bewusstsein davon: das Leben als eine Kette von Herausforderungen. Beim Lesen sind mir meine eigenen Gedanken, Gefühle und Radikalitäten wieder eingefallen. Nicht immer angenehm! Aber auch darüber hinaus eine tolle literarische Leistung.

- JPS

Die Sonnensucher
Laing, Kojo
525 Seiten, Edition Büchergilde

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Ghana in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Kolonialzeit ist vorbei und das Land versucht sich in der Unabhängigkeit. Aber es gelingt nicht recht. So herrschen Wirrwarr und Korruption in dem afrikanischen Land. Dieser Wirrwarr wird im Roman verdeutlicht durch die vielfältigen Dialekte, mit denen die Protagonisten auftreten. Vom Pidgin-Englisch bis zu Hochenglisch ist jede Spielart vorhanden und lässt erahnen, wie bunt, aber auch schwierig der Umgang mit dieser „Übergangsphase“ gewesen sein muss. Die Menschen in dieser Geschichte, die in der Stadt Accra spielt, erscheinen zuweilen desorientiert und wenig interessiert am politischen Geschehen. So endet dann schon mal eine Demonstration damit, dass die Polizei zum Essen lädt.

Die Charaktere sind so vielfältig wie die Dialekte und überdies teilweise sehr skurril. Beni Baidoo zum Beispiel hat die fixe Idee, ein Dorf gründen zu wollen und sammelt dafür Spenden. Maame entblößt ihr Hinterteil vor ihrem Mann und aller Welt, um ihre Meinung über ihren Gatten kund zu tun. Der Soziologieprofessor Dr. Sackey verfolgt das Geschehen mit der Sicht eines Intellektuellen und ist so ein wenig der rote Faden.

Die Geschichte vermittelt mit ihren den Facetten und Handlungsstängen ein Gefühl für die Zeit, in der sie spielt und den Kontinent Afrika. Allein die blumige Sprache lässt im Kopf bereits besondere Bilder entstehen. Nicht leicht zu lesen, aber zum Verständnis einer für uns fremden Welt in der Nachkolonialzeit grandios geeignet. Daher eher für Oberstufenschüler.

- KW

Die Sprache des Wassers
übersetzt von Cordula Stetsman

Crossan, Martha
232 Seiten, mixtvision

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Die junge Kasienka wandert gemeinsam mit ihrer Mutter von Polen nach England aus, bloß mit einem Koffer und einem alten Wäschesack. Das Mädchen hält eigentlich nicht viel von der Idee, aber die Mutter ist überzeugt, ihren Mann, Kasienka `s Vater, in Coventry wieder finden und zurückgewinnen zu können. Nicht nur der englische Regen und die miese Unterkunft, in der sich Kasienka und ihre Mutter ein Bett teilen, macht das Ankommen im fremden Land schwierig. Kasienka wird in der Schule gemobbt und von ihrer Mutter besonders bei der Suche nach ihrem Vater als Dolmetscherin missbraucht. Dabei ist Kasienka gar nicht scharf darauf, ihren Vater wieder zu finden, schließlich hat er sie beide verlassen. In tagebuchartigen Einträgen und mit einer schnörkellosen und trotzdem poetischen Sprache gelingt es Sarah Crossan, uns  Einblick zu geben in Kasienkas´s Gedanken und Gefühle. Nur beim Schwimmen fühlt sich das junge Mädchen wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser und hier lernt sie auch den Jungen William kennen. Ein gelungener Einblick in die Zwänge und Schwierigkeiten eines Neuanfangs in einem fremden Land.

- JPS

Die unterirdische Sonne
Ani, Friedrich
334 Seiten, cbt

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Fünf jugendliche Entführungsopfer werden gewaltsam in einem Keller auf einer Insel festgehalten. Jeden Tag wird einer von ihnen „nach oben“ geholt. Was dort oben passiert, wird nie geschildert und auch die Kinder selbst sprechen nicht darüber. Klein gehalten von der Angst, der Scham und dem Gefühl der absoluten Machtlosigkeit. Letzteres muss auch der Leser aushalten ohne genau zu wissen was diesen Kindern passiert, fest steht nur, das es schrecklich ist, schlimmer als alles bisher Erlebte. Friedrich Ani beschreibt leise und eindrücklich die eingesperrten Jugendlichen und ihre verschiedenen Charaktere, ihr Verhalten und ihre Veränderungen im Laufe der Gefangenschaft. Mit seiner präzisen Sprache zwingt uns der Autor, genau hinzulesen, schnell geht hier gar nichts. Ohne den Hauch von Voyeurismus aber mit offenen Augen und einem unverstellten Blick ist es für den Leser dennoch ein mühsames Durchhalten einer extrem gespannten Situation, von der man nicht lassen kann. Das Lesen eines toll geschriebenen und wichtigen Buches muss wahrhaftig nicht glücklich machen...

- JPS

Die Welt wär besser ohne Dich
aus dem Amerikanischn von Jaekel, Fransziska

Littmann, Sarah Darer
379 Seiten, Ravensburger Buchverlag

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Lara ist überglücklich. Sie hat die Mittelschule hinter sich und ist mit dem neuen Wunschgewicht auch das Image des Specki endlich losgeworden. Jahrelang hat sie unter den Hänseleien gelitten und darüber auch ihre beste Freundin Bree verloren, indem sie keine gute Freundin mehr war. Jetzt aber scheint alles gut zu werden, denn ein wahrlich süßer Junge interessiert sich auf facebook für sie. Ausgerechnet sie erwählt er und chattet ständig mit ihr. Plötzlich aber wendet sich das Blatt und er beleidigt sie auf das Schlimmste. Und erhält im Netz viel Zuspruch für seine Kommentare. Nachdem er postet, die Welt sei besser ohne sie dran, versucht sich Lara das Leben zu nehmen. Sie wird gerettet und versucht mit Hilfe ihrer Therapeutin nach vorn zu schauen. Noch ahnt sie jedoch nicht, dass das Schlimmste ihr noch bevorsteht…

Die Autorin nähert sich dem Thema cybermobbing von unterschiedlichen Seiten. Sie beleuchtet einfühlsam die Rollen und Empfindungen der beteiligten Familienmitglieder. Diese unterschiedlichen Sichtweisen werden durch die Struktur des Romans – jede der beteiligten Hauptpersonen kommt abwechselnd zu Wort- noch betont. Am Ende gibt es viele Opfer und eigentlich ist niemand nur Täter. Ein wichtiges Buch um sich mit dem Thema cybermobbing auseinander zu setzen. Schnell wird eindringlich deutlich: Ein unüberlegtes gesprochenes Wort kann mit einer Entschuldigung entschärft werden, eine unüberlegte Äußerung kann dir im Netz zum Verhängnis werden.

- KW

Die Zeit der Wunder
übersetzt von Maja von Vogel

Bondoux, Anne-Laure
189 Seiten, Carlsen

Cover

Ein zwölfjähriger Junge wird an der französischen Grenze aufgegriffen, die er in einem Viehtransporter in Richtung Frankreich überqueren wollte.
Er ist allein und kann nur einen einzigen Satz Französisch in dem er behauptet, französischer Staatsbürger zu sein. In Rückblenden erzählt der nun inzwischen erwachsenen Protagonist von der abenteuerlichen Flucht mit seiner Ziehmutter Gloria aus den Kriegsgebieten des Kaukasus, von seinem Ideal Frankreich (dem Land der Menschenrechte) und von den Versuchen, seine Mutter in Frankreich ausfindig zu machen.
Erst nach und nach, unter anderem im Gespräch mit dem russischen Dolmetscher, versteht sowohl der Ich-Erzähler als auch der Leser von der Komplexität seiner ganzen Geschichte, die geprägt ist von Kriegen, Unruhen und Flucht. Und immer wieder erinnert er sich an Glorias Lektionen, von denen die Wichtigste war, sich nicht von der Verzweiflung auffressen zu lassen...
Ein wundervolles Buch über ein Flüchtlingsschicksal, das viel zum Verständnis solcher Lebensumstände beiträgt, und das man bedenkenlos mehrmals lesen kann!

- JPS

Djadi, Flüchtlingsjunge
Härtling, Peter
116 Seiten, Beltz & Gelberg

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Djadi ist ein UmF. Kommt man als UMF – als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling – nach Deutschland heißt das oft Heim oder Pflegefamilie. Nicht aber für Djadi. Der Junge, der nicht weiß ob er acht oder elf Jahre alt ist und der seine gesamte Familie im Krieg um Syrien verloren hat, landet in einer Wohngemeinschaft. Statt nur zwei Pflegeeltern kümmern sich gleich sechs Erwachsene, die alle schon seine Großeltern sein könnten, um den Jungen. Und das ist auch wunderbar so. Besonders Wladi hat es ihm angetan, denn der alte Mann ist selber in Kindertagen als Flüchtling aus Ostpreußen gekommen und kann sich in Djadi gut einfühlen. Obwohl er durch die liebevolle Hilfe sehr schnell Deutsch lernt und sich auch zurechtfindet, ist es ganz so einfach mit dem neuen Leben nicht. Zuviel hat er erlebt auf seiner Reise, so dass ihn kleine Dinge oft völlig aus der Bahn werfen. Und dann passiert auch noch das Undenkbare…

Peter Härtling schafft es, uns Lesenden auf sehr anrührende Weise zu vermitteln, dass das mit der Integration selbst bei ganz viel gutem Willen von allen Seiten nicht immer so einfach möglich ist. Traumatisierte Menschen und vor allem auch Kinder, die plötzlich in der für sie völlig fremden Welt ganz allein da stehen, können eben keine Schalter umlegen. Sie können nicht eintauchen in die neue Welt, als wäre nichts gewesen. Geben wir ihnen Zeit.

Da in einfachen Worten und klaren Sätzen geschrieben, empfehlenswert bereits ab 12 Jahren.

- KW

Du neben mir
und zwischen und die ganze Welt

Yoon, Nicola
336 Seiten, Dressler

Cover

Die 18jährige Madeline lebt, solange sie denken kann, alleine mit ihrer Mutter in einem völlig keimfreien Haus. Ihr Vater und ihr Bruder sind vor langer Zeit bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Da Maddy an einem komplexen Immundefekt leidet, hat sie das Haus noch nie verlassen. Sie besucht Internetklassen, ist außerordentlich gebildet und belesen und hat eine intensive Beziehung zu ihrer Mutter. Die ist Ärztin und kümmert sich nach der Arbeit liebevoll selbst um ihre Tochter. In der verbleibenden Zeit ist eine Krankenschwester da, die ihr Gesellschaft leistet und alle medizinischen Funktionen überwacht. Eines Tages zieht im Nachbarhaus eine Familie ein. Olly, deren ungewöhnlicher Sohn, hat es Madeline sofort angetan, sie überredet ihre Krankenschwester Carla, ein Treffen unter keimfreien Bedingungen mit Ollly in ihrem Besucherzimmer zu gestatten. Natürlich ist das erst der Anfang einer spannenden Liebesbeziehung unter extremen Bedingungen. Maddy muss sich zwischen der Vorsicht und dem Leben entscheiden, was in ihrem Fall besonders existenziell ist. Diese romantische Liebesgeschichte ist illustriert mit kleinen Vignetten, ganzseitigen Schaubildern oder Sms-und email-Abschriften in unterschiedlicher Typografie sowie etlichen von Maddys Listen, mit denen sie sich immer wieder beschäftigt. Eine hübsche Titelillustration des Softcovers lädt zum Weiter- und Ausmalen im Buchinneren ein. Ungewöhnliche Text- und Bildgestaltung, spannende Erzählperspektiven und ein überraschendes Ende machen dieses Buch zu einem bemerkenswerten Debütroman.

- JPS

Echt
Scheuring, Christoph
255 Seiten, magellan

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Der 16jährige Albert lebt nach der Trennung der Eltern bei seinem Vater, einem hauptsächlich vergeistigten Mathematikprofessor. Albert frönt nur einer einzigen Leidenschaft: er fotografiert Abschiede. Naturgemäß ereignen sich Abschiede häufig an Bahnhöfen und Albert, der bis dato ein unauffälliges Leben geführt hat, kommt mit dem Bahnhofsmilieu in Kontakt. Hier lernt er auch Kati kennen, ein auffällig hübsches Mädchen, die sich für Alberts Fotografie interessiert, allerdings hauptsächlich für ein spezielles Bild. Sie ist es auch, die die Frage nach der Existenz der „großen Liebe“ in den Raum stellt, mit halsbrecherischen Aktionen am Rande der Legalität oder weit darüber hinaus versucht Albert, unterdessen sehr verliebt in Kati, mit ihr mitzuhalten. Alberts Fotografie ist das Bindeglied zwischen zwei Welten, doch in seinem ehrlichen Bemühen um „Echtheit“ erkennt Albert auch die Projektion der Betrachter. Tiefgründig, krass, spannend und auch eine zarte Liebesgeschichte!

- JPS

Ein Ort wie dieser
übersetzt von Tobias Scheffel

Murail, Marie-Aude
416 Seiten, Fischer KJB

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Die schüchterne Cécile ist bereits mit 22 frisch gebackene Lehrerin und hat eine Anstellung in Paris in der Nähe ihres Elternhauses bekommen, in dem sie mit Mutter und Bruder lebt. Von dort aus geht sie täglich in die Grundschule, wo sie es mit 18 Erstklässlern aus den unterschiedlichsten Bevölkerungs-schichten zu tun hat. Die Liebe zu den Kindern und zu ihrer Arbeit hilft ihr, sowohl das rigide französische Schulsystem als auch die Missgunst ihrer Kolleginnen und die Anforderungen der gehobenen „Vorstadt“- Eltern zu meistern. Dass sie sich neben den alltäglichen Problemen einer Lehrerin mit dem Lesen, Schreiben und Rechnen der Schüler noch mit massivem Rassismus, einer Abschiebungsdrohung für eine ganze Schülergruppe und dem antikapitalistischen Gebaren eines jungen Mannes auseinander setzen muss, in den sie sich verliebt hat, lässt sich nur mit Humor und einer ordentlichen Portion Hartnäckigkeit aushalten. Erfreulicherweise ist der Schulleiter sehr schnell auf Céciles Seite und erkennt die Qualitäten der jungen Lehrerin...

Dieses Buch von Marie-Aude Murail, erschienen in Frankreich bereits 2005 unter dem Titel “Vive la République“, reicht nicht an das Format eines „Simpel“ heran, ist aber dennoch ein wunderbares und luftigleicht geschriebenes Statement für die Freiheit des Denkens und des Handelns. Murail hat immer ein Ohr und ihr ganzes Herz am Puls der Gesellschaft, sie kann nicht umhin, Ungerechtigkeiten aufzuzeigen und schreibend dagegen an zu gehen. Wenn man es schafft, sich trotz des banalen und nichtssagenden Buchcovers auf dieses Buch einzulassen, wird man mit einer mitreißenden Lektüre belohnt!

- JPS

Eine wie Alaska
übersetzt von Sophie Seitz

Green, John
288 Seiten, Hanser

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Jurybegründung AKJ:
Der 16-jährige Miles führt ein Leben ohne Freunde; er besucht das Internat Culver Creek. Noch vor dem ersten Schultag kommt er durch einen üblen Schülerstreich beinahe ums Leben. Er freundet sich mit Colonel, Takumi, Lara und Alaska an und sie planen den "besten Culver-Creek-Streich aller Zeiten". Miles verliebt sich in die geheimnisvolle Alaska, deren sprunghaftes Verhalten ihn jedoch überfordert. Irgendetwas stimmt nicht mit ihr. Was verbirgt sie? Gerade als Miles glaubt, dass der lang ersehnte erste Kuss alles ändere, geschieht das Unfassbare ...?John Green erzählt lebensnah aus Miles' Perspektive. Die Geschichte um die erste Liebe, Abenteuer, Sehnsucht nach dem Erwachsenwerden und der Frage nach dem Weg aus dem Labyrinth zieht Mädchen und Jungen gleichermaßen in seinen Bann. Das Buch ist spannend geschrieben und zeigt die besondere Tragik eines außergewöhnlichen Mädchens, das Miles' Leben auf den Kopf stellt.

In diesem Buch entscheidet sich der Protagonist Miles zum Aufbruch ins Ungewisse. Auf der Grundlage eines sicheren und stabilen Elternhauses wechselt das Einzelkind Miles in ein Internat. So will er sich aus seiner Isolation befreien und das Leben in der Gemeinschaft mit Gleichaltrigen aus-probieren. Jedoch hat gleich seine erste Begegnung mit diesen Gleichaltrigen beinahe tödliche Konsequenzen. Dann aber nimmt sein Zimmerkollege und dessen Freundeskreis in herzlich auf, Miles` Hobby, „famous last words“ auswendig zu kennen, verhilft ihm zusätzlich zu Anerkennung. Das Mädchen Alaska, der Traum aller Jungen der Schule, ist gerne mit ihm zusammen und obwohl sie außerhalb des Internats einen Freund hat, entsteht zwischen den beiden eine besondere Freundschaft.
Eindrücklich geschilderte Lojalitäts- und Gruppenkonflikte, Freundschaft und Erwachsenwerden in einem schulischen Rahmen, der Individuen fördert ohne auf Moral und Bildungsanspruch zu verzichten.

- JPS

Eisvogelsommer
übersetzt von Rolf Erdorf

De Leeuw, Jan
250 Seiten, Gerstenberg

Cover

Thomas und Orphee, eine Liebesgeschichte, die auf der Schiffschaukel der Kirmes mit einem Paukenschlag beginnt. Doch Orphee sagt von sich, sie habe ein Herz aus Eis und sei nur schwer zu erobern. Mit seiner Geschichte vom Eisvogel aber kann Thomas sie schließlich für sich gewinnen und beide hoffen, jemanden gefunden zu haben, dem sie sich endlich öffnen können. Dann aber stirbt Thomas bei einem Unfall. Er kann aber von den Lebenden nicht lassen und besucht seine Mutter, seinen Großvater und Orphee auch weiterhin. Vor allem der einsame Großvater scheint ihn sogar wahrzunehmen und erzählt ihm weiterhin seine morbiden Geschichten. Wie in der Geschichte vom Eisvogel verharren die Hinterbliebenen im ewigen Frost des Lebens und drohen zu erfrieren, beobachtet von dem verstorbenen Ich-Erzähler.

Die alten Geschichten, die der Großvater zu erzählen weiß, werden nach und nach mit der Liebesgeschichte der beiden Jugendlichen und der Familiengeschichte von Thomas verwoben. Es sind Geschichten vom Tod, der Gefühlskälte der Menschheit und der Vergänglichkeit der Liebe. Es ist überhaupt kalt in den Erzählungen. Diese Kälte stellt das Leitmotiv der Gesamtgeschichte dar. Es mutet fast an, wie eine Sammlung von Märchen zu diesem Thema. Wer nach allem Frieren Hoffnung sucht am Ende des Reigens wird auch nicht enttäuscht. Thomas kann letztendlich Orphee freigeben und ins Leben entlassen. Wenngleich auch dabei allen unablässig kalt ist.

- KW

Elefanten sieht man nicht
Keller, Susan
208 Seiten, Carlsen

Cover

Was tun, wenn man etwas Schlimmes bemerkt, das alle anderen ringsum zu ignorieren scheinen? Mascha verbringt wie gewöhnlich die Sommerferien bei den Großeltern in einer kleinen Stadt. Früher hat ihr das immer Spaß gemacht. In diesem Jahr aber langweilt sich die 13-Jährige. Am liebsten sitzt sie nun hoch oben in der kleinen Holzburg am Spielplatz, im Kopfhörer Leonhard Cohen, die Musik ihres geliebten Vaters, der – alleinerziehend  – wenig Zeit für seine Tochter hat. Ganz altersgemäß beobachtet sie kritisch die Erwachsenen, ihre belanglosen Gespräche über den Gartenzaun, ehrpusselige Mütter am Spielplatz, das Gardinengewackel in der Siedlung. Alles scheint Ruhe und Sauberkeit zu atmen. Ereignislose Julitage, irgendwo in der deutschen Provinz. Mascha fühlt sich fremd und nutzlos.

 

Bis am Spielplatz zwei neue Kinder auftauchen: Die neunjährige Julia, still, schmal und hübsch und ihr kleiner, verfressener Bruder Max, brachial-wild bis zur Selbstverletzung, mit gewaltigen Rettungsringen über der Hose. Erst im Vorjahr sind sie mit ihren Eltern, den Besitzern des örtlichen Autohauses, in eines der umliegenden Häuser gezogen. Mascha freundet sich mit dem Mädchen an. Irritiert entdeckt sie bald die blauen und lilabraunen Flecken am Körper der Kinder. Als die dazu schweigen, beschließt sie der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Und nach und nach findet Mascha dann heraus, dass der Vater in der Familie ein rabiates Regiment führt. Doch in der Vorstadt-Idylle will sich niemand einmischen. Man will keinen Ärger mit den „netten Leuten“ und hört auch weg, als Mascha um Hilfe bittet. Selbst die Großeltern schweigen.

 

Entrüstet beschließt Mascha deshalb, den Kindern selbst zu helfen. So wird aus dem Rollenspiel „Weglaufen“, in das die Spielplatzfreunde sich hineinphantasieren, plötzlich ernst. Fast ungewollt entführt Mascha Julia und Max. Die sitzen nun inmitten von Getreidefeldern vor der Stadt in einem blauen Holzschuppen fest. Doch die ungebetene Retterin ist rasch überfordert. Und anders als erwartet sind die Kinder ihr nicht etwa dankbar, sondern wollen nichts als raus aus der heißen Hütte und wieder heim. Als schließlich die Polizei sie nach zwei Tagen findet, wird damit bald auch offenkundig, was in ihrer Familie eigentlich los ist. Doch was folgt ist kein Happy-End. Denn die Menschen im Ort und in den betroffenen Familien reagieren so widersprüchlich wie im richtigen Leben.

 

Mit ihrem Roman-Debüt wagt Susan Keller sich an ein hierzulande literarisch nur wenig beachtetes und auch schwieriges Thema – die Gewalt gegenüber Kindern. Dafür versetzt sie ihre Protagonistin in die problembeladene Zeit an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Wie die meisten in dem Alter ist Mascha auf der Suche nach Identität und Sinn. Die Erwachsenen bieten ihr dabei nur wenig Orientierung. Die Protagonistin gleitet in diesem Sommer in die Pubertät und gewinnt die Einsicht, dass es auch von ihr abhängt, ob sich etwas verändert. Am Ende ist es den Leser/innen selbst überlassen zu beurteilen, ob Mascha aus Verantwortung für die Freunde dabei das Richtige getan hat. Ein Jugendbuch mit einem Plot, der Stoff fürs Nachdenken über das eigene Wollen und Werden bietet.

 

Was allerdings ein wenig irritiert, das ist der Buchtitel „Elefanten sieht man nicht“, der sich bei einem englischen Sprichwort mit kolonialem Kontext bedient. „There is an elephant in the room“ wird gesagt, wenn eine unangenehme Tatsache offensichtlich ist aber allseits ignoriert wird. Ein Bezug, der in der deutschen Sprache nicht herstellbar ist.

- US

Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen
Scheler, Ulla
365 Seiten, Heyne fliegt

Cover

Hanna und Ben kennen sich seit 8 Jahren, sind beste Freunde, sind zusammen „Benna“; zusammen gewachsen ohne ein Paar zu sein. Hanna, die Ich-Erzählerin, ist gerade am Tag der Abifeier 18 geworden und aktuell sauer auf Ben, denn der hat sich seit einem Streit vor über einem Monat nicht mehr blicken lassen. Und nun ist er am Tag vor der Abifeier wieder da. Bens ganze Erscheinung ist abgründig, geheimnisvoll, sehr männlich und Hanna sehr vertraut. Aber nach all den Jahren „bester Freundschaft“ ist der Beziehungsstatus (den) beiden nicht mehr klar. Hanna ist eher der kontrollierte, ängstliche Typ, aber als Ben sie auffordert, mit ihm zusammen eine Spritztour ohne Ziel und Rahmenplan zu machen, setzt sie alles auf eine Karte und bricht mit Ben gemeinsam auf. Es beginnt ein Roadmovie, ein Selbsterfahrungstrip, ein Aufstellen von Regeln, die man brechen kann und muss.

Mit ihrem Debutroman trifft die junge Autorin genau den Ton, der junge Menschen in diesem Entwicklungsmoment ansprechen könnte- ich fühle mich jedenfalls sehr erinnert an die Zeiten, als alles existenziell und dramatisch war, als es um „erste“ und „letzte“ Male ging. Und die Frage, wie viel Wagnis und Mut erforderlich sind, um ein lebendiges Leben zu führen, stellt man sich ja auch immer wieder...lesenswert für alle jenseits der Pubertät.

- JPS

Es war einmal Indianderland
Mohl, Nils
348 Seiten, Rowohlt

Cover

Kein Zweifel, der Mann kann schreiben. Es war einmal Indianerland ist ein spannender Roman über das Erwachsenwerden, über Underdogs und über die Verwirrung des ersten Sex. Ein 17jähriger aus einer der anonymen Stadtrandsiedlungen lernt ein Mädchen aus dem Großbürgertum kennen, eine andere junge Frau stellt ihm nach und sein Vater bringt seine zweite Ehefrau um.
Hier beginnt das Problem. Man kann es mit der Formel ´Less is more´ zusammenfassen.

Erzählt wird die Geschichte in einer Art Vor- und Rückspulmodus. Scheinbar beliebig springt die Handlung vor und zurück, immer werden nur kurze Szenen beleuchtet, die sich im weiteren Verlauf verdichten. Diese kurzen Bilder sind spannend erzählt, sodass sich die Geschichte wie ein Puzzle allmählich zusammensetzt. Zum Ende der Geschichte wird diese Technik aber übertrieben. Ständig springt die Handlung in immer kürzeren Abständen und der Autor scheint am Ende vom selbst entfesselten Wirbel mitgerissen zu werden.
Das Thema des Vaters, der seine Frau tötet, kommt mir wenig aufschlussreich vor und konkurriert eher mit dem restlichen Plot. Glaubhaft ist dagegen die Verstrickung des Erzählers in zwei Liebesaffären. Zum einen ist da Jackie, das reiche, schöne Mädchen, angeödet von der upper class, die ihren Underdog vor allem deshalb so anziehend findet, weil er eben ein Underdog ist. Für ihn verkörpert sie alles, was sexy ist, ihr rotes Haar, ihre weiche Haut... und ihre Selbstsicherheit. Und dann ist da Edda, die junge Frau aus der Videothek. Edda ist der Gegenentwurf zu Jackie, weniger femme fatale, weniger selbst-, aber dafür wirklich in den Jungen verliebt. Sie erträgt seine Widersprüchlichkeit, die für sie durchaus schmerzhaft ist. Und erst zuletzt, am Wochenende des Festivals und des Powwows wird ihm klar, welche Beziehung tragfähig ist.
Gut gefällt mir die bildreiche, originelle Sprache. Auch die Verdeutlichung der inneren Handlung im äußeren Geschehen, wie etwa die packende Schilderung der Sturmfront, die über das Festivalgelände hinwegfegt, finde ich sehr gelungen. Sie gibt dem Roman einen eigenen Geschmack. Zuletzt sei noch die geschickte Darstellung des Protagonisten genannt. Lange wird dem Leser nahegelegt, dass es einen Ich-Erzähler und dessen Kumpel Mauser gibt, die in einer engen Beziehung zueinander stehen. Mauser ist ein talentierter Boxer mit klaren Grundsätzen. Er wirkt in seinen Handlungen reifer als der Erzähler. Erst allmählich wird klar, dass die beiden ein und dieselbe Person sind. Erst als der besonnene Mauser sein Alter ego akzeptiert, kann sich der junge Mann zwischen Spiel (Jackie) und Verantwortung (Edda) entscheiden.

- MS

Eve sieht es anders
übersetzt von Maren Illinger

Johnson, J.J.
223 Seiten, Knesebeck

Cover

Am liebsten würde Eves Mutter es sehen, wenn ihre Tochter auch weiterhin von ihr zu Hause unterrichtet würde. Sie ist der Ansicht, dass die Regelschule nicht wirklich auf das Leben vorbereitet. Doch Eve will wenigstens das letzte Jahr noch auf eine normale Schule gehen, sie braucht eine Empfehlung für das erhoffte Elitecollege. Aber sie weiß, dass es schwer werden wird. Glücklicherweise lernt sie vor dem ersten Tag des neuen Schuljahres Rajas und Jacinda kennen. Insbesondere der attraktive Rajas hat es ihr sofort angetan. So ist die Motivation gleich nochmal größer. Doch schon bald merkt sie, dass an einer „normalen“ Schule besondere Regeln gelten, die mit Freiheit und Gleichheit vor dem Gesetz nicht viel gemein haben. Sie ist empört und initiiert eine digitale Schülerseite, auf der die Missstände anonym angeprangert werden können. Doch das geht schnell nach hinten los, sodass nicht nur plötzlich ein allgemeines Gemobbe losgeht, sondern auch die gerade erst zart geknüpften Liebesbande zu Rajas und die Freundschaft zu Jacinda auf dem Spiel stehen. Eine geradezu ausweglose Situation für die sonst so taffe Eve. Und die Collegeempfehlung scheint auch in Gefahr.

Ein Jugendroman, wie er sein sollte: Freundschaft, junge Liebe und die Gefahren des Internets Seite an Seite. Eve hat von Anfang an alle Sympathien und der Lesende will den Freunden zurufen „Seht ihr denn nicht, dass Eve recht hat!“ So macht der Roman auf eine besondere Weise klar, dass viele Dinge nicht das sind was sie scheinen, und auch die „Anderen“ oft schlüssige Motive haben, die erklären, warum sie so und nicht anders handeln (können). Liest sich gut, bleibt spannend und hat eine Botschaft. Daher gern verschenken an Jugendliche ab etwa 14 Jahren.

- KW

Feldpost für Pauline
Nielsen, Maja
96 Seiten, Gerstenberg

Cover

Pauline hat das Cellospielen satt. Immer nur üben, üben, üben und Lampenfieber vor dem Wettbewerb hat sie auch. Also lieber aussteigen und nur noch in der Band von Nick mitspielen. Doch dann kommt ein Feldpostbrief von 1916, der lange verborgen lag an. Er ist an Pauline Lichtenberg gerichtet und wurde in Verdun abgeschickt von einem Wilhelm. Wie kann das sein und wieso hat sie noch nie etwas von Wilhelm gehört? Ihre Mutter schickt sie zu ihrer im Altenheim lebenden Großmutter Lieschen und diese erzählt ihr von ihrer Namensvetterin und ihrem Urgroßvater Wilhelm, der 1916 in Frankreich gekämpft hat und dem das Cellospielen einst das Leben gerettet hat. Und Pauline fängt an zu verstehen. Was es hieß, damals zu leben und im Krieg zu sein, aber auch wo ihr eigentliches Problem liegt. Und plötzlich ist das Cello wieder attraktiv. Eine Geschichte, die behutsam aber mit deutlichen Worten die Zeit des ersten Weltkrieges erfahrbar macht. Indem sie die Leben der beiden Paulines miteinander verknüpft, wird aus einer Zeit, die uns nichts anzugehen scheint, ein Stück heute. Wir verstehen, dass manche Dinge in allen Zeiten ähnlich sind. Ergänzt wird die Geschichte mit einer Zeittafel. Gut geeignet für Jugendliche ab etwa 13 Jahren und für den Schulunterricht.

- KW

Finding Sky
Die Macht der Seelen

Sterling, Joss
460 Seiten, dtv

Cover

Die medial begabte Sky ist gerade mit ihren Adoptiveltern von England in die USA umgezogen. Sie ist darüber nicht gerade glücklich, denn noch immer trägt sie die Schatten ihrer schweren Vergangenheit mit sich herum und hatte sich nun endlich in der Umgebung und  mit ihren Freunden bei ihren Adoptiveltern eingelebt. Doch wo ein Ausnahme-mädchen vorkommt, darf natürlich auch ein Ausnahmejunge nicht fehlen: der arrogante und abweisende Zed wird im Umgang mit Sky zunehmend freundlicher und aufgeschlossen. Außerdem versucht er Sky klar zu machen, dass sie sein Savant, sein Seelenspiegel sei. Sky will davon erst mal nichts wissen, wird jedoch im Laufe der Zeit immer mehr von Zed und dessen medialen Begabungen eingenommen. Eine romantische Liebesgeschichte mit Tempo und Krimi-Touch, die anstelle von Vampiren oder griechischen Göttern jetzt mal mit Seelenverwandten aufwartet.

Bewegt das Mädchenherz.

- JPS

Finsterer Sommer
Wildner, Martina
238 Seiten, Beltz & Gelberg

Cover

Allein die Vorstellung daran lässt schaudern: ein Sommerurlaub am französischen Atlantik, von der Ferienwohnung aus bei Ebbe zu sehen ein Bunker, in dem vor kurzem eine Frau umgekommen ist. Damit fängt für den 13-jährigen, schlaksigen Konrad und seine gleichaltrige, superschlaue Cousine Lisbeth ein „Finsterer Sommer“ an. So gegensätzlich die beiden auch sind, so haben sie doch ein gemeinsames Ziel: das Geheimnis um das Bauwerk und die mysteriösen Geschehnisse darin zu lüften. Denen sind, wie sich herausstellt, nicht nur sie auf der Spur. Eine spannende Suche beginnt. Ganz nebenbei lernen sie dabei eine ganze Menge über den Nationalsozialismus – mehr, als ihnen lieb ist.
Grandios besetzt sind neben den beiden Protagonisten auch die Nebencharaktere, beispielsweise Konrads Mutter Anja, Unterwäsche-Designerin, „der Sixpack-Bademeister zum Verlieben“ Jean-Luc oder der sechsjährige, lispelnde „Nervzerg“ Nick. Martina Wildner liebt Überzeichnungen und Kontraste. Wie Konrads Vater die lebendigen Austern kostet der Leser die überraschenden Pointen und das Wechselspiel aus nass-salzig und sandig-heißer Stimmung aus. „Finsterer Sommer“ ist ein Jugendkrimi mit kleinen Seitenhieben in die Magengegend der Gesellschaft. Empfehlenswert!

- KP

forbidden
übersetzt von Bernadette Ott

Suzuma, Tabitha
446 Seiten, Oetinger

Cover

Lochan und Maya sind die zwei älteren Geschwister Kit, Tiffin und Willa die jüngeren. Mit unglaublichem Engagement versuchen Lochan und Maya, neben der Schule die Familie zu organisieren und zusammen zu halten. Die Mutter aller fünf Kinder ist zunehmend dem Alkohol und ihren häufig wechselnden Lovern zugeneigt, und lädt die Verantwortung bei ihren Ältesten ab. Als sie dann auch noch ständig abwesend ist, steigt der Druck noch: wenn Schule oder Jugendamt davon erführen, würden die Geschwister mit Sicherheit getrennt und auf verschiedene Heime oder Pflegefamilien verteilt. Das ist der worst case. Maya und Lochan ackern Tag und Nacht, versuchen die Schule und die familiäre Dauerbelastung unter einen Hut zu bringen und stellen zu allem Überfluss dann auch noch fest, dass sie unsterblich in einander verliebt sind. Ein schrecklicher und gleichzeitig unglaublich tröstender Streich des Schicksals: hieraus beziehen die beiden ihre unglaubliche Kraft aber hier droht auch die größte Gefahr: eine Liebe, die nicht sein darf ...Suzuma erzählt diese dichte und intensive Geschichte, die Inzest als eines der letzten gesellschaftlichen Tabus thematisiert, und die Leser leiden mit...

- JPS

Für immer Holly Hill
Pilz, Alexandra
382 Seiten, Heyne fliegt

Cover

Emily ist schweren Herzens nach Hause zurückgekehrt zu ihrer Oma. Es fällt ihr sehr schwer, Matt zu vergessen, den sie in dem mysteriösen zeitreisenden Hollyhill zurücklassen musste. Sie hat beängstigende Träume, in denen Matt erschossen wird. Als sie ihrer besten Freundin Fee davon berichten will, ist diese verschwunden. Emily kann nicht recht glauben, dass Fee mit ihren Eltern verreist ist, ohne es ihr zu sagen. Wo mag sie hin sein? Nach Hollyhill können eigentlich nur Menschen, denen die Gabe vererbt wurde, da wird sie doch wohl nicht sein.

Als Josh und Silly aus dem Dorf zu ihr kommen, ahnt sie, dass etwas geschehen sein muss.

Sie folgt ihnen zurück nach Hollyhill, das sich diesmal in den 20er Jahren befindet. Fee ist tatsächlich dort und scheint sich äußerst wohl zu fühlen. Aber wo ist Matt? Und ist er tatsächlich in großen Schwierigkeiten?

Ein spannender Jugendroman, der mit vielen Geheimnissen den Spannungsbogen weitgehend auch zu halten vermag. Streckenweise zieht sich die Handlung allerdings ein wenig. Das Ende ist ein Ende, lässt aber genug Spielraum für eine Fortsetzung. Obwohl der Band der dritte einer Triologie ist, kann man ihn gut lesen, ohne die anderen zwei zu kennen. Die Informationen führen den Lesenden schnell in die Thematik ein.

Für Jugendliche ab etwa 14 Jahren geeignet.

- KW

Gehen, immer weiter
Zeevaert, Sigrid
159 Seiten, Thienemann

Cover

Als Edvard in Luis` Klasse kommt, finden ihn alle komisch. Er kleidet sich altmodisch und versucht nicht, Kontakt zu den anderen zu bekommen. Im Unterricht dagegen zeigt er, dass er über großes Wissen verfügt. Da er jedoch nicht den Streber gibt, lassen ihn die Mitschüler und Mitschülerinnen in Ruhe. Haben sie doch genug mit den ersten Liebeleien zu tun. Als Luis ihn als Partner beim Referat zugeteilt bekommt, merkt er schnell, dass Edvard ein Geheimnis umgibt. Edvard fasziniert ihn mehr und mehr und als noch Lili dazukommt, sind die drei bald unzertrennlich. Nur, dass mit Edvards zuhause etwas ganz und gar nicht zu stimmen scheint. Luis erkennt, dass Edvard Hilfe braucht, traut sich jedoch nicht richtig ihn zu fragen. Eine Zurückhaltung, die er bald bereuen wird…

Ein Buch über das Heranwachsen mit all den Herausforderungen und über Freundschaften und welchen sie letztendlich haben sollten. Ein spannendes Buch zudem. Von Anfang an ahnt der Lesende, dass sich etwas verdichtet, dass etwas geschehen wird. Und so bleibt man gern dran an der Geschichte. Ein Buch für Heranwachsende, am besten zu lesen in einem Rutsch an einem verregneten Sonntag.

- KW

Goodbye Bellmont
Aus dem Englischen von Knut Krüger

Quick, Matthew
255 Seiten, dtv

Cover

Finley möchte eigentlich nur wenig: in seinem Team Basketball spielen, mit seiner Freundin Erin zusammen sein und Pläne machen, um aus Bellmont zu entkommen. Diese amerikanische Kleinstadt, die von der irischen Mafia gelenkt wird, bietet jungen Menschen keine Zukunft. Also planen die beiden jungen Leute so großartig Basketball zu spielen, dass sie eine Chance bekommen, an ein Sportcollege gehen zu können. Auch sein Vater und sein Großvater, welcher aufgrund einer Fehde mit der Mafia seine Beine verloren hat, unterstützen diesen Plan. Dann aber kommt Russ nach Bellmont, scheinbar durchgeknallt aber ein Ass im Basketball. Er hat beide Eltern bei einem Unfall verloren und lebt jetzt bei seinen Großeltern. Finleys Coach bittet ausgerechnet ihn, sich um Russ zu kümmern und ihn dazu zu bewegen, wieder zu spielen. Finleys Platz im Team ist dadurch akut bedroht. Als dann Erins Plan, ans College zu gehen auch noch zu platzen droht, scheinen alle Möglichkeiten aus Bellmont fort zu kommen, dahin.

Ein gutes starkes Buch, welches bis zum Schluss spannend erzählt ist aber auch Finley und seine Gefühle durch die gesamte Geschichte begleitet. Eine Geschichte von Loyalität, Freundschaft, erste Liebe und dem Erwachen des Geistes eines jungen Erwachsenen, der nach und nach seine eigenen Entscheidungen trifft und diesen auch zu vertrauen lernt.

Unbedingt lesenswert für Jugendliche ab 15 Jahren.

- KW

Grenzlandtage
Peer, Martin & Michaelis, Antonia | Schüler, Kathrin
460 Seiten, Oetinger

Cover

Was entsteht, wenn sich zwei Bestseller-Autoren zusammentun, um einen Jugendroman zu einem aktuellen Thema zu schreiben? Vielschreiberin Antonia Michaelis hat sich mit der interkulturellen Kinderkrimireihe Kreuzberg 007 und mit spannenden Jugendromanen wie Der Märchenerzähler eine treue Fangemeinde erschrieben; Peer Martins Roman Sommer unter schwarzen Flügeln wurde 2016 von der Jugendjury zum Sieger des Deutschen Jugendliteraturpreis gekürt.

 

Jule, Abiturientin aus liebevollem Elternhaus, verbringt Ferien auf einer kleinen griechischen Insel, um vor den Prüfungen noch einmal richtig auszuspannen. Eigentlich hätte ihre Freundin Evelyne mitkommen sollen, aber ein Blinddarmdurchbruch verhindert das. „Gut, ich mache zum ersten Mal ganz alleine Urlaub. Na und?“, flüstert Jule dem Inselwind entgegen. „Zwei Wochen Urlaub werden kaum mein Leben verändern.“ (16) Spätestens da ahnen die Leser, dass die Tage auf der Mittelmeerinsel schicksalsbestimmend werden.

Und tatsächlich: nach und nach werden Jules Gewissheiten aus den Angeln gehoben. Zunächst als geisterhaft-mysteriöse Erscheinung, bald jedoch als hilfloser Flüchtling tritt Asman in ihr Leben, ein aus Syrien vor dem Krieg geflohener Palästinenser, der von einer besseren Zukunft in Schweden träumt. Bald stellt sich heraus, dass er nicht alleine ist, sondern mit einer kleinen Gruppe von Überlebenden, die mit dem Boot übers Mittelmeer nach Italien wollte. So erfährt die wohlbehütete Jule, die vor lauter Abiturpauken keine Zeit hatte sich mit dem Zeitgeschehen zu beschäftigen, von dem Schicksal zahlloser Flüchtlinge, von der Situation in Syrien, von der europäischen Asylpolitik und von Schleppern und Küstenwächtern.

Abgesehen von der Hintergrundinformation, die sich Jule im Internet-Café anliest, wird das zeitgeschichtliche Geschehen geschickt mit der fiktionalen Geschichte verwoben. Asman erzählt in Rückblicken von seinen traumatisierenden Erlebnissen von Gewalt, Flucht und Folter, die Absurditäten der Dublin-Bestimmungen schlagen sich auf der Handlungsebene nieder, und die Reaktionen der Inselbevölkerung und ihrer Touristen geben Einblick in die komplexen Mechanismen von Fremdenfeindlichkeit und Nächstenliebe. Überraschende Wendungen in der Handlung konfrontieren Leser auf unerwartete Weise mit den Grenzen der eigenen Wahrnehmung. Der Plot führt immer wieder auf falsche Fährten und spielt gekonnt Lesererwartungen, die somit auf unangenehme Weise die eigenen Vorurteile und Stereotypen entblößen. grenzlandtage ist somit alles andere als ein gut gemeinter Thesenroman. Es ist eine packende, spannende, mitreißende Geschichte, die sämtliche Register der unterhaltenden Erzählkunst zieht: angefangen mit geheimnisvollen Anklängen an Fantasy, die in eine harsche Realität umkippt, über die romantische Liebesgeschichte zwischen Jule und Asman, die für mehr als interkulturelle Empathie sorgt, bis hin zu den Thriller-Elementen Mord, Verrat und Verfolgung, die Spannung garantieren.

Das Ergebnis: Gemischte Gefühle. Wahrscheinlich ist grenzlandtage innerhalb der aktuellen Jugendliteratur zum Thema Flucht eine der besten Storys – ein richtiger Schmöker (460 Seiten), den man schon nach wenigen Seiten nicht mehr aus der Hand legen kann. Aber vielleicht ist gerade das das Problem: An einer Stelle fragen sich die Flüchtlinge, ob man sich für sie nur interessiert, weil sie eine gute Geschichte hergeben. Somit wäre diese Gefahr wenigstens reflektiert. Problematischer aber ist die Figurenzeichnung: Jule, aus deren Perspektive die Geschichte in dritter Person erzählt wird, ist extrem naiv – sowohl in ihren persönlichen Beziehungen als auch in ihrer Beziehung zur Welt. Das ändert sich auch im Lauf der Handlung nicht. Und obwohl man am Ende jeden Kapitels anhand eines inneren Monologs Einblick in Asmans Gedanken und Gefühle bekommt, bleibt die Figur seltsam flach. Vor allem die Überblendung von Liebesgeschichte und Flüchtlingsdrama irritiert. Kann Nächstenliebe nur in Form von romantischer Liebe vermittelt werden? Schließlich fragt man sich, ob es wirklich der göttlichen Wunder und eines happy end bedarf: dank der Intervention des heiligen Nikolaus werden in einer dramatischen Nacht zwei Menschenleben gerettet und schließlich opfert Jule das Geld, von dem sie sich eigentlich ein Auto hätte kaufen wollen, um Schlepper zu bezahlen, die Asman einen gefälschten Pass ausstellen. So kann er Asyl in Deutschland beantragen – und natürlich mit Jule zusammenbleiben. Flüchtlingskrisenkitsch.

Trotz - oder vielleicht gerade wegen dieser Bedenken- ist grenzenlos ein absolut empfehlenswertes Buch. Denn es wird nicht nur mitreißen und aufklären, sondern auch zu kontroversen Debatten anregen. Und das ist viel wert.

- NvM

Halbe Helden
übersetzt von Jessica Kornina, Sandra Knufinke

Lange, Erin Jade
334 Seiten, magellan

Cover

Dies ist ein Jugendroman, der mitten ins Herz und gleichzeitig mitten ins Zeitgeschehen trifft. Bei dem 16 jährigen Dane kündigt ein Jucken in den Handflächen immer den nächsten Gewaltausbruch an: wenn er meint, Ungerechtigkeiten erleben zu müssen, schlägt Dane zu. Billy D. ist am Downsyndrom erkrankt, geht auf dieselbe Schule und kann jemanden wie Dane gut gebrauchen, denn er wird oft Ziel von Hänseleien. Billy wählt sich Dane als Beschützer und Dane, dem wegen der vielen Schlägereien ein Schulverweis droht, ergreift diese Chance. Doch die Sache entwickelt sich natürlich eigendynamisch: Billy D., ein kluger und entwaffnend ehrlicher Junge, ist keineswegs ein Opfer, stattdessen spannt er Dane für die Suche nach seinem Vater mit ein. So entsteht eine spezielle Freundschaft voller gegenseitiger Verantwortung, Männergesprächen über Mädchen und am Ende ein Roadmovie... Eine bezaubernde, spannende Geschichte voller einfacher und zum Teil bitterer Wahrheiten.

- JPS

Harry Potter und das verwunschene Kind
Rowling, J.K.; Tiffany, John; Thorne Jack
334 Seiten, Carlsen

Cover

Die achte Geschichte um Harry Potter...als Theaterstück entworfen vom Trio von J.K.Rowling, John Tiffany und Jack Throne. Lässt sich ein Theaterstück als Buch umsetzen? Ja, in diesem Fall ist es gelungen. Der Inhalt ist in Akte und Szenen unterteilt, ausschließlich dialogisch geschrieben und ergänzt durch kurze Drehbuch-Hinweise zu Bühnenaufbau und Akteuren. Den Einen oder Anderen mag dieser Stil an die gelben, klassischen Literaturwerke des Reclam Verlags erinnern. Zugegeben, es dauert möglicherweise eine Weile, bis sich die Leser auf diese Art des Geschichtenverlaufs eingestellt haben. Vor allem, da auch die Protagonisten zunächst unbekannt sind, denn inzwischen sind in der Muggel- und Zaubererwelt 19 Jahre vergangen. Harry, Hermine und Ron sind erwachsen und führen ein Leben außerhalb der Zaubererschule.

Deren Kinder sind nun im Zentrum der Geschichte und setzen sich mit ihrem Dasein als Zauberer, sowie mit der Vergangenheit ihrer Eltern auseinander, in verschieden-großen Zeitsprüngen.

Dem Autorentrio ist es gelungen „Harry Potter und das verwunschene Kind“ an die sieben Harry Potter-Bände anzubinden, ohne es wie eine plumpe Fortsetzung wirken zu lassen.

Und vielleicht ist dies ein würdiger, runder Abschluss der Geschichten um „den, der nicht genannt werden darf“....

- SB

Heart.Beat.Love
übersetzt von Stephanie Singh

Patterson, James & Raymond, Emily
314 Seiten, dtv Junior

Cover

Axi hat schon viel wegstecken müssen mit ihren 16 Jahren. Erst stirbt ihre Schwester an Krebs, dann verschwindet ihre Mutter aus ihrem Leben und ihr Vater rettet sich in den Alkohol. Statt die Schule zu beenden, beschließt die bisher BM (Braves Mädchen) genannte, sich auf den Weg zu machen und Amerika zu durchqueren. Auf ihren Trip nimmt sie nur ihren Rucksack mit und ihren besten Freund Robinson. Um das BM- Image abzulegen, lässt sie sich auf jedes Abenteuer ein, welches Robinson vorschlägt. So stehlen sie eine Harley und diverse Autos für ihre Reise und bedrohen gar einen Polizisten mit seiner Waffe. Axi genießt die Fahrt und hofft, dass Robinson ihre Gefühle, die über Freundschaft hinausgehen, erwidern möge. Eine Weile scheint einfach alles möglich zu sein, dann aber gerät das Leben aus den Fugen…

Eine Geschichte zwischen Bonnie und Clyde und knocking on heavens door, die aber mehr als ein road movie ist. Sie nimmt uns mit in die Gedankenwelt der Heranwachsenden, in der die Fragen oftmals existenziell anmuten. So fragen wir uns selbst mit Axi: „Wie lautet die Bedienungsanleitung für das Leben?“

Eine Geschichte, die von der ersten Seite an neugierig auf den Ausgang macht. Angereichert mit Photos, die den Eindruck einer wahren Begebenheit erzeugen. Mit viel Herzschmerz geschrieben,

vor allem für Mädchen ab ca. 15Jahren.

- KW

iBoy
übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn

Brooks, Kevin
297 Seiten, dtv

Cover

Tom lebt mit seiner ketterauchenden Großmutter in einem Londoner Viertel, das von rivalisierenden Gangs und deren brutalen Auseinander-setzungen beherrscht wird. Eines Tages wird Toms Freundin Lucy überfallen und vergewaltigt, als Tom, gerade auf dem Weg zu Lucy, von einem Iphone getroffen wird, dass die Gangster aus dem 30. Stockwerk auf ihn herabsausen lassen. Nach 17 Tagen erwacht Tom aus dem Koma und stellt fest, dass die in sein Hirn eingedrungenen Iphone-Reste, die nicht operativ entfernt werden konnten, ihm Zugang zu allen funkwellen- gestützten Daten verschafft, einschließlich dem Internet und dem Handy-Netz. In seiner unbändigen Wut gegen die Personen, die an Lucys Vergewaltigung beteiligt waren, nimmt Tom mithilfe seiner neuen Superkräfte Strafverfolgung und Bestrafung selbst in die Hand.
Wie immer schafft es Brooks, hochspannende Plots über ethisches Handeln zu schreiben. Trotz großer Nähe zum Fantastischen wird er nie unglaubwürdig. So ist der Leser gefordert, eigene Moralvorstellungen zu überprüfen und trotz Empathie und Identifikation die Grenzen zwischen Rache und Gerechtigkeit auszuloten.

- JPS

Ich heiße Parvana
übersetzt von Brigitte Rapp

Ellis, Deborah
160 Seiten, Jungbrunnen

Cover

Parvana schweigt. Sie sagt kein Wort, als die amerikanischen Soldaten sie mit der Beschuldigung, eine Schule in die Luft gesprengt zu haben, gefangen nehmen. Die junge Frau traut niemandem außer sich selbst. Zu viel hat sie während der Zeit der unterschiedlichen Besatzungen in ihrer Heimat Afghanistan schon erleben müssen. Sie möchte zu gern Architektin werden, doch dies scheint in einem Land, in dem Frauen und Mädchen auch heute noch oftmals von jeglicher Bildung ausgeschlossen werden, unmöglich. Daher hat sie mit ihrer Mutter, einer Lehrerin, und ihrer Schwester eine Schule für Mädchen gegründet. Diese ist Bildungsstätte und Schutzraum zugleich. Und ausgerechnet sie soll nun diese Schule in die Luft gesprengt haben? Undenkbar! Aber warum schweigt sie dann so beharrlich, obwohl ihr die amerikanischen Soldaten jede Brücke zu bauen scheinen?

Die Autorin vermittelt mit ihrer Erzählung über die junge Afghanin Parvana auf eindringliche, erzählerische Weise einen Eindruck vom Leben der Frauen und jungen Mädchen in diesem Land. Diese junge Frau und ihre Gedanken zu begleiten, berührt den Lesenden. Es rückt die Menschen in den Mittelpunkt, über deren Leben und Leiden wir seit so langer Zeit - inzwischen fast schon nebenbei- aus den Medien erfahren. Und es hinterlässt den Eindruck, den auch die Autorin in ihrem Nachwort beschreibt: viele afghanische Frauen, Männer und Kinder brauchen unsere Unterstützung. Wir sind es ihnen schuldig!

Unbedingt lesenswert für Jugendliche ab 15 Jahren.

- KW

Ich, Adrian Mayfield
übersetzt von Rolf Erdorf

Zwigtman, Floortje
510 Seiten, Gerstenberg

Cover

Dieses Buch hat mich erstaunt und begeistert. Von Anfang an schafft es die Autorin, eine dichte und glaubwürdige Atmosphäre zu erzeugen und bis zum Ende des Buches durchzuhalten. Das London des fin de siecle ist mit den Händen zu greifen, zu schmecken, zu riechen und zu erfahren.

Es interessiert mich nicht, ob jeder Handlungsstrang notwendig, jedes kleine Detail erwähnt, jede aufwändig recherchierte Absonderlichkeit dieser an Absonderlichkeiten reichen Zeit erwähnt werden muss. Es ist nämlich bei all dieser emsigen Fleißarbeit ein enorm spannender, kluger und unterhaltsamer Roman. Es ist faszinierend, wie sich Floortje Zwigtman in einen jungen Mann, einen schwulen jungen Mann aus der Unterschicht im viktorianischen London hineindenken kann. Die Gefühle werden bis in die körperlichen Empfindungen und Reaktionen so präzise beschrieben, dass man als männlicher Leser geradezu irritiert ist.

Adrian Mayfield ist unser Held. Wir fühlen mit ihm, wir bangen und hoffen mit ihm. Aber er ärgert uns auch mit seinen Eskapaden und seinem Dickschädel. Aber das macht ihn uns auch so ähnlich und deswegen lassen wir uns willig in seine Abenteuer hineinziehen. Wir spüren wie er die Ungerechtigkeit der Klassenschranken, der ungleichen Bildungs- chancen und die familiären Spannungen. Sein Streben nach Anerkennung und seine Suche nach der Liebe sind zwar ganz in den Bedingungen seiner Zeit verankert, aber doch so universell, dass man/frau beim Lesen mühelos selber zum Suchenden wird. Das ist für mich der Schlüssel zu einem faszinierenden Buch. Ich fasse dieses Buch nicht primär als Jugendbuch auf. Der Schatten des Scheiterns, der über der Handlung liegt und das Einfühlen in die Schwierigkeiten eines Jugendlichen, der seine Homosexualität entdeckt in einer Zeit, in der dies als kriminell und krankhaft abgestempelt wurde, verlangen vielleicht zuviel Transferleistung, zumal von Jugendlichen, die mit ihrem eigenen Standpunkt zu kämpfen haben. Aber andererseits: vielleicht kennen sie genau diese Gassen und Sackgassen, in denen Adrian die Richtung für sein Leben sucht.

- MS

Im Meer schwimmen Krokodile
EIne wahre Geschichte

Geda, Fabio
190 Seiten, btb

Cover

„Man tut es einfach und denkt nicht darüber nach.“

Mehr als vier Jahre dauert die Flucht für den 10- jährigen Enaiatollah aus seiner Heimat Afghanistan nach Italien. Um ihn vor den Taliban zu schützen hat seine Mutter beschlossen, ihn allein auf diese Reise zu schicken, indem sie ihn in der Fremde einfach sich selbst überlässt. Enaiat lernt zu überleben. Ohne Geld muss sich der Junge alle Schlepperleistungen durch harte Arbeit verdienen und größtenteils auf der Straße leben. Aber er erfährt unterwegs auch Gutes durch einzelne Menschen. So gibt er die Hoffnung nie auf, erkennt das kleine Glück, wenn es ihm begegnet… Ein starker Roman, der auf einer wahren Begebenheit beruht und eindringlich aufzeigt, was es bedeutet, sich auf diesen Weg zu machen aber auch wie es ist, ohne Sprache in dieser europäischen Welt anzukommen. Uneingeschränkt empfehlenswert für junge Menschen ab etwa 12 Jahren.

- KW

Im Schatten der Wächter
übersetzt von Alexandra Ernst

Gardner, Graham
199 Seiten, Freies Geistesleben

Cover

Jurybegründung AKJ:
"Der Zweck der Verfolgung ist die Verfolgung. Der Zweck der Folter ist die Folter. Der Zweck der Macht ist die Macht."
(George Orwell, 1984)

Das ist das Motto für Richard, den Anführer der "Wächter", denen es Spaß bereitet, Macht über Mitschüler zu besitzen, diese zu bestrafen und zu terrorisieren. Die Wächter bedienen sich dazu einer Gruppe von Handlangern, zu denen der 15-jährige Elliot gehört. Elliot war an seiner alten Schule drei Jahre das Opfer, er wurde gequält, verfolgt und geschlagen. An seiner neuen Schule erfindet er einen neuen Elliot, der sich cool, kaltblütig und abgebrüht gibt und schließlich zum Auserwählten der Wächter-Bande aufsteigt. Die neue Identität ohne Ecken und Kanten wird Elliot zur zweiten Natur. Durch die Begegnung mit Louise und Ben gerät Elliot immer mehr in Konflikt mit seiner neuen Rolle, bis er schließlich seine schreckliche Angst überwindet und den Sinn der Worte aus 1984 begreift: "Aus freiem Willen tritt er dem System entgegen. Er gehorcht seinem wahren Glauben und riskiert alles. Und damit befreit er sich selbst ..."
In seinem ersten Roman gelingt es Graham Gardner, die Wandlungen der Hauptfigur überzeugend und glaubwürdig darzustellen. Die Geschichte wird temporeich, kühl, spannend, dicht, fesselnd und schonungslos offen erzählt. Ab 13

Elliot ist ein Opfer, ein Prügelknabe. Als er nun umzieht, in eine neue Stadt und in eine neue Schule kommt, beschließt er, seine alte Rolle abzulegen. Er unterzieht sich einer strengen Selbstkontrolle, übt mit Kleidung, Haltung und Auftreten, Unbeteiligtsein aus zu drücken. Denn er hat erkannt, dass nur Coolsein schützt. Keine Angst darf nach außen dringen. Nicht aufzufallen ist das Überlebenskonzept für Elliot. Aber auch an der neuen Schule findet Gewalt statt. Dort gibt es eine unsichtbare, aber umso effizientere Ordnungsmacht, die Wächter. Sie schaffen mit ihrer Macht und systematischer Unterdrückung eine Hierarchie in der Schülerschaft. Elliot beherrscht seine coole Rolle inzwischen so perfekt, dass er selbst zu einem Wächter erkoren wird. Aber dann muss er auch aktiv werden, selbst Opfer auszusuchen, ihre Bestrafung festlegen und die Täter wählen. Wird aus dem Opfer ein Täter, oder findet er zu seiner persönlichen Stärke?
Gardners Roman überzeugt durch die Beschreibung der bedrückenden Atmosphäre in der Schule mit ihrem subtilen und effizienten Unterdrückungs- und Machtsystem. Jugendliche kennen diese Formen von
Ausgrenzung, Mobbing, Unterdrückung und das Ausspielen von Macht. Das Buch kann sehr hilfreich beim Bearbeiten von Gewaltthemen sein.

- JPS

Jackpot
Wer träumt, verliert

Knösel, Stephan
268 Seiten, Beltz & Gelberg

Cover

Eigentlich passiert so etwas immer nur anderen. Nicht einem wie Chris, der zusammen mit seinem älteren Bruder in einer Mietskaserne im Hasenbergl wohnt, dem sozialen Brennpunkt von München. Chris joggt gerade durch den Wald, als ein Auto von der nahe gelegenen Autobahn abkommt und ihm auf seiner Joggingtrecke quasi vor die Füße fällt. Mit einem bewusstlosen Fahrer und einem Mädchen im Kofferraum, dass Chris eine Tasche volle Geld in die Hand drückt, mit der Bitte, es für sie zu verstecken. Also nimmt Chris die Tasche und verschwindet und es beginnt eine rasante Geschichte voller Überraschungen. Natürlich will das Mädchen Sabrina das Geld zurück, Chris´Bruder Phil, rivalisierende Gangs und genervte Polizisten kommen dazwischen. Ein durch und durch stimmiger Plot, der auch sprachlich und im Bezug auf die Spannung keine Wünsche offen lässt...

- JPS

Jenseits der blauen Grenze
Linke, Dorit
304 Seiten, magellan

Cover

Hanna und Andreas Leben in der DDR und sind ins Visier des Staatsschutzes geraten. Eines Tages schlägt Andreas eine Flucht über die Ostsee vor, ausgerechnet Andreas, dabei ist Hanna die Leistungsschwimmerin. Der Plan ist äußerst schwierig und gefährlich, das ist beiden klar. Aber die Lebensverhält-nisse für beide Jugendlichen sind es auch, Studium und freie Berufswahl sind in unerreichbare Ferne gerückt. Andreas hat schon ein Umerziehungslager hinter sich, noch mal wird er das nicht aushalten. Also arbeiten die beiden ihren Plan aus, trainieren hart und brechen eines Nachts wirklich auf, um die 50 km Strecke zwischen Warnemünde und Fehmarn zu durchschwimmen. Ein dünnes Band am Handgelenk soll verhindern, sich in den riesigen Weiten der Ostsee zu verlieren. Unterwegs ist dann alles ganz anders, als sie es sich vorgestellt haben: das Meer kälter, die Gefahr größer, Strömungen, Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit setzen den beiden zu. Mit mitreißender Sprache beschreibt Dorit Linke den Kampf der beiden Protagonisten mit den Elementen und für die persönliche Freiheit. Äußerst spannend und lesenswert!

- JPS

Jesus Jackson
übersetzt von Franca Fritz und Heinrich Koop

Daley, James Ryan
302 Seiten, magellan

Cover

Der 15jährige Jonathan Stiles ist völlig aus der Bahn geworfen, als sein älterer Bruders Ryan ausgerechnet an Johns erstem Highschooltag einen tödlichen Unfall hat. Ryan gehörte zum Footballteam und war ein außerordentlich beliebter und angesehener Schüler. Für John war er vor allem sein Bruder, mit dem er die wichtigsten Themen des Lebens diskutierte und gemeinsam in Glaubensfragen schon lange im kritischen Widerspruch zu seiner Mutter stand. Sie war die treibende Kraft, die beide Söhne auf diese christliche Schule schickte. Hier sollten sie endlich zum richtigen Glauben erzogen werden. Jonathan zweifelt an der Wirksamkeit des Glaubens, an der Wahrhaftigkeit des Mitgefühls der Mitschüler und auch an der Unfallversion. Als Jesus Jackson in sein Leben tritt und sich als spiritueller Berater anbietet, kommt noch das „glauben an sich selbst“ zum altbekannten „Glauben versus Wissen“ hinzu. John hält einen Freund von Ryan für schuldig und versucht, gemeinsam mit seinem neuen Freund Henry, den Verdächtigen zu überführen. Allerdings sind die beiden Teenager und nicht die Polizei. Dem hochtourigen Spannungsbogen folgt ein schlappes Ende, Sprachhülsen werden hin und her geschoben. Insgesamt zu anheischig und mit einer amerikanischen Glaubenskontroverse, dient das Buch meiner Meinung nach weder der echten Auseinandersetzung mit Glaubensfragen noch zeigt es Auswege aus emotionalen Krisen auf.

- JPS

Junk Girl
Kuschnarowa, Anna
224 Seiten, Beltz & Gelberg/Gulliver

Cover

Christiane F. ist schon lange her. Aber nicht die Drogenkarrieren, die Ausbruchsversuche, die Suche nach dem wahren Leben und wenn es das Sterben bedeutet. Die Lust an der Radikalität, die nach kurzer Zeit nur noch Sucht und Zwang ist, wird dominiert von Alice, dem Sucht-Ich der früher braven und angepassten Alissa. Alissa will raus aus ihrem extra-spießigen Elternhaus und den Zwängen von Konvention und Konfession entkommen. Sie lernt die schöne und wilde Tara kennen und verliebt sich in sie. Zunächst nur im Wunsch, der Geliebten nahe zu sein, steigt Alissa mit frappierendem Tempo in eine Drogenkarierre ein, die später auch vor Diebstahl und Prostitution nicht halt macht. So gewinnt Alice zunehmend die Oberhand über Alissas Geist, ihr Körper ist schon lange verbraucht, vergiftet, ausgelaugt und gesteuert von der Sucht und deren Zwängen. Ein eindrucksvolles Plädoyer für eine Entscheidung gegen die Fremdbestimmtheit durch Drogen aller Art. Spannend geschrieben und sprachlich authentisch!

- JPS

Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten
Köpfer, Benno & Matthews, Peter
337 Seiten, dtv

Cover

Kadir ist die Hoffnung des Hamburger Fußballvereins und hat berechtigte Hoffnung, seinen Weg dort auch zu machen. Doch plötzlich ist Kadir weg. Ausgerechnet zu dem wichtigsten Spiel der Saison taucht er nicht auf. Sein Freund Mark und seine Schwester Meral sind beunruhigt. Wo mag er nur stecken? Dann plötzlich tauchen Gerüchte auf: „Kadir ist Dschihad“. Mark und Meral folgen der Spur, die sein Computer hinterlassen hat, im Netz und stoßen bald auf ein Bekennervideo, auf dem scheinbar Kadir zu sehen ist. Schließlich taucht er wieder auf und droht das Hamburger Fußballstadion in die Luft zu sprengen. Was hat das alles mit dem Freund, dem Bruder zu tun, den sie zu kennen glauben und was für eine Rolle spielt die Katze in dem Drama?

Ein einfühlsamer Roman eines jungen Muslimen, der in Hamburg aufgewachsen ist und auch dort geerdet zu sein scheint. Doch allmählich rutscht er in die Kreise der Islamisten ab und findet in den Geschichten der „Brüder“ seine angebliche Bestimmung, die seinem Leben zunächst einen neuen Wert gibt. Der Roman folgt dieser Radikalisierung bis nach Syrien zu den Kämpfern des IS. Spannend erzählt mit viel Wissensvermittlung zu diesem Thema drum herum, in diesen Phasen manchmal ein wenig zu langatmig, um die Spannung hoch zu halten. Dennoch: lesenswert ab etwa 14 Jahren.

- KW

Kaputte Suppe
Valentine, Jenny
208 Seiten, dtv

Cover

Die 16jährige Rowan ist die Hauptfigur dieses mitreißenden Romans: nach dem Unfalltod ihres älteren Bruders vor ein paar Jahren ist Rowans Mutter in eine schwere Depression gefallen, so dass Rowan sich um sie und ihre kleine Schwester Stroma kümmern muss. Rowans Vater ist ausgezogen und Rowan versucht, ihre tatsächliche Überbelastung vor ihm und der Welt zu verheimlichen, damit sie und die kleine Schwester nicht auch noch von einander und von der Mutter getrennt werden. Eines Tages beim Einkaufen im Supermarkt gibt ihr ein freundlicher, fremder junger Mann ein Fotonegativ, dass sie angeblich verloren hat, dabei hat Rowan es noch nie gesehen. Damit nimmt eine Reihe von Ereignissen ihren Lauf, Rowan beginnt neue  Beziehungen, findet Freiräume und gesteht sich am Ende sogar ihre Überlastung ein. Doch bis dahin nimmt uns Jenny Valentine noch mit immer neuen Überraschungen gefangen... Im heutigen London spielend hat diese sprachlich dichte Geschichte eine Menge Identifikationspotenzial für Kinder, deren Eltern aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr „funktionieren“- durchaus geeignet als Klassenlektüre zum Thema Familie...                       

- JPS

Kaputte Suppe
Valentine, Jenny
208 Seiten, dtv

Cover

Die 16jährige Rowan ist die Hauptfigur dieses mitreißenden Romans: nach dem Unfalltod ihres älteren Bruders vor ein paar Jahren ist Rowans Mutter in eine schwere Depression gefallen, so dass Rowan sich um sie und ihre kleine Schwester Stroma kümmern muss. Rowans Vater ist ausgezogen und Rowan versucht, ihre tatsächliche Überbelastung vor ihm und der Welt zu verheimlichen, damit sie und die kleine Schwester nicht auch noch von einander und von der Mutter getrennt werden. Eines Tages beim Einkaufen im Supermarkt gibt ihr ein freundlicher, fremder junger Mann ein Fotonegativ, dass sie angeblich verloren hat, dabei hat Rowan es noch nie gesehen. Damit nimmt eine Reihe von Ereignissen ihren Lauf, Rowan beginnt neue  Beziehungen, findet Freiräume und gesteht sich am Ende sogar ihre Überlastung ein. Doch bis dahin nimmt uns Jenny Valentine noch mit immer neuen Überraschungen gefangen... Im heutigen London spielend hat diese sprachlich dichte Geschichte eine Menge Identifikationspotenzial für Kinder, deren Eltern aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr „funktionieren“- durchaus geeignet als Klassenlektüre zum Thema Familie...

- JPS

Kascha
Nord-Nordost

Voorhoeve, Anne C.
320 Seiten, Ravensburger

Cover

Ein kleiner Ort in Norddeutschland im Winter 1978/79:

 

Kascha lebt mit ihrer Sinti - Familie auf einem Hof und hat jede Menge Probleme: Ihre Schwester Zippy will durchbrennen, um zu heiraten, der geliebte Großvater liegt im Sterben und die alltäglichen Sorgen des nicht anerkannt Werdens, des gehänselt und diffamiert Werdens drücken sowieso täglich.

Dann kommt der große Schneesturm und wirbelt Kaschas Leben buchstäblich durcheinander. Sie muss nicht nur plötzlich mit ihrer zickigen Cousine Bettina auskommen, sondern sie lüftet auch noch ein gut gehütetes und tragisches Familiengeheimnis. Und: Kascha lernt auch, mit einer ungewöhnlichen Gabe klar zu kommen.

Doch der Schnee bringt nicht nur Kälte sondern auch unerwartet menschliche Wärme, als sich die verschworene Dorfgemeinschaft plötzlich der Hilfsbereitschaft von Kaschas Familie gegenüber sieht. Und anders als von ihr erwartet, scheint die gegenseitige Welle der Solidarität auch über die Schneekatastrophe hinaus Bestand zu haben.

Man lernt viel in diesem mitreißend geschriebenem Jugendroman, über die Geschichte der Sinti, über Rituale und Sitten, über ständiges auf der Flucht sein und sich nirgendwo zu Hause fühlen, über Respekt und gegenseitige Achtung: ein Thema, das in diesen Zeiten wichtiger denn je ist.

- KS

Katertag
Oder: Was sagt der Knopf bei Nacht?

Dürig, Regina
110 Seiten, Chicken House

Cover

Nico schreibt seinem Vater einen langen Brief, in dem der berichtet, wie sich für ihn alles dargestellt hat. Vom „ersten Anzeichen“ bis zur völligen Katastrophe. Wie sich für seine Mutter, seine Schwester Sasa und ihn selbst ihr Vater in den „Eunk“ verwandelt, in einen zunehmend unglücklichen und in seiner Sucht gefangenen Alkoholiker, der nach und nach alles zerstört, was im einst lieb und wichtig war. Der lügt, verspricht und wieder rückfällig wird, der verletzt und versetzt. All das mit Nicos nüchternen Beobachtungen versehen und letztendlich als wichtige Botschaft an den gebracht, den es angeht. Nur über die Auseinander-setzung ist das Verzeihen möglich, das zeigt dieses mutige und anschauliche Buch über den Umgang mit der Sucht und ihren Folgen.

- JPS

Keiner kommt davon
Eine Geschichte vom Überleben

Nicholls, Sally
280 Seiten, Hanser

Cover

Isabel ist zu Beginn der Geschichte vierzehn Jahre alt und erzählt aus ihrer Sicht vom Fortschreiten der großen Pest-Epidemie im 14ten Jahrhundert in England. Schneller als für möglich gehalten breitete sich damals diese völlig neue Krankheit aus und galt als Strafe Gottes für sündhaftes Verhalten. Isabell ist mittendrin und beobachtet genau. Sie sieht die Unmenschlichkeit der Dorfgemeinschaft angesichts dieser Epidemie und auch die Verlogenheit der Kirche, die von Nächstenliebe spricht aber deren Pfarrer sich zum Teil einfach davon stehlen. Wie alle macht sie sich große Sorgen um ihre Familie und kämpft dennoch für Mitgefühl und gegenseitige Unterstützung. Am meisten fehlt Isabel ihr Bruder Geoffrey, der schon seit langem bei den Mönchen im Kloster lebt und jetzt mit ihnen zusammen erkrankte Menschen pflegt. Nachdem Vater und Stiefmutter an der Pest gestorben sind, zieht sie gemeinsam mit ihrem Freund Robin und ihrer jüngeren Schwester mit einem reichen Kaufmann fort, der seine eigenen Kinder verloren hat. Lange haben sie Glück und es gelingt es ihnen, der Krankheit zu entkommen. Aber ganz ungeschoren kommen sie nicht davon, bis sich die Krankheit endlich mehr und mehr zurückzieht. Eine Geschichte, die unter die Haut geht und eine Studie über menschliche Abgründe. Toll geschrieben und übersetzt!

- JPS

Kissing the rain
übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn

Brooks, Kevin
448 Seiten, Nagel & Kimche

Cover

Jurybegründung AKJ:
Alle Zutaten für einen spannenden Kriminalroman sind hier vereint: ein vertrackter Plot, ein sperriger Protagonist, der sich aller Sympathie widersetzt, ein korrupter Polizeiapparat, brutale Gangster und durchtriebene Rechtsanwälte. Der dicke Moo, eine Vorzeige-Außenseiterfigur, auf die in der Schule täglich böse Witze und Gemeinheiten niederprasseln, ist der Erzähler und der gewichtige Spielball zwischen diesen Fronten. Kevin Brooks entwirft ein böses, schwarzes Szenario existenziellen Ausmaßes für seine Geschichte. Der Kriminalroman entpuppt sich bei der Lektüre mehr und mehr als Tragödie, menschlich und gesellschaftlich gesehen. Flüchtig verschliffene Wörter und Sätze verdichten sich zu Moos Bericht. In der deutschen Übersetzung bringt Uwe-Michael Gutzschhahn den Text fulminant zum Klingen: Die erzählerische Wucht und den emotionalisierenden Sog der Story packt er in eine wortgewaltige Form.

Moo ist ein extrem übergewichtiger Jugendlicher, der hier in seiner Sprache die Ereignisse zusammenfasst, die in dahin gebracht haben, wo er jetzt ist.
In einer Rückblende, die dicht und authentisch zwischen allen wichtigen Momenten, Orten und Zeiten wechselt, analysiert er sein Leben, seine Beziehungen und die Gründe für sein Fett-sein. Dabei geht er ehrlich und schonungslos mit sich und anderen um und wird nicht zuletzt durch seine Sprache zu einem Gegenüber, das für sich einnimmt.Ein neuer Blickwinkel auf das Leben aus Moo´s Perspektive ist eine der großen Chancen, die in dem Buch stecken. Die Sprache transportiert die Gefühle des Jugendlichen, wird zum Rhythmus, Verstärker und regt zur Nachahmung an.

- JPS

Kopfschuss
aus dem Amerikanischen von Ann Lecker-Chewiwi

Vaught, Susan
380 Seiten, cbt

Cover

Jersey Hatch überlebt seinen Selbstmordversuch - gleichzeitig das Schlimmste, was er sich vorstellen kann aber auch eine Chance...
Mit seinem Erinnerungsbuch, einer halbseitigen Lähmung, großen Gedächtnislücken und Sprachstörungen kann der inzwischen 17 Jährige die Reha verlassen. Wie wird es sein, wieder nach Hause zu kommen? Immer wieder zweifelnd und doch zielstrebig begibt sich der Protagonist auf eine Spurensuche nach sich selbst: was war damals geschehen? Was hatte ihn veranlasst, sich eine Kugel in den Kopf zu schießen? Das Leben außerhalb der Klinik bringt noch eine andere Herausforderung mit sich: den Kontakt mit den Menschen, die ihn lieben, die verunsichert sind, wie sie mit ihm umgehen sollen, die verletzt oder verstört sind.
Auf mitreißende Art beschreibt Vaught das „neue“ Leben des jetzt behinderten Jersey. Mit ungeheurem Einfühlungsvermögen in seine Erlebniswelt bereichert die Autorin unsere Wahrnehmung und zeigt auf, wie eine Mischung aus Überdruss und Perfektionismus zum Selbstmord-versuch führen kann.
Mit den im Anhang zusammen gestellten Informationen zu Suizid-gefährung von ersten Anzeichen bis hin zu Anlaufstellen für Betroffene und deren Familien und Freunde hilft Vaught zudem, sich einem schwierigen Thema zu nähern.

- JPS

Letztendlich sind wir dem Universum egal
übersetzt von Martina Tichy

Levithan, David
400 Seiten, Fischer FJB

Cover

Empathie ist die Fähigkeit, sich in jemanden hineinzuversetzen. Dieses Hineinversetzen wörtlich genommen bildet die Grundidee des vorliegenden Romans. David Leviathan entführt uns in das rasante Leben des 16 jährigen A., der täglich in einem anderen Körper erwacht. Seit seiner Geburt ist A täglich für 24 Stunden unfreiwilliger Gast in einem gleichaltrigen Körper, sieht die Welt mit den Augen eines Anderen du erlebt dessen Gefühle, Reaktionen und Lebensumstände, ist manchmal ein Junge und manchmal ein Mädchen. Dennoch passiert es eines Tages, dass sich A., gerade in der Gestalt eines Jungen, in das Mädchen Rhiannon verliebt. Für etwas Beständiges scheint es in seinem Leben keinen Platz zu geben, denn schon am nächsten Tag kann A. kilometerweit weg, komplett anders drauf und eben auch ein Mädchen sein. Doch A. entscheidet sich, diese Liebe, die ihn im Kern seines Wesens berührt hat, erst zu nehmen und sucht nach Wegen, sich dem Mädchen zu offenbaren und ihm nahe zu sein. Ein intelligenter Plot, eine ungewöhnliche Liebesgeschichte und eine Menge Stoff zum Nachdenken machen aus diesem Roman ein absolut hitverdächtiges Stück Jugendliteratur mit Sogwirkung!

- JPS

Liebeskinder
Frey, Jana
384 Seiten, Arena

Cover

Schon immer fühlt sich Ivory zu dem seltsamen Nachbarsjungen hingezogen, den seine Mutter vor allen und allem abschirmt. Die beiden Kinder verbindet ein Band, welches auch die scheinbar immer stärker werdende „Verrücktheit“ von Zadoc nicht zu lösen vermag. Ivory vermutet unter all der Panik und dem Leid eine logische Erklärung. Eines Tages, als beide schon Jugendliche sind, beichtet Zadoc ihr, dass er als 5- Jähriger seinen Vater getötet hat und daher immer diese starken Medikamente einnehmen muss. Aber kann das die ganze Geschichte sein? Mackenzie – genannt Kenzie- lebt mit ihrer jüngeren Schwester Janis bei ihren lesbischen Müttern, während ihr gemeinsamer leiblicher Vater sich rarmacht. Die Schwestern konkurrieren von klein auf wegen der Art ihrer Zeugung (Kenzie durch künstliche Befruchtung, Janis durch einen Liebesakt). Später leidet Kenzie vor allem darunter, dass ihre Schwester scheinbar viel hübscher ist als sie. Sie beobachtet neidvoll, wie leicht Janis Freundschaften schließt und wie sie lange vor der Schwester auch Jungen anzieht. Kenzie wird immer schwermütiger und glaubt selbst den Beteuerungen ihres späteren Freundes nicht. Sie ist überzeugt, dass er auch lieber Janis würde haben wollen, wenn er sie denn kennen würde…

Zadoc und Ivory, Kenzie und Janis. Zwei Geschichten an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten. Ähnlich sind sie sich in der Darstellung der Tiefe von menschlichem Leiden, von Hoffnungslosigkeit. Nahezu alle Protogonisten werden vom Leben enttäuscht, können sich selbst und einander nicht retten, werden von denen, die sie lieben verraten.

Wenn sich letztendlich die Geschichten berühren, klären sich manche Fragen auf, ohne dass der Lesende aber mit dem Leben versöhnt wird.

Ein schwermütiges Buch, welches eher dem erwachsenen Lesenden etwas sagen kann. Die Themen um Treuebrüche und der Entwicklung langjähriger gleichgeschlechtlicher Partnerschaften sowie die Erkenntnis, dass ein Ereignis reichen kann, um dein Leben für immer nachhaltig zu zerstören, erreichen die jungen Lesenden eher (noch) nicht.

- KW

Löcher
Die Geheimnisse von Green Lake

Sachar, Luis
296 Seiten, Beltz & Gelberg/Gulliver

Cover

Stanley Yelnats hat ein schweres Los zu tragen. Der Fluch seines Ururgroßvaters lastet auf ihm und brockt ihm ein, dass er zu Unrecht beschuldigt wird, die Turnschuhe des berühmten Clyde Livingston gestohlen zu haben. So landet er im Camp Green Lake, eine Besserungsanstalt für Jungen. Schnell muss er erkennen, dass „es kein Lager für Pfadfinderinnen“ ist. Der Green Lake ist kein See mehr, sondern eine trockene heiße Fläche. Die jungen müssen Tag für Tag ein Loch graben, in das der Spaten sowohl hoch wie längs reinpasst. Aber was zunächst wie eine Charakterbildungsmaßnahme anmutet, lässt bald vermuten, dass etwas anderes dahinter steckt. Denn warum ist die Chefin so erpicht drauf, dass alles, was in einem Loch gefunden wird, direkt ihr gemeldet werden muss?

Die Erzählung um Stanley Yelnats, dessen Name sich von vorn und rückwärts lesen lässt, berührt den Lesenden auf eine besondere Weise. Sie ist spannend und komisch, aber auch anrührend und lehrreich zu lesen. Die Geschichten über Stanleys Ururgroßvater und ihn selbst werden miteinander verwoben und spinnen eine ganz besondere Atmosphäre, die bis zum wunderschönen Ende erhalten bleibt.

- KW

Love crazy love
Welcher Verrückte hat eigentlich die Liebe erfunden?

Kavka, Zara
278 Seiten, Arena

Cover

Was für ein langweiliger Sommer! Da Clara durch’s Abi gerasselt ist, kann sie nicht mit all ihren Freunden auf die nachfolgende Reise gehen. Da scheint der Vorschlag, stattdessen ihren Vater über die Ferien zu besuchen, durchaus verlockend, obwohl er Chef einer psychiatrischen Klinik für Jugendliche ist und dort auch wohnt. Als sie ankommt, trifft sie dort Darius, den sie schon von der Theater-AG ihrer Schule kennt und in den sie seit damals verliebt ist. Wie aber soll sie die Chance nutzen, ihm hier näher zu kommen, wenn er Patient und sie die Tochter des Klinikleiters ist? Ganz einfach: sie muss Patientin werden. Sie lügt ihrem Vater vor, magersüchtig zu sein und schon ist sie mittendrin im Geschehen. Doch eine Lüge jagt die andere und die Lage wird bald unübersichtlich. Und als sie dann noch versucht, Darius zu heilen, damit er wieder an die Liebe glauben kann, bricht das Konstrukt zusammen… Die Jugendlichen in dem Roman haben alle ihre psychischen Probleme, die sie zu den Menschen machen, die sie zu sein scheinen. Erst ist Clara die scheinbar einzig Gesunde, aber bald scheint durch, dass auch sie mit ihrer Neigung, sich die Situationen zurecht zu lügen einer alten Verletzung folgt. Ein Liebesroman, eher für Mädchen, der aber auch Verständnis weckt für alle jungen Menschen, die eine Weile aus der Bahn geworfen worden sind. Da muss sich niemand allein wähnen mit dem Gefühlschaos der jungen Jahre. Daher empfehlenswert.

- KW

Lucas
übersetzt von Uwe- Michael Gutzschhahn

Brooks, Kevin
447 Seiten, dtv

Cover

Jurybegründung AKJ:
Die 15-jährige Cait lebt mit ihrem Vater auf einer kleinen Insel. Ihr Leben verändert sich schlagartig, als plötzlich Lucas auftaucht; ein stiller und geheimnisvoller Junge, von dem niemand weiß, wer er ist und woher er kommt. Cait ist vom ersten Augenblick an von ihm fasziniert. Aber Lucas ist auf der Insel nicht willkommen. Die Einheimischen misstrauen dem Fremden und lassen nichts unversucht, um ihn von der Insel zu verscheuchen. Einzig Cait und ihre Familie glauben an Lucas und versuchen, ihm zu helfen. Als während eines Festes ein junges Mädchen schwer verletzt aufgefunden wird, beginnt eine Hetzjagd auf Leben und Tod.
Es fällt nicht leicht, das Buch in eine Kategorie einzuordnen. Die Geschichte handelt von Enttäuschung, Faszination, Angst und Hoffnung. Brooks vermittelt einen intimen, einfühlsamen, rührenden, aber dennoch faktisch klaren und klischeelosen Einblick in die Gefühlswelt seiner Protagonistin. Besonders erschreckend ist die unterschwellige Schilderung der Gewalt. Diese Mischung aus Hoffen und Zweifeln macht den Text so stark. Lucas ist ein bemerkenswertes Buch, das uns die tiefen Abgründe menschlichen Verhaltens herzergreifend vor Augen führt. Ab 14

Lucas, ein seltsamer Junge mit einer besonderen Ausstrahlung, ist die ideale Projektionsfläche für „das Fremde“. Er ist frei, autonom, sein Gespür für Menschen und Tiere lässt ihn gleichzeitig anziehend und gefährlich erscheinen. Jedenfalls nehmen ihn einige Inselbewohner so wahr und es kommt mehr und mehr zu einer Polarisierung. Ein ergreifendes Buch über menschliche Abgründe.

- JPS

Mädchenmeute
Fuchs, Kirsten
463 Seiten, Rowohlt

Cover

Charlotte hat die Wahl: entweder mit ihren Eltern in das Nest, in dem ihre Oma wohnt zu reisen, oder aber in ein Ferien-Fun-Survival-Camp. Pest oder Cholera? Sie entscheidet sich für das Camp, obwohl das Motto: „Der Wald will nichts von dir. Du willst was vom Wald“ nicht gerade vielversprechend klingt. Dass es dann das Abenteuer ihres Lebens wird, liegt daran, dass die sieben Mädchen plötzlich auf sich allein gestellt sind und versuchen, im Wald zu überleben. Ganze zwei Wochen Freiheit, ohne dass die Eltern ahnen, dass sie nicht mehr im Camp sind. Die Chance ihres Lebens. Aber fühlt sich so Freiheit an, den Alltag meistern ohne Erwachsene? Und warum ist Freiheit so anstrengend? Die Gruppe durchlebt viele Situationen, in denen Verantwortung tragen und Pflichten übernehmen gefragt sind. Das Leben im Wald ist schwierig, es mangelt an vielem. Umso besser, dass es einen guten Geist zu geben scheint, der hin und wieder Hilfestellung leistet. Doch wer ist dieser Geist und wie kommen sie alle heil wieder raus aus der Sache?

Ein Buch, welches zu Recht für den Deutschen Literaturpreis nominiert ist. Einfühlsam und mit zielgruppengerechten Worten beschreibt die Autorin, wie wunderbar das Leben als lernender Mensch doch sein kann. Weit weg von der digitalen Welt und ohne die Belehrungen von Erwachsenen führt dieses Abenteuer die Mädchen durch die schwierigste Phase der Pubertät; das Abnabeln vom Elternhaus und das Übernehmen von Verantwortung für das eigene Handeln. Ein sinngemäßes Zitat aus dem Buch bringt es auf den Punkt: „Für jeden Jugendlichen sollte es so ein Ereignis im Leben geben, welches den Übergang zum Erwachsenenleben markiert“. Vielleicht nicht für alle möglich? Nun, zumindest kann es dieses wunderbare Buch für alle geben, die es wissen mögen. Unbedingt verschenken!!

- KW

Manchmal dreht das Leben einfach um
Steinberger, Kathrin
278 Seiten, Jungbrunnen

Cover

Nach einem schweren Unfall muss der 21-Jährige Kevin seine Karriere als Profi-Skater aufgeben. Er zieht sich auf einen Bauernhof in einer unbenannten Kleinstadt in Österreich zurück. Dort trifft er auf die 16-Jährige Almuth, kurz Ali. Beide sind Außenseiter, jeder auf seine Weise: Ali ist hochbegabt, Kevin als Ex-Skate-Profi der reiche, coole und einfühlsame Held, den eine Aura des Unnahbaren umgibt.
Die Spannung steigt bis zum ersten Kuss, um sich dann in langatmigen Passagen über den ersten Sex und Verhütung zu verlieren. Ein unerwartetes Ende versöhnt den Leser wieder mit dem Buch. Die Geschichte wirkt glaubwürdig und authentisch, weil Steinberger die Sprache der Jugendlichen spricht und ihre Lebenswelt genau trifft. „Manchmal dreht das Leben einfach um“ ist für Mädchen in Alis Alter geschrieben. Und für Eltern, die versuchen möchten, ihre pubertierenden Töchter zu verstehen.

- KP

Marienbilder
Bach, Tamara
176 Seiten, Carlsen

Cover

Mareike lebt mit ihrem Vater und ihrem Bruder alleine. Die Mutter ist eines Tages verschwunden, keiner weiß warum noch wohin. Es gibt keine Nachricht von ihr, keine Erklärung, es gab vorher keine Andeutungen. Die Übriggebliebenen beschließen, zu warten und erst mal nichts zu tun. Aber dann entscheidet sich Mareike eines Tages, doch etwas zu unternehmen. Sie ist sich zum Einen nicht sicher, ob sie schwanger ist und hat zum Anderen Sehnsucht nach der Mutter und einen Haufen Fragen. Also verlässt sie das Haus und geht zum Bahnhof, und von hier aus erzählt sich ihre Geschichte in 5 Möglichkeiten: von „der Zug kommt gleich“ über „manchmal fällt ein Zug aus“ bis „manchmal kommt ein anderer Zug“. In kunstvollen Bahnen und Zeitsprüngen zwischen Mareike und ihrer Mutter Magda, führt uns Tamara Bach durch die Geschichten: die der Mutter, die selbst frühzeitig schwanger war, die der Großmutter väterlicherseits, die im Altenheim bettlägerig ist und die der Schwester, die Vorbild aber auch verschlossen gegenüber der kleinen Schwester ist. Tamara Bach holt die Leser „von Zuhause ab“ und setzt sie auf Züge, die immer schneller werden. Großartige Sprache, raumfüllende Bilder und mitreißende Dialoge machen mich einmal mehr zu einem Tamara-Bach-Fan!

- JPS

Mehr als das
übersetzt von Bettina Abarbanell

Ness, Patrick
509 Seiten, cbt

Cover

Der 16-jährige Seth ertrinkt im Meer. Wenig später erwacht er nackt und durstig an einem verlassenen Ort, der ihm seltsam vertraut vorkommt. Unklar, ob er tot ist oder lebt, fragt sich Seth, wie er in diese Situation geraten konnte. Er ist scheinbar ganz allein auf der Welt, in einer Gegend, die er von früher kennt.

Eine Reise in die Vergangenheit beginnt, die furchtbare Erinnerungen in ihm auslöst. Ist er in seiner privaten Hölle gelandet?

Der Lesende fühlt sich wie ein Schatten Seths, er begleitet ihn durch die Erlebnisse und die Erinnerungen und teilt seine Erkenntnisse. Das Bild wird klarer. Man taucht ein in eine andere Welt und fragt sich instinktiv, ob an Teilen dieser Erzählung vielleicht etwas dran sein könnte. Am Anfang braucht es ein wenig, um sich an die Art zu schreiben zu gewöhnen, die Erzählung lässt den Lesenden aber nicht vom Haken, denn ständige überraschende Wendungen erhalten den Spannungsbogen. Es geht um die Frage, was das Leben letztendlich ausmacht. Super auch für Jugendliche, die sich mit philosophischen Themen beschäftigen möchten und alle die, die selber weiterrätseln wollen. Denn eines leistet diese Geschichte nicht: Sie löst nicht auf.

- KW

Mein bester letzter Sommer
Freitag, Anne
368 Seiten, Heyne fliegt

Cover

Zornige, weibliche Protagonistinnen scheinen momentan angesagt. Jedoch ist, mit dem eigenen Tod vor Augen, sowohl Zorn als auch Pathos eine verständliche Haltung...Tessa, 17 Jahre und aus München, lässt ihre ganze Wut und ihre Verzweiflung an ihrer Mutter aus. Die Wut darüber, dass sie bald sterben muss, obwohl sie doch dachte, ihre Krankheit besiegt zu haben. In einem Prolog berichtet die Ich–Erzählerin davon, wie sie in der U-bahn auf einen jungen Mann aufmerksam wird, der sie unbeschreiblich berührt. Und ausgerechnet diesen jungen Mann, Oskar, lernt Tess ein paar Monate später in Gestalt des Sohnes von Vaters bestem Freund bei sich zuhause kennen. Das ist zwar ein bisschen unwahrscheinlich, aber nur bei Oskar kann Tess sich aufs Verlieben einlassen. Eine aktualisierte Version des Filmes „Love Story“ aus den 70er Jahren, mit online-Chats und Play-Lists und quälend langen Versuchen der Protagonistin, sich diese Liebe zu verkneifen, weil der Geliebte ja absehbar alleine zurück bleiben wird. Nebenbei wird in Anne Freitags Roman der Mutter-Tochter-Konflikt bearbeitet, sowie die Rivalität zwischen Tess und ihrer jüngeren Schwester Larissa, die keine Provokation und keinen Tabubruch auslässt. Untermalt von Tessas Reflektionen über das Leben und das Sterben enthält diese romantische Liebesgeschichte genau die Zutaten, die für uns Mädels zuweilen reizvoll sind. Oskar wird für Tessa genau zu dem Partner, mit dem sie ihre Situation aushalten, auf den sie sich „bis dass der Tod uns scheidet“ einlassen kann. Erhöhter Kleenexbedarf garantiert!

- JPS

Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe
übersetzt von Annette Kopetzki

Frascella, Christian
317 Seiten, Frankfurter Verlagsanstalt

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Der jugendliche Ich-Erzähler ist gerade mal 17 Jahre alt und ein grandioser Maulheld und Aufschneider. So bringt er sich ständig in neue Schwierigkeiten, zumal seine Selbstwahrnehmung deutlich von dem abweicht, was seine Umwelt sieht. Zusammen mit seiner älteren Schwester, die er die „Mönchsrobbe“ nennt und seinem Vater, dem „Chef“, lebt er im hässlichsten Haus des Ortes. Vor kurzem ist die Mutter der beiden Jugendlichen mit einem erheblich jüngeren Tankwart abgehauen, die „Mönchsrobbe“ hat seitdem noch stärkeren Halt im Kirchgang und der Religion gefunden und der „Chef“ säuft sich vorsätzlich um den Verstand. Der namenlose Ich-Erzähler strudelt unterdessen durch Umstände und Zufälle von einer Schlägerei in die nächste und auch von der Schule.

Selbst mit der attraktiven Chiara verbindet ihn zunächst eine handfeste

Auseinandersetzung. Selten habe ich ein Buch gelesen, bei dem die Hauptperson so negativ und selbstverliebt dargestellt wird, dass es beinahe nicht zum Aushalten ist. Und dennoch ertappe ich mich im Laufe des Lesens dabei, dass ich mitfühle, mich an jugendlichen Größenwahn und Selbstüberschätzung erinnere und mit genau diesen Zutaten der Hauptperson beim Wachsen zuschaue...

Ein bemerkenswertes Buch-Debüt - besonders spannend für männliche Leser!

- JPS

MÉTO
übersetzt von Stephanie Singh

Grevet, Yves
218 Seiten, dtv

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„MÉTO. Das Haus“ ist das erste Buch einer Dystopie-Trilogie, die, dort  als Einteiler erschienen, in Frankreich bereits ein Bestseller ist. 64 Jungen leben gemeinsam in einem Haus, eingesperrt, vollkommen isoliert und einem totalitären System unterworfen, welches durch die „Cäsaren“ überwacht und aufrechterhalten wird. Sie werden, ohne Wissen um ihre Herkunft  und ihre Zukunft, in eine anstrengende Abfolge von Sport, Spiel und Schule eingespannt, mit harten und irrationalen Regeln erzogen und unter Anderem mit tagelangen Aufenthalten in einer Kühlkammer bestraft. Außerdem bekommen die Jungen regelmäßig Spritzen, ihnen wird Wissen vorenthalten und bei einem Gruppenspiel sind sie gezwungen, sich gegenseitig zu verletzen. Von all dem berichtet Méto in kurzen, emotionslosen Sätzen aber auch von seiner zunehmenden Unzufriedenheit innerhalb dieses Systems. Er stellt fest, dass er nicht alleine ist, dass sich eine Widerstandsgruppe gebildet hat und schließt sich ihr an.  Natürlich gibt es auch Verräter, überall ist Aufmerksamkeit, Umsicht und Entschlossenheit erforderlich.  Zum Ende des ersten Teils haben die Aufständischen es geschafft, sich Waffen zu besorgen und die Cäsaren zu überwältigen...

Eine spannende und düstere Geschichte über die Folgen und Wirkung von Unterdrückung.

- JPS

Misty Falls
Die Macht der Seelen

Stirling, Joss
399 Seiten, dtv

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Misty gehört – wie andere in ihrer Familie auch- zu den Savants. Diese besonderen Menschen verfügen alle über ganz spezielle Fähigkeiten, die sie einzusetzen lernen müssen. Mistys Gabe ist, dass sie immer die Wahrheit sagen muss und auch andere in ihrer Nähe dies tun müssen. Misty weiß zudem, dass Partnerwahl auch nicht so einfach ist wie bei anderen Menschen. Es gibt vielmehr den einen Seelenspiegel auf der Welt, den es zu finden gilt. Als sie dann eher zufällig auf Alex stößt, der tatsächlich ihr pendant sein soll, stellt sich auch noch heraus, dass seine besonderen Fähigkeiten nicht zu ihren passen. Er kann nämlich mit seinem Charme andere dazu bewegen, das zu tun, was er möchte. Und in Mistys Gegenwart kann er das nicht einsetzen. Holperig sind daher die ersten gemeinsamen Schritte. Und als dann noch ein verlorener Onkel auftaucht und Alex ganze Aufmerksamkeit will, wird alles noch komplizierter. Und wer mag dieser mordende Unbekannte sein, der es auf Savants auf der ganzen Welt abgesehen hat? Wem kann man noch trauen???

Ein Jugendroman, wohl eher für Mädchen um die 14 Jahren, der sich in erster Linie um die Themen Liebe und Freundschaft dreht. ‚Sie kriegen sich` oder sie kriegen sich nicht‘ ist lange das Thema. Zum Ende aber nimmt der Roman Fahrt auf und wird so spannend, dass man ihn unbedingt in einem Rutsch zu Ende lesen will. Daher: Empfehlenswert

- KW

Mit anderen Worten: ich
übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessika Komina

Stone, Tamara Ireland
335 Seiten, magellan

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Samantha, Sam, leidet an einer Zwangsstörung. Sie muss viele Dinge drei Mal wiederholen, überhaupt spiel die Zahl 3 eine bedeutende Rolle in Sams Leben, aber am schlimmsten sind diese zerstörerischen und verstörenden Gedankenspiralen, die immer wieder in Sam aufsteigen. Ihre Mom, ihre Familie, hat gelernt, damit umzugehen. Sam besucht regelmäßig ihre Therapeutin Sue, die mit ihr arbeitet, aber vor ihren Freundinnen in der Schule hält sie diesen Teil ihrer Persönlichkeit geheim, zu sehr fürchtet sie sich vor deren Reaktionen und davor, nicht mehr beliebt zu sein. Nur wenn Sam schwimmt, ist sie ganz bei sich. Dann kann sie sich versenken, konzentriert auf Atmung, Geschwindigkeit und Rhythmus. Eines Tages taucht Caroline in der Schule auf, und die ist deutlich anders als Sams Freundinnen. Ungeschminkt, uninteressiert an Äußerlichkeiten, zeigt sie Sam etwas, „das ihr Leben verändern wird“. Sam ist fasziniert von diesem geheimnisvollen Mädchen, und dem, was sie durch Caroline kennenlernt: die geheime Dichterecke. Dieser Ort ist nicht nur ein verborgenes Refugium für Schüler, die im Schulalltag alle irgendwelche Schwierigkeiten und Probleme haben und sich durch schreiben und vorlesen von Gedichten eine Ausdrucksform erworben haben. Es ist auch der Ort, an dem Sam lernt, kreativ mit ihren eigenen Worten umzugehen und so ihre Gefühle auszudrücken.

Dies ist das besondere an dieser Geschichte: es zeigt auf, wie das Schreiben einem das Leben retten kann. Wie der Ausdruck des Ichs Stärke und Sicherheit wachsen lässt, sich auch größeren Problemen zu stellen und für sich selbst zu sorgen. Das ist ein guter Rat für junge Menschen: sich darum kümmern, man selbst zu sein. Und spannend zu lesen ist es außerdem....

- JPS

Mit Worten kann ich fliegen
aus dem Amerikanischen von Schröer, Silvia

Draper, Sharon M.
317 Seiten, Ueberreuter

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Melody hat eine besondere Begabung. Sie hat ein photografisches Gedächtnis. Alle Worte, die sie hört und liest, prägen sich auf immer in ihrem Gedächtnis ein. Nur niemand weiß davon. Denn Melody ist elf Jahre alt und hat noch nicht ein Wort gesprochen. Sie hat seit ihrer Geburt Zerebralparese, kann weder laufen, noch selbstständig essen und auch keinen Stift halten und eben nicht sprechen. All ihre Gedanken und all ihre Intelligenz sind in ihrem Kopf eingesperrt.

Obwohl ihre Eltern ahnen, dass sie mehr ist, als nur wach im Kopf, muss sie in eine besondere Schulklasse gehen, in der Kinder mit Behinderungen mehr verwahrt als unterrichtet werden.

Als in ihrer Schule Integrationsklassen eingerichtet werden, hat sie zeitweise anspruchsvolleren Unterricht mit den anderen in ihrem Alter. Aber erst, als sie einen Computer erhält, der ihr ermöglicht durch Tastendruck Sprache zu erzeugen, nehmen die anderen sie überhaupt wahr.

Ein Mädchen bringt es auf den Punkt: „Ich will nicht gemein sein – ehrlich- aber mir ist einfach noch nicht in den Sinn gekommen, dass Melody Gedanken in ihrem Kopf haben könnte“

Als dann klar wird, was sie alles drauf hat, nimmt sie mit einer Auswahl ihrer Klasse am Wettbewerb der Superhirne teil. Aber kann das gutgehen?

Es gibt sie, diese zwei Melodys in dieser Geschichte. Die, die nach außen sichtbar ist und die, durch deren Gedanken uns die Autorin führt. Am Ende des Buches gibt es nur noch eine Melody und so soll es idealerweise sein.

Es ist ein starkes Buch, ein wichtiges Thema, welches uns die Autorin da vorsetzt. Ein Buch für Schülerinnen und Schüler, aber auch für Lehrerinnen und Lehrer, die sich der Herausforderung Inklusion gegenüber sehen. Ein Buch für alle, die sich bisher gefragt haben, ob Kinder mit Behinderungen wirklich gemeinsam mit anderen ihres Alters lernen sollen.

- KW

Monsterwochen
Koertge, Ron
142 Seiten, Carlsen

Cover

Ben Bancroft, der Ich-Erzähler, ist 16, Vollwaise, halbseitig spastisch gelähmt und lebt bei seiner Großmutter. In der Schule ist er ein Außenseiter. Seine Welt ist das Kino und besonders die Filmwoche im heruntergekommenen Rialto-Lichtspielhaus, in einem Vorort von L.A.
Als sich während eines Films die ausgeflippte Colleen aus seiner Schule neben ihn setzt und im Drogenrausch an seiner Schulter einschäft, beginnt sich für Ben alles zu ändern. Die ungewohnt direkte Art, mit der Colleen mit seiner Behinderung umgeht und sich ihm auch körperlich nähert, verändert sein Leben grundsätzlich. Natürlich ist Bens Großmutter mit dieser Bekanntschaft nicht glücklich, zumal Colleen nicht nur alle möglichen Drogen zu sich nimmt, sondern auch noch ein loses Mundwerk hat.
Koertges Roman besticht durch seinen unkonventionellen Umgang mit Behinderung. Der Ich-Erzähler kommentiert witzig-flapsig die ver-schiedenen Situationen, die sich aus seiner Behinderung ergeben. Diese sprachliche und stilistische Direktheit, die Situationskomik und die witzigen Dialoge machen die besondere Qualität dieses Romans aus und bestimmen seinen Charakter.

- JPS

Mord ist nichts für junge Damen
Ein Fall für Wells & Wong

Stevens, Robin
287 Seiten, Knesebeck

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Das Deepdean Internat für junge Mädchen 1934. Das Leben dort könnte so einförmig sein, gäbe es nicht die Detektei Wells & Wong, die die beiden Freundinnen Daisy und Hazel gegründet haben. Richtige spannende Ermittlungen gab es bisher aber leider nicht anzustellen. Dann aber findet Hazel die Lehrerin Miss Bell tot in der Turnhalle der Schule. Als sie mit Daisy zurückkehrt, ist die Leiche verschwunden und niemand glaubt den Mädchen. Also machen die zwei sich selbst ans Werk. Mit guter alter Ermittlungsarbeit versuchen sie herauszufinden, was geschehen ist. Dabei kommen sie der oder dem Schuldigen gefährlich nahe.

Obwohl die Geschichte um die beiden Mädchen 1934 spielt, stellt man sich das Leben in einem englischen Internat genauso oder so ähnlich auch heute noch vor. Sie ist daher keinesfalls altbacken zu lesen. Und das, was die beiden selbsternannten Detektivinnen so treiben, ist durchweg spannend bis zum erstaunlichen Ende. Daher freut man sich auf neue Geschichten um die Zwei. Mehr muss ein erster Band nicht leisten! Empfehlenswert für Mädchen ab etwa 12 Jahren.

- KW

Nick & Norah
Soundtrack einer Nacht

Cohn, Rachel & Levithan, David
216 Seiten, cbj

Cover

Jurybegründung AKJ:
Aus fünf Minuten werden sieben und dann verbringen Nick und Norah eine Nacht, in der sie sich verlieren und wieder finden, entfremden und neu entdecken. Der Bassist einer Band und die Tochter eines Musikproduzenten lernen sich in einem Club in New York kennen. Sie entdecken die Stadt bei Nacht, finden dabei auch zu sich selbst und verarbeiten ihren Liebeskummer. Beide sind hin und her gerissen zwischen ihren Gefühlen und der Angst, sich neu zu verlieben. Doch entgegen jedem traurigen Song siegt die Liebe. Die Geschichte wird abwechselnd von den zwei Autoren erzählt und erschafft ein realistisches Bild. Die Atmosphäre, geprägt von der größten Leidenschaft der Personen - der Musik -, verzaubert den Leser für eine Nacht. Ein Buch mit mehr Stoff als jeder Songtext und für jeden Musikgeschmack. Ab 14

 

Aus zwei Perspektiven ist dieses packende Beziehungsgeflecht konstruiert:
Nick, der die Trennung seiner Ex-Freundin Tris von ihm nach drei Wochen noch nicht wahrhaben will, ist Bassist in einer New Yorker Punkband und sieht sich bei einem Gig plötzlich mit seiner Ex und dessen neuem Freund konfrontiert. Ihm fällt nichts anderes ein, als ein Mädchen in seiner Nähe darum zu bitten, für die nächsten 5 Minuten seine Freundin zu spielen. Dieses Mädchen, Norah, ist eine ebenfalls musikbegeisterte junge Jüdin, deren Vater ein namhafter Musikproduzent. Sie kennt sich gut aus in der Club-Szene und ist im Moment damit beschäftigt, ihr bisheriges Leben in jeder erdenklichen Form in Frage zu stellen, denn auch ihre Beziehung zu ihrem Freund Tal befindet sich in einer schwierigen Phase.
Norah lässt sich auf Nicks 5 Minuten-Angebot ein und so beginnt eine turbulente, romantische aber auch tiefsinnige Reflektion beider Protagonisten über ihre eigenen, verwirrten Gefühle, über das Leben in New York und über seine Musikszene.
Über allem steht das Thema Freundschaften und Liebe, das Bedürfnis, heraus zu finden, wer man ist und was man möchte, welche Formen der Beziehungen zu und zwischen Menschen aller sexuellen Präferenzen und vor allem die Liebe zur Musik.

- JPS

Nowhere man
Miler, Christoph
320 Seiten, °luftschacht

Cover

Christoph Miler erzählt in diesem Buch die Geschichten von 6 illegalen Migranten. Jede dieser Personen hat einen Namen, ein Schicksal, einen Hintergrund. Ihre politischen, sozialen und kulturellen Lebens- und Arbeitsbedingungen sind in unserer globalisierten Welt komplett ins Ungleichgewicht geraten. So wird der Akt der illegalen Migration die beinahe zwangsläufige Folge aussichtsloser Existenz. Mit Karten, Fotos, Werbung, Illustrationen, Fernsehbildern und Videostills collagiert Miler zusätzliche Bildeindrücke und stellt sowohl typografisch als auch mit seinem Layout Bezüge zwischen den Protagonisten und den Bildern her.

Über eineinhalb Jahre hat Christoph Miler Gespräche mit illegalen Flüchtlingen geführt und ihre Geschichten dokumentiert. Verdichtet als bespielhaft-episodenartige Lebensläufe sind sie erschreckend spannend zu lesen. Besser begreifen wir die aktuelle Situation als Folge globaler Ereignisströme und Machtstukturen, an denen wir selber mitwirken, als die Schuld bei denen zu suchen, die bei uns um Essen und Arbeit anfragen...Ein wahrhaft informatives und dabei leicht lesbares Standardwerk über Migration für alle über 15!

- JPS

Numbers
übersetzt von Uwe Michael Gutzschhahn

Ward, Rachel
364 Seiten, Chicken House

Cover

Diese Geschichte geht unter die Haut. Jem erfährt mit sieben Jahren, am Todestag ihrer Mutter, dass sie die besondere Gabe hat, das Todesdatum jedes einzelnen Menschen in dessen Augen sehen zu können.
Mehr Fluch als Gabe, findet Jem, denn sie zieht sich immer mehr zurück. Jem lebt bei schon lange bei Pflegefamilien, will diese ungeheuerliche Belastung nicht und geht daher keine Beziehungen ein. Doch als Jem 16 ist, taucht der schwarze Jugendliche Spinne in ihrem Leben auf und heftet sich an Jems Fersen. Spinne lebt bei seiner Großmutter, die erkennt augenblicklich, das Jem eine besondere Gabe hat. Zum ersten Mal will Jem tatsächlich Zeit und Nähe mit Spinne teilen, aber natürlich wird in kürzester Zeit alles höllisch kompliziert... Ein Atemberaubender Jugendroman.

- JPS

Nur drei Worte
Albertalli, Becky
315 Seiten, Carlsen

Cover

Jung zu sein kann ganz schön schwer und verwirrend sein. Umso mehr, wenn man, wie Simon, schwul ist. Obwohl seine Eltern offen und modern sind und er beste Freunde hat, kommen die befreienden drei Worte nicht heraus. Wie gut, dass es Blue gibt. Über einen chatroom der Schule haben sie sich gefunden und tauschen seither die intimsten Gedanken aus, ohne voneinander zu wissen, wer sie in Wirklichkeit sind. Bis plötzlich der chat entdeckt und Simon als schwul erkannt wird. So findet Blue heraus, wer sein Chatpartner ist. Nun aber möchte Simon auch mehr wissen über den klugen und witzigen Blue. Ein Ratespiel beginnt.

Einfühlsam nähert sich die Autorin den oft Irritationen bringenden Gefühlen der jungen Generation. Wie soll man sich zurechtfinden, wenn alles plötzlich so anders ist, wie sich mitteilen? Der Roman zeigt auf, dass es unendlich schwer sein kann, die Rolle, die einem seit Ewigkeiten zugedacht war, zu verlassen und einen anderen – neuen- Teil von sich zu offenbaren. Da ist es manchmal einfacher, das Internet zu nutzen und Gespräche in der Anonymität zu führen. Irgendwann aber muss der Sprung in die Realität nachfolgen, will man wieder ganz sein. Diese Notwendigkeit wird über den Erzählstrang immer deutlicher erkennbar. Zu Recht für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

- KW

Pampa Blues
Lappert, Rolf
252 Seiten, Hanser

Cover

Ben ist noch nicht mal 17 und hat die Nase gründlich voll von seinem Leben. Seine Mutter tingelt als Jazz-Sängerin durch die Lande, schickt Haushaltsgeld und ruft ab und zu an, um Ben mitzuteilen, dass sich die derzeitige Tournee verlängert. Ben kümmert sich unterdessen um seinen Opa Karl. Das ist allerdings ein Fulltimejob, denn Karl ist senil, zwar körperlich gesund aber nicht mehr in der Lage, sich um sich selbst zu kümmern und häufig verschlossen. Ben muss ihn waschen, anziehen, für ihn kochen, darauf achten, dass er genug trinkt und in ab und zu suchen. Da Karl sich gerne mit Vogelfutter in beiden Handflächen aufs Feld stellt, um die Vögel anzulocken, weiß Ben aber meist, wo er zu finden ist. Aber Karl ist natürlich der Grund dafür, warum Ben noch dort ist, in dem verschlafenen Nest Wingroden, einem winzigen Dorf, das eigentlich fast nur von Männern bewohnt wird. Hier scheint die Zeit still zu stehen, nicht gerade das, was man sich als Jugendlicher wünscht. Aber dann taucht auf einmal Lena auf, und alles wird anders... Toll geschriebene, skurrile Story mit stets liebevollem Blick! Unbedingt lesen!                                                           

- JPS

Paradiesische Aussichten
Guène, Faïza
144 Seiten, Carlsen

Cover

Jurybegründung AKJ:
Das mit dem Schicksal ist sowieso völlig frustrierend, weil man nichts daran ändern kann“, meint die 15-jährige Doria. Doch dass das Leben sehr wohl auch PARADIESISCHE AUSSICHTEN birgt, das zu erzählen gelingt Faïza Guène. Sie wurde 1985 geboren – in dem Jahr, in dem der Kinofilm TEE IM HAREM DES ARCHIMEDES die berüchtigten Banlieus von Paris über die Grenzen von Frankreich hinaus berühmt machte. 20 Jahre später wählt die Autorin denselben Schauplatz für ihre Erzählung. Sie fokussiert ihren Blick auf die Lebenswirklichkeit einer marokkanischen Immigrantenfamilie. Wie „short cuts“ erscheinen die kurzen Kapitel, in denen die Ich-Erzählerin ihren Mikrokosmos kartografiert. Die heranwachsende Heldin besticht nicht allein durch ihre lakonisch-ironischen Kommentare, sondern auch durch den punktgenauen Blick auf die sozialen Lebensumstände. Während uns die medialen Bilder der brennenden Autos und der eingeworfenen Schaufensterscheiben aus Frankreich noch deutlich im Gedächtnis sind, liefert Guènes Text den Bodensatz hierzu. In der meisterlichen und zeitgemäßen Übersetzung von Anja Nattefort zeigt das Buch das beeindruckende Porträt einer Generation. Ab 14

- JPS

Press play
Was ich Dir noch sagen wollte

Camden, Steven
339 Seiten, Ravensburger

Cover

Jugendlicher zu sein war zu keiner Zeit leicht, besonders natürlich, wenn man Waise geworden ist. Der 13 jährige Ryan lebt nach dem Tod seiner Mutter mit seinem Vater, der neuen Frau und seinem Stiefbruder Nathan zusammen. Die beiden Jungen haben es nicht leicht miteinander. Dann verliebt sich Ryan in die Irin Eve, die ihn an seine Mutter erinnert. Doch schon kurz nachdem die beiden merken, dass sie vom Universum füreinander geschaffen sind, werden sie wieder getrennt. Ameliah ist ebenfalls 13 Jahre alt. Ihr ist von ihren Eltern nichts geblieben außer Erinnerungen und eine Tasche voller Kassetten mit der Lieblingsmusik ihrer Mutter. Eines Tages hört sie zwischen der Musik Worte, die sich an Sie zu richten scheinen. Wer ist der geheimnisvolle Sprecher und ist er wirklich ein Fremder? Die Geschichten über Ryan und Ameliah wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sie berühren sich in den Kapiteln über die Kassetten. Obwohl es zwei unterschiedliche Erzählungen sind, ahnt der Lesende mehr als er versteht, dass sie zusammenhängen müssen. Bei einer solcherart verschachtelten Erzählweise hilft vielleicht ab und an eine Skizze, um den Faden nicht zu verlieren. Unterhaltsam, aber im Ergebnis etwas banal ...

- KW

Runaway
übersetzt von Günter Ohnemus

Hijuelos, Oscar
350 Seiten, Fischerverlage

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Im New York der 1960er Jahre versucht sich Rico, Sohn kubanischer Eltern zwischen Banden, Drogen und seinen strengen Eltern zurecht zu finden. Ricos größte Probleme sins seine geringen spanischen Sprachkenntnisse und seine extrem helle Hautfarbe, damit hat man in Harlem einen schweren Stand. Gut dass es Gilberto gibt, der ist 3 Jahre älter als Rico und „richtig“ schwarz, mit einem riesigen Afro und immer gut drauf. Mit einem Lotto-Gewinn setzt sich Gilberto eines Tages nach Wisconsin ab, um dort eine Landkommune zu gründen. Als dann auch noch Ricos bester Kumpel Jimmy drogenabhängig wird und im Rausch einen schweren Unfall hat, hält Rico den Zeitpunkt für gekommen: er schnappt den gerade mal nüchternen Jimmy und macht sich mit ihm auf den Weg zu Gilberto aufs Land. Aber natürlich haben sich die Probleme nicht abhängen lassen: auch hier gibt es Rassismus und Vorurteile, Jimmy kann weiterhin nicht von den Drogen lassen und Rico kommt für sich selbst auch nicht voran. So fasst er am Ende den Entschluss, wieder nach New York zurück zu kehren. Sein Lieblingsbuch Huckleberry Finn begleitet nicht nur die gesamte Reise, es ist auch der Fixstern zur Orientierung: Rico will Schriftsteller werden. Ein tolles Buch, spannend und mitreißend!

- JPS

Running Man
übersetzt von Birgitt Kollmann

Bauer, Michael Gerard | Bauer, Michael Gerard
227 Seiten, Nagel & Kimche

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Jurybegründung AKJ:
Eigentlich sollte Joseph nur ein Porträt von dem zurückgezogen lebenden Tom Leyton anfertigen. Doch durch seine vertrauensvolle Art öffnet er das seit Jahren verschlossene Herz des alten Mannes mit jedem seiner Besuche ein bisschen mehr. Schließlich kommt Joseph hinter sein Geheimnis und bringt mit jedem Tag und Wort ein Stück des "alten" Tom zu Tage. Tom zeigt Joseph die faszinierende Kunst der Seidenraupenzucht und die beiden unterhalten sich auch über den Running Man, der mit panisch angstverzerrtem Gesicht durch die Stadt rennt, als wäre der Teufel hinter ihm her. Seit Joseph denken kann, ist dieser Mann sein persönlicher Albtraum. Doch Tom Leyton bringt ihn dazu, den Running Man zu verstehen. Dieses Buch macht trotz des Schmerzes und der Tragik darin glücklich und nachdenklich.

Der stille und in sich gekehrte Joseph lebt mit seiner Mutter in einer australischen Kleinstadt. Sein Vater arbeitet die meiste Zeit an weit entfernten Baustellen und kommt nur zweimal im Jahr nach hause. Joseph vermisst ihn und ist gleichzeitig wütend auf den abwesenden Vater. Durch den schulischen Auftrag, ein gezeichnetes Portrait herzustellen, macht der Junge die Bekanntschaft des Nachbarn, der mit seiner Schwester völlig zurückgezogen lebt. Joseph muss sich zunächst sehr überwinden, den Kontakt zu vertiefen, denn der Nachbar ist noch verschlossener als er selbst und es kursieren wilde Gerüchte über den Grund seiner Zurückgezogenheit. Doch nach und noch eröffnet sich den beiden eine gemeinsame Kontaktebene durch die Seidenraupenzucht des alten Mannes und es entsteht eine tiefe und vertrauensvolle Beziehung.

- JPS

Schneeriese
Keller, Susan
206 Seiten, Carlsen

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Über Schneeriese ist schon soviel Begeistertes, Wahres und Schlaues gesagt worden, dass es schwierig ist, noch etwas Geistvolles hinzuzufügen. Dennoch ist es natürlich ein Buch, das in unserer Empfehlungsliste keinesfalls fehlen darf... Vielleicht ist dies eine gute Stelle, um etwas allgemeiner auf die wichtige Rolle von Jugendliteratur hinzuweisen, die ja für eine Altersgruppe geschrieben wird, die durchaus selbst entscheidet, was sie lesen will und was nicht. Dennoch wünschen sich Erwachsene oft Bücher, die sie „ihren“ Jugendlichen ans Herz und in die Hand legen können. So ein Buch ist Schneeriese, sprachlich trifft es den richtigen Ton und ist dabei anspruchsvoll UND locker. Inhaltlich zeigt es jene existenziellen Konflikte auf, die das Jugendalter mitunter zu einer lebensgefährlichen Zeit machen. Und gradezu richtungweisend ist das Buch wegen der Botschaft, dass einzig das REDEN den Ausweg aus jedem Konflikt aufzeigt. Reden gegen das Verstummen, Reden als heilsamer Prozess, Reden zum Aussprechen innerer Wahrheiten. Genug geredet, lest dieses Buch!

- JPS

Schneller als die Angst
9 rasante Kurzkrimis

Weidinger, Erich (Hrsg.)
125 Seiten, Obelisk

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Schutzgelderpressung, das Ausschalten von Konkurrenten, Mord, Drogenschmuggel und vieles mehr, die Welt der Verbrechen ist groß und Krimis darüber wurden schon zahlreiche geschrieben. Hier jedoch heißen die beteiligten Protagonisten Paula, Laurin, Oliver und Max und sind noch Kinder. Sie sind verstrickt in verbrecherische Handlungen oder gefährliche Situationen. Sie müssen sich aus brenzligen Lagen befreien und einen kühlen Kopf behalten. Neun Schriftsteller und Schriftstellerinnen präsentieren je einen Kurzkrimi. Sie lassen sich alle gut lesen und enthalten so manche überraschende Wende. Sie berühren teilweise aktuelle Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen und sind daher geeignet für Kinder ab etwa 12 Jahren.

- KW

Sieben kleine Verdächtige
übersetzt von Annette Kopetzki

Frascella, Christian
318 Seiten, Frankfurter Verlagsanstalt

Cover

Das Leben in einer italienischen Kleinstadt wie Rocella ist nicht einfach. Vor allem nicht, wenn man jung ist. Für die sieben 12- jährigen Jungen Lonica, Cecconi, Ronacci, Corda, Fostelli, Gorilla und Billo zeigt es jedenfalls keine Perspektive auf. Neben den Anforderungen, die eine Stadt mit teilweise mafiösen Strukturen bereithält, haben sie alle auch noch ihre privaten häuslichen Probleme zu schultern. Dann hat Billo eine Idee: Warum nicht die Bank überfallen und mit dem erbeuteten Geld ein neues Leben beginnen? Der Plan ist schnell ausgeheckt. Um in die Bank zu kommen, soll einer von ihnen „Speckbacke“, die stämmige Tochter des Wirtes umwerben, die täglich den Wachleuten Kaffee bringt. Aber wer sollte das sein? Ein Marathonlauf soll es entscheiden. Alles scheint perfekt geplant, doch dann taucht plötzlich der Mexikaner wieder auf… Der Roman räumt auf mit dem Image des kinderfreundlichen Italien. Die Geschichten um die sieben Kinder nehmen einen großen Platz ein, sodass der geplante Raubzug ein bisschen in den Hintergrund gerät. Das aber ist nicht weiter schlimm, geht es doch um genau diese Geschichten. Bedrückend aber auch streckenweise äußerst humorvoll. Ein Roman für etwa 14-15-jährige.

- KW

Simpel
übersetzt von Tobias Scheffel

Murail, Marie-Aude
300 Seiten, Fischer Taschenbuch

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Der 17-jährige Colbert hat seinen Bruder Barnabé, genannt Simpel, auf seine Verantwortung aus dem Heim für geistig Behinderte geholt. Er erträgt es nicht, Simpel dort leiden zu sehen. Jetzt kümmert er sich um ihn, so gut er kann, ist aber natürlich häufig ziemlich überfordert. Simpel ist 22 Jahre, spielt mit Playmobil, spricht mit seinem Stoffhasen und denkt sich Wörter in einer anderen Sprache aus. Dieses wunderbare Buch von Marie-Aude Murail beschreibt nicht nur einfühlsam die Erlebniswelt von Simpel, sondern zeigt auch eindrücklich die gesellschaftlichen Tabus, die sich im Umgang mit geistig behinderten Menschen in verschiedenen Facetten zeigen. Und in der liebevoll gezeichneten Hauptfigur Simpel steckt eine ganze Palette von Möglichkeiten, das Buch/Thema weitergehend zu bearbeiten. Eine eigene Sprache erfinden, wie Simpel es tut, zu Beispiel. Oder Monsieur Hasehase, dessen diabolische Einflüsterungen Simpel immer wieder in Versuchung führen. Diese Gestalt wird sooft zerschnitten, geflickt, gewaschen, gerubbelt, gedrückt oder sonst wie zerstört, dass es sich anbietet, eine Hasehase-Collage zu machen, vielleicht auch in einer Bildfolge, mit Textzitaten Vorher/Nachher. Ein tolles Buch mit tollen Möglichkeiten für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen!

- JPS

Sommer unter schwarzen Flügeln
Peer, Martin
530 Seiten, Oetinger

Cover

Nura, genannt Nuri ist mit dem Rest ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland gekommen und in einem Flüchtlingsheim in Mecklenburg -Vorpommern gelandet, in unmittelbarer Nähe zum Meer aber auch zu den Neonazis der Region. Hier wohnt der Sozialneid im Plattenbau: die meisten deutschen Bewohner aus der Umgebung sind Hartz 4-Empfänger und die Asylbewerber bekommen sogar die Kühlschränke gestellt... Die NPD und auch ihre militanten Splittergruppen bekommen hier reichlich Zulauf, Jugendliche ohne Schulabschluss und Zukunft können sich hier ein Selbstbewusstsein erschaffen. So einer ist auch Calvin, aber der ist trotz rechter Clique noch selbstständig in seinem Denken. Ausgerechnet zwischen ihm und Nuri entwickelt sich eine Beziehung, bei der in erster Linie Nuri aus Syrien und von der Flucht erzählt und Calvin, zunächst widerstrebend, zuhört. Calvin gerät zunehmend unter Druck, seine rechten Kumpels wollen klare Bekenntnisse und Calvin ist durch seine Nähe zu den Asylbewerbern selbst in Gefahr... Peer Martin nimmt die Hintergründe ernst, recherchiert gut findet besonders für Nuris Erzählungen eine poetische Sprache, die die Leser in den Bann zieht. Leider sehr aktuell, dieses Buch, unbedingt lesen!

- JPS

Spurlos
übersetzt von Elisa Martins

Elston, Ashley
367 Seiten, mixtvision

Cover

Der vorliegende Roman schildert das ungewöhnliche Leben der jugendlichen Meg und ihrer Familie in einem US-Amerikanischen Zeugenschutzprogramm. Der sechste Umzug innerhalb eines halben Jahres nimmt alle Familienmit-glieder mit, Megs jüngere Schwester Mary  verschließt sich immer mehr und ihre Mutter ist zur Alkoholikerin geworden. Alles, wonach sich Meg sehnt, ist ein Stück Normalität und „nach Hause“ zurückgehen zu können.

Zu allem Überfluss hat Meg keine Ahnung, was eigentlich passiert ist, niemand redet mit ihr darüber und alle Versuche, selbst etwas herauszufinden, laufen ins Leere. Megs neuer Schulkamerad Ethan ist offensichtlich an mehr als nur an äußerlichen Informationen von Meg interessiert und rückt ihr auf die Pelle. Ein spannender Thriller um eine Kooperation mit dem FBI und deren Auswirkungen auf den Alltag der Protagonistin, die weder Megan noch Jones heißt...

- JPS

Tanz der Tiefeequalle
Höfler, Stefanie
192 Seiten, Beltz & Gelberg

Cover

Sera uns Niko sind so ziemlich die extremsten Pole der Klasse. Sera, das bildhübsche und angesagte Mädchen, das sich selbst als „Wortsparsam“ bezeichnet. Und Niko, der dicke Junge, der gemobbt wird, über den sich fast die ganze Klasse lustig macht und der trotzdem cool bleibt. Irgendwie passiert es, dass Sera anfängt, sich über Niko Gedanken zu machen. Sie weiß selbst gar nicht genau, warum. Immer abwechselnd erfährt der Leser aus Seras oder aus Nikos Perspektive, wie sich die Situation, vor allem während der Klassenfahrt, entwickelt. Da ist nämlich ausgerechnet Niko am rechten Ort, um Sera vor einer Grabschattacke von Marco zu schützen. Marco, dem angesagtesten Jungen der Klasse, der Niko ohnehin schon auf dem Kieker hat, und mobbt, wo er nur kann. Aber die Geschichte nimmt Fahrt auf, wendet sich ins Unerwartete und ist eine tolle Lektüre für Jugendlliche ab 12.

- JPS

Tanz der Tiefseequalle
Höfler, Stefanie
192 Seiten, Beltz & Gelberg

Cover

Sera uns Niko sind so ziemlich die extremsten Pole der Klasse. Sera, das bildhübsche und angesagte Mädchen, das sich selbst als „Wortsparsam“ bezeichnet. Und Niko, der dicke Junge, der gemobbt wird, über den sich fast die ganze Klasse lustig macht und der trotzdem cool bleibt. Irgendwie passiert es, dass Sera anfängt, sich über Niko Gedanken zu machen. Sie weiß selbst gar nicht genau, warum. Immer abwechselnd erfährt der Leser aus Seras oder aus Nikos Perspektive, wie sich die Situation, vor allem während der Klassenfahrt, entwickelt. Da ist nämlich ausgerechnet Niko am rechten Ort, um Sera vor einer Grabschattacke von Marco zu schützen. Marco, dem angesagtesten Jungen der Klasse, der Niko ohnehin schon auf dem Kieker hat, und mobbt, wo er nur kann. Aber die Geschichte nimmt Fahrt auf, wendet sich ins Unerwartete und ist eine tolle Lektüre für Jugendlliche ab 12.

- JPS

The Road of the dead
übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn

Brooks, Kevin
352 Seiten, dtv

Cover

Bei diesem Buch hatte ich ein „Ja-aber-Gefühl“, das auf Seite 1 begann und bis zum Ende immer stärker wurde. Ja, es ist ein brutales Buch, aber es ist gut geschrieben; ja, der Plot ist sehr unglaubwürdig, aber es ist spannend; ja...aber, ja...aber.
Die Art, in der Gewalt behandelt wird, erinnert mich an Tarantino-Filme: exzessiv, explizit und immer irgendwie als Chiffre. Insgesamt ist mir die Story zu verschroben angelegt. Eine junge Frau wird ermordet, ihr jüngerer Bruder empfängt Signale, sein älterer Bruder fühlt sich berufen, den Mord auf eigene Faust auf zu klären, die Mutter lässt ihn ziehen und schickt den jüngeren Bruder noch hinterher. Es wird viel geahnt und am Ende werden die rabiaten Ermittlungsmethoden scheinbar bestätigt, aber im Grunde bleibt die Geschichte rätselhaft. Ja. Aber dann bieten sich immer wieder interessante Aspekte, die das Buch lesenswert machen: die Geschichte der ungleichen Brüder, die psychologisch sehr ausgearbeitete „Typen“ Abbie, Vince und Jess...

- MS

Tigermilch
de Velasco, Stefanie
280 Seiten, Kiepenheuer & Witsch

Cover

Die zwei 14jährigen Mädchen Jameelah und Nini, beste Freundinnen seit der Grundschule, leben in derselben Siedlung in Berlin. Neugierig, frech und wagemutig sammeln sie u. A. Erfahrungen mit Alkohol und Shit, dem Straßenstrich an der Kurfürstenstraße und dem Klauen von Schmuck. Nini, die Icherzählerin, bewundert ihre Freundin Jameelah, eine Irakerin, die nicht nur mehr weiß, als Nini, sondern sich das auch noch besser merken kann und die so schöne Sprachspiele erfindet. Beide Mädchen lassen sich durch den Berliner Sommer treiben, im Bewusstsein dessen, das es der letzte Gemeinsame sein kann, weil Jameelah und ihrer Mutter die Abschiebung droht. Aber vorher passiert noch ganz andere Menge Anderes: Amir, der von den beiden Mädchen kameradschaftlich und wie ein Bruder geliebt wird, kommt in den Knast, weil ein Familiendrama eskaliert und ein Mädchen erstochen worden ist. Der Umgang mit diesem Konflikt bringt sogar die Freundschaft der beiden Mädchen ins Wanken...Stefanie de Velasco gelingt mit ihrem Debütroman eine unglaublich dichte und spannende Coming of Age-Geschichte. Sprachlich balanciert di Velasco gekonnt zwischen jugendlich-rauhem Slang und poetischer Zartheit. Der Sound der Stadt weht durch die Seiten des Buches und erinnert mich an meine eigene Jugend in Berlin, auch wenn die schon lange her ist. Ein tolles Buch, das mich noch lange begleiten wird.

- JPS

Tonspur
Wie ich die Welt von gestern verließ

Krones, Susanne & Hintze, Olaf
360 Seiten, dtv Reihe Hanser

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Der vorliegende Roman schildert das Leben und die Flucht des damals 25jährigen DDR Bürgers Olaf Hintze im Sommer 1989 über Ungarn nach Österreich und dann nach West-Deutschland. 25 Jahre nach seiner Flucht ist es Susanne Krones gelungen, sowohl Hintze persönlich zu Wort kommen  zu lassen, als auch dessen Hintergründe und Beweggründe in den Zusammen-hang  mit der damaligen Situation in der DDR zu stellen. In Sequenzen, Zeitsprüngen und Einblicken gelingt dieses dichte Portrait der Person Hintzes. Die Planung seiner Flucht ist ein zeitgeschichtliches Dokument, das die immer noch atemberaubenden Bilder des Mauerfalls wieder lebendig werden lässt. Der Wunsch nach Freiheit, der Hintze wie so viele andere DDR Bürger auf den Weg gebracht hat, ist in erster Linie der Wunsch nach Freiheit im Denken. Besonders Hitzes Liebe zur Musik und zur Literatur hat ihm diesen kompromisslosen Weg vorgezeichnet. So folgt Hintze der Tonspur seiner Musik, hört Klassik und Modernes und immer wieder die darin enthaltenen Botschaften...Spannend und aufschlussreich!

- JPS

Tote Tulpen
Konecny, Jaromir
238 Seiten, dtv

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Leon ist 16 und ist nach einem Jahr Jugendknast in ein Resozialisierungs- Programm gerutscht: er hat eine Ausbildungsstelle in einem Blumenladen mit Gärtnerei. Zwar hatte er bisher noch nicht so viel mit Blumen zu tun aber dafür findet er beim Eintreffen am Arbeitsort gleich als Erstes eine Leiche. Natürlich verhält sich Hauptkommissar Hauptmeier entsprechend klischeemäßig: Jugendlicher aus dem Jugendknast =höchst verdächtig! Die Tatsache, dass die Tochter der Ladenbesitzerin selbst gerne Ermittlerin spielen möchte und Leon ungefragt dafür instrumentalisiert,  macht die polizeilichen Vorurteile nicht geringer. So lässt der Roman denn auch an Slapstick und Wortwitz nichts aus, wobei mir zugegebener Maßen die inflationäre Verwendung des Adjektivs „cremig“ ziemlich schnell auf die Nerven ging. Jugendsprache aus erwachsenem Mund hat immer etwas Gewolltes- aber wenn die Kids es mögen...?

- JPS

Town
Irgendwo in Australien

Roy, James
287 Seiten, Gerstenberg

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Australien war für Europäer schon immer ein Kontinent mit magischer Anzieh-ungskraft. Mit „Town“ lernen wir jetzt eine stinknormale Kleinstadt kennen, in der stinknormale Jugendliche abhängen, mit Langeweile kämpfen und ganz durchschnittliche Jugendlichen-Probleme haben. Natürlich kann es auch hier passieren, dass es einem zu eng, zu langweilig und zu normal wird, wie überall woanders auch.
James Roy stellt uns in seinem Roman 12 Jugendliche vor, für jeden Monat eine/n. Was sich zuerst wie eine Sammlung einzelner Kurzgeschichten liest, wird nach und nach zum Portrait einer Gruppe. Alle Personen stehen auf unterschiedlichste Art und Weise miteinander in Beziehung und verleihen sich so gegenseitig immer stärker Profil und Tiefenschäfe. Randbemerkungen aus der einen Geschichte werden zum Leitmotiv in einer Anderen, Personen, aus verschiedenen Perspektiven geschildert, sind fast nicht wieder zu erkennen. Eine unterschied-liche Typografie sorgt für das Unterscheiden der verschiedenen Kapitel. Die Stimmungen, in die der Leser entführt wird, changieren zwischen Beklemmung und Erwartung. Alles zusammen macht dieses Buch zu einem Leseerlebnis, aus dem schnell ein Schreiberlebnis werden könnte; solche eine Konstruktion bietet sich für eine Gruppe als Schreibwerkstatt geradezu an!

- JPS

Train Kids
Reinhardt, Dirk
320 Seiten, Gerstenberg

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Der Junge Miguel trifft an der Grenze Guatemalas vier weitere Kinder, die auf der Suche nach Mutter, Vater oder Bruder die Heimat verlassen und sich auf den langen und gefährlichen Weg durch Mexiko in die USA gemacht haben. Getrieben einzig von der Verzweiflung und von der Hoffnung, dort ihre so lang vermissten Familienangehörigen wieder zu finden, setzen Sie sich den größten Gefahren aus, besiegen Hunger und Durst und erleben sich als verschworene Gemeinschaft. Sie erleiden Gewalt, Diebstahl und niederträchtige Täuschungen, sogar Kidnapping und Folter. Ihnen widerfährt mehr, als jemand alleine aushalten kann. In dieser gemeinsamen Zeit auf den Dächern der Güterzüge erzählen sie sich von ihren Träumen und Hoffnungen, Fernando, der Älteste wird nicht müde, sie mit seinen Geschichten zu warnen und ihnen gleichzeitig die Zeit zu vertreiben. Ständig auf der Hut vor Gangstern, Drogenkartellen, korrupten Polizisten und Menschenhändlern gleicht ihre Flucht einem Spießrutenlauf... Dirk Reinhardt berichtet vom Schicksal dieser Kinder und nimmt den Leser mit, raus aus der Komfortzone und hinein in eine andere, harte Wirklichkeit. Absolut lesenswert!

- JPS

Tschick
Herrndorf, Wolfgang
254 Seiten, Rowohlt

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Als ich Tschick zuende gelesen hatte, ging es erst mal rund in meinem Kopf. War das nicht alles ein bisschen konstruiert? Naja, vielleicht! Sprechen 14jährige Jungs so? Ja schon! Aber bringen sie ihre Gedanken und Beobachtungen so zum Aus-druck? Nein, ganz bestimmt nicht! Kann man wirklich auf einer Müllkippe so ein ge-scheites Rotzgör wie Isa treffen, kann man sich in diesem Land renitente Rentner vorstellen, die sich weigern, ihre Häuser zu verlassen und scharf schießen wie Billy the Kid und und und...
Es rumorte und als es aufhörte zu rumoren, dachte ich: ein schönes Buch. Ein gelun-genes Buch!
Zwei Jungs, verschieden von Herkunft und gesellschaftlichem Hintergrund, werden Freunde. Aber ‚Freunde werden’ hat etwas Ungreifbares, so wie Eltern werden. Wenn man die Geschichte liest, erlebt man die atemberaubende Determination eines Außenseiters, der sich einen Freund nimmt. Und mit der Zielsicherheit eines Außen-seiters erwischt er einen Freund für´s Leben.
Tschick, der russische Spätaussiedler, der nichtmals ansatzweise wie ein Deutsch-russe daherkommt, eher wie ein versoffener Mongole, mit einer Familie, die eigent-lich nicht existiert und Maik, das Söhnchen aus Marzahn, das Vater-Mutter-Sohn-Kind, der eigentlich ein Vater(Freundin)-Mutter(Alkohol)-Achlecktmichdochalle-Be-rufspubertierer ist, dessen Selbstbild darum kreist, der langweiligste Langweiler der Welt zu sein. Diese beiden, die nichts eint außer ihrem Außenseitertum, die beide zu schräg, zu asi oder eben zu langweilig sind, um auf die Sommernachtgeburtstagspar-ty des begehrtesten Mädchen der Klasse eingeladen zu werden, schließen sich zu-sammen zu einem Duo, wie es seit Bonny und Clyde, Sherlock Holmes und Dr. Watson oder Tim und Struppi nicht mehr zu sehen war. Aber vor allem erinnern sie an zwei berühmte, andere Jungen: Tom Sawyers und Huckleberry Finn. Und wie Wolfgang Herrndorf es schafft, dieses Ole-Man-River-Gefühl auf die deutsche Provinz zu übertragen, das ist einfach zauberhaft.
Allen Unebenheiten zum Trotz ist dieses Buch eine Hommage an die Freundschaft, eine Bekenntnis dazu, dass Unterschiede bereichern können statt zu entzweien und zudem ein anrührendes und kluges Buch über das, was Truman Capote ‚die wunderbaren Jahre’ nannte.

- MS

Über ein Mädchen
übersetzt von Brigitte Jacobeit

Horniman, Joanne
224 Seiten, Carlsen

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Die Icherzählerin Anna weiß schon seit sie 6 Jahre alt ist, dass sie „anders“ ist-

in ihrem Fall bedeutet das lesbisch. Allerdings fühlt sie sich so fremd in der Welt, ihrer Familie, ihrer Umgebung, dass sie sich nicht auch noch mit einem Outing belasten will. Im ersten Teil des vorliegenden Romans erfahren die Leser von der Liebesgeschichte zwischen Anna und Flynn, die eigentlich Rose heißt. Vorsichtig, romantisch und voller Widersprüche lassen sich die beiden Mädchen auf einander ein, verlieben sich, begehren sich und leiden aneinander. Der zweite Teil erläutert Annas Lebenshintergründe vor ihrem Umzug nach Canberra, wo sie Flynn kennen lernte. Persönliche Krisen, der Unfall ihrer Schwester Molly und Annas Orientierungslosigkeit im Zusammenhang mit ihrem Studium tragen dazu bei, dass Anna sich einen deutlichen Ortswechsel wünscht. Am Ende des dritten Teils ist sie zu ihrer Mutter und Schwester zurückgekehrt, hat sich von Flynn getrennt und nimmt ihr Studium wieder auf. Aber natürlich ist sie sich selbst dabei ein Stück näher gekommen... Diese leise und romantische Mädchen-Liebesgeschichte ist ein typischer Coming-of-age-Roman der anderen=weiblichen Art. Mit seinem Vintage-Charme außen und innen spricht es bestimmt reichlich junge Mädchen an...

- JPS

Und auch so bitterkalt
Schützsack, Lara
175 Seiten, Fischer KJB

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Lucinda und Malina sind Schwestern, Lucinda, die Ältere, ist ein besonderes Mädchen. Sie erklärt ihrer Schwester die Welt, vor Allem auch die abgründigen Seiten. Für Malina ist alles gut, solange nur Lucinda dabei ist. Grenzen, Angst überwinden,  Vertrauen ausprobieren, alles das, was alleine beängstigend wäre, ist mit Lucinda zusammen eine tolle Erfahrung. Bis auf die Sache mit Jarvis, dem neuen Nachbarn. Der bemerkt Malina und wendet sich ihr zu, aber dann betritt Lucina die Bühne und aus Jarvis und Lucinda wird ein Liebespaar. Malina ist abgemeldet und muss gleichzeitig auch noch ihren Liebeskummer überwinden. Dann allerdings nimmt die Sache mit Jarvis eine ganz andere Wendung und nicht nur die Eltern der beiden Mädchen, Isa und Frieder, sehen sich vor schier unlösbare Probleme gestellt: Lucinda hört vollkommen auf zu essen. Schon vorher hat Malina beobachtet, wie sie immer dünner wird, und die Eltern haben Lucinda zur Therapie geschickt. Aber nun weiß keiner mehr Rat, auch Malina sorgt sich ernsthaft um ihre Schwester...

Ein eindrucksvolles Buch über die Abgründe des Erwachsenwerdens, sprachlich herausragend und absolut lesenswert.

- JPS

Und plötzlich schreibt das Meer zurück
übersetzt von Gundula Müller-Wallraf

Shearer, Alex
192 Seiten, Knesebeck

Cover

Wie in so viele Familien des kleinen, englischen Fischerdorfs Delwick hat Tom Pellow seinen Vater ans Meer verloren. Dessen Schiff war am anderen Ende der Welt untergegangen, niemand konnte geborgen werden. Jetzt, ein Jahr später, beschließt Tom, eine Flaschenpost nach der anderen ins weite Meer hinauszuschicken. Nach Wochen, in denen er sich ausgemalt, wer seine Post wohl finden und zurückschicken würde, findet Tom zu seiner Überraschung am Strand eine Flaschenpost-Antwort von einem gewissen Ted Bones, der andeutet, schon seit vielen Jahrhunderten tot zu sein und vom Grund des Meeres zu schreiben. Tom beschließt, seinen neuen Flaschenpostfreund auf die Probe zu stellen und fragt ihn nach dem Verbleib seines verschollenen Vaters. Teds Antwort, die Wochen später eintrifft, stürzt Tom in ein Wechselbad der Gefühle: Könnte es sein, dass sein Vater noch lebt? Oder korrespondiert er mit einem Betrüger? Ein traurig-schöner Roman über Menschen, deren Lebensinhalt und –schicksal das Meer ist, der aber auch in seinen Lesern unwillkürlich die Sehnsucht nach dem Ozean weckt, nach dessen Geheimnissen, Widrigkeiten und Schönheiten. Aber auch ein Roman über einen Jungen, der seinen Vater trotz aller Widerstände nicht aufgeben kann. Lesenswert.

- MD

Vierzehn
Bach, Tamara
112 Seiten, Carlsen

Cover

Der erste Schultag nach den Sommerferien. Beh, 14 Jahre, hat ihre Freundinnen seit acht Wochen nicht gesehen. Vor den Ferien hatte sie das Pfeiffersche Drüsenfieber und konnte deshalb nicht an den gemeinsam geplanten Ferien teilnehmen. Die Beziehungen müssen neu ausgelotet werden.

Von Beginn an begleiten wir das Mädchen durch diesen Tag. Beh erzählt in der Form der direkten Ansprache. Ähnlich wie in einem Tagebuch, erzählt sie die Ereignisse sich selbst oder einem Gegenüber. Dadurch geraten die Leser von Beginn an in einen regelrechten Sog.

Wir erfahren das leichte Fremdeln mit den Freundinnen, nähern uns skeptisch dem neuen Mädchen in der Klasse an, und schleppen uns mit Beh durch die Schulstunden. Wir erfahren aus Behs Blickwinkel von neuen Lehrern und schlimmen Toiletten, von Möchte-gerne-Lovestorys und guten Freunden, treffen Verabredungen und haben Verpflichtungen. Immer wieder geht es für Beh darum, Stellung zu beziehen, klar zu kommen zwischen dem Anspruch der anderen und ihren eigenen Wünschen. Neben den Ränkespielen der Freundinnen wartet am Nachmittag auch noch eine neue Familiensituation auf Beh. Ihr Vater bekommt mit seiner neuen Freundin ein Kind. Ein Lichtblick im trüben pubertären Alltag, ein gutes Gefühl taucht mit einer sich anbahnenden Liebe auf…. Dieses gute Gefühl schwingt im Hintergrund immer mit: Jemand, der einem eine Postkarte schreibt, weil man gesagt hat, dass man so gerne Post bekommt, jemand, der einem was aufs Smartphone schickt und einen zum Lächeln bringt.

Unspektakulär ? Total normal ? Oder eigentlich ganz großes Kino ?

Ganz großes Kino, denn Tamara Bach gelingt es durch einen stakkatoartigen Sprachstil sowie durch die Anredeform „du“, den Leser sofort in die Geschichte hineinzuholen, ob er oder sie will oder nicht, er muss ich soweit mit Beh identifizieren, dass er ihr durch diesen einen Tag folgt. Die Perspektive der Vierzehnjährigen auf die Welt ist so stark, dass man gebannt ihren Beobachtungen und Reflexionen folgt. Nahezu atemlos folgen wir dem Tagesablauf dieses Teenagers, der auf eine gewisse Weise exemplarisch ist und doch völlig neu betrachtet wird.

So könnten sie ticken, die Vierzehnjährigen – und das lässt einen mit Hoffnung zurück!

- KS

Walking home
Der lange Weg nach Hause

Walter, Eric
286 Seiten, Knesebeck

Cover

Wer an Kenia denkt, der denkt oft in erster Linie an Safaris. Aber Kenia ist auch ein Land, in dem erbitterte Stammeskämpfe geführt werden, bei denen unschuldige Menschen getötet werden, nur weil sie einem anderen Stamm angehören. Die Geschichte von den Geschwistern Muchoki und Jata erzählt davon, wie die zwei mit ihrer Mutter aus ihrem Heimatdorf fliehen müssen, nachdem ihr Vater und ihre restliche Familie bei einem Überfall auf eine Kirche in Eldoret ums Leben gekommen sind. Sie berichtet vom Leben in einem der vielen Lager des Landes, in dem die drei zunächst untergekommen sind. Ihre Mutter hat ihnen viele Male die Geschichte ihres Stammes Kamba erzählt. Kamba bedeutet Volk des Fadens. Sie handelte von einem Paar welches bei einer Flucht einen Faden spannt, um später in ihr Dorf zurückfinden zu können. Nachdem die Mutter an ihrer Malaria verstirbt, haben die Geschwister nur noch einander. Da Muchoki aber mit seinen 13 Jahren für zu jung erachtet wird, sich um seine kleine Schwester kümmern zu können, sollen sie in getrennte Kinderheime gebracht werden. Da fasst Muchoki einen folgenschweren Plan: Er will mit Jata quer durch das ganze Land in das Dorf der Eltern der Mutter im Kambaland gehen. Um Jata die Angst vor dieser riskanten Reise zu nehmen, erklärt er ihr, er könne den Faden sehen, der sie dorthin führen wird. Und da Jata fest daran glaubt, folgt auch Muchoki bald unbeirrt dem Faden der Hoffnung…Der Erzähler nimmt die Leser mit auf seine Reise durch ein fremdes Kenia. Den Überfall auf die Kirche von Eldoret hat es wirklich gegeben und der Autor ist den Weg der Geschwister gewandert, um authentisch berichten zu können. Am Ende sind die Geschwister einem dann so nahe, dass man sie fast nicht ziehen lassen mag. Ergänzt wird das Buch von Zusatzmaterial auf einer homepage in englischer Sprache. Damit ist es in besonderem Maße auch für junge Leserinnen und Leser ab etwa 9. Klasse als Schullektüre geeignet. Sehr zu empfehlen.

- KW

Warten auf Gonzo
Jeder kann einen Fehler machen, um alles zu versauen, muss man ein Genie sein

Cousins, Dave
300 Seiten, Freies Geistesleben

Cover

Marcus, genannt OZ, erzählt von seinem Start in dem neuen Ort auf dem Land und in der neuen Schule. Seine Mutter hat einen Job am College dort bekommen und die ganze Familie musste ihr notgedrungen folgen, Oz und seine Schwester sind überhaupt nicht begeistert. Denn das bedeutet, in einer kleinstädtischen Umgebung unter Beobachtung zu stehen, sich in der neuen Gesellschaft anpassen und keinen Anlass für Gespött oder Hänseleien zu liefern. Was Oz leider nicht gelingt...

Im Gegenteil, Oz hat eine magnetische Wirkung auf Fettnäpfchen jeder Art. Seine Freunde aus der Londoner Vorstadt melden sich seit dem Umzug nicht mehr, also schreibt er Briefe an G, von dem erst im Laufe der Geschichte klar wird, um wen es sich handelt. G,– Gonzo, der seinen Namen einer etwas einfältigen Figur aus der Muppetshow verdankt, wird aufrichtig über Oz`s Lebenslagen informiert, sogar über die dunkleren Seiten, z.B. wie er Ryan, der von Anfang an freundlich und offen zu ihm war, an die gefräßige Klatschmeute im Schulbus ausliefert. Dies geschieht nicht vorsätzlich aber auf Oz´s übliche, verpeilte Art. Nur das Problem seiner Schwester ist noch größer und gewichtiger als das Schlamassel, das Oz an den Fersen klebt.

In rasantem Tempo beschreibt Cousins eine britische Jugendszene fernab der Metropole, die gut beobachtet und empathisch geschildert wird. Hier ist keineswegs alles in Ordnung, es gibt reichlich „unperfektes“ Personal bei den Erwachsenen wie bei der Jugend. Typisch britisch sind die ausgeprägten Individualisten, die an ihrem Außenseitertum wachsen und die man als Leser dafür liebt. Und so geht es in diesem spannenden Jugendroman neben Freundschaft, Loyalität und Familie auch noch um Abenteuer und Krimi und neben den starken Tönen gibt es auch Raum für Zärtlichkeit und tiefe Einsichten. Witzig, gut zu lesen und mit Tiefgang...

- JPS

Warum ist Rosa kein Wind?
Gedichte und Geschichten vom Leben, Lieben und Fliegen

Knödler, Christine | Harjes, Stefanie
144 Seiten, Ravensburger

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Noch ein wunderschönes (Haus-) Buch voller „Gedichte und Geschichten vom Leben, Lieben und Fliegen“...Herausgegeben von Christine Knödler enthält diese Anthologie wirkliche Blüten, sortiert nach Jahreszeiten, die den Lebensabschnitten Kindheit, Jugend, Erwachsenenzeit und Alter zugeordnet sind. Getragen von der Lust an der Sprache und ihren Bildern schwelgen die Herausgeberin und die Illustratorin gleichermaßen in den Texten aus Jahrhunderten, tanzen, stolpern, warten, fliegen und rennen durch die Zeiten und ermöglichen uns  so die Berührung durch Worte. Hier gibt es so vieles zu entdecken, Anleitungen zum guten Leben genauso wie Trost, Begegnungen mit der Liebe, Freundschaft, dem Tod. Die starken Bilder aus Worten und die starken und zarten und wilden Illustrationen von Stefanie Harjes haken sich fest im Herzen und im Kopf und unter der Haut und unter dem Hut und bringen einen neuen Hüftschwung in die eingerosteten Glieder und machen glücklich.

- JPS

Was ist hier die Frage?
Gusella, Anna | Gusella, Anna
Collection Büchergilde

Cover

Zwar nicht als Paket vermarktet, doch weil das Kartenspiel wie ein Echo auf das Gedankenbuch folgt, sollen sie beide hier gemeinsam rezensiert werden. Es steht nämlich der gleiche Impuls hinter diesen beiden Kreationen, die zwar nicht für Kinder, aber im besten Sinne kindlich sind in ihrer Direktheit und Offenheit. Im Buch, einem sehr persönlichen Skizzen- und Kritzelbuch, geht die Grafikerin Anna Gusella 114 Fragen kreativer Existenzen nach: „Was kann ich sein? Was will ich sein?“ etwa, oder „Leide ich unter meinem Verstand?“ Typographisch und graphisch stellt sie die Fragen in unterschiedlich gestaltete Doppelseitenräume und regt damit zu inneren Dialogen oder Entwürfen an. Im zweifarbig blau-rot gehaltenen Kartenspiel bietet sie 45 knappe, sentenzhafte Antworten, zu denen man sich die Fragen selbst ausdenken muss. Sie bestechen durch kluge Bildfindung und eröffnen dadurch neue Perspektiven auf Fragen, von denen man gar nicht wusste, dass man sie sich stellte. Natürlich lassen sich Fragebuch und Antwortspiel auch kombinieren zu einem weiteren lustvollen Experiment. Egal ob allein oder im Doppelpack: künstlerisch, originell, inspirierend.

- NvM

Was vom Sommer übrig ist
Bach, Tamara
137 Seiten, Carlsen

Cover

Louise, 17, startet mit einem kompletten Plan in die Sommerferien:

jobben, noch mehr jobben und Fahrstunden abhaken. Außerdem auf Omas Hund aufpassen, dafür gibt’s Geld zum Führerschein dazu. Jana, heute 13 geworden, muss feststellen, dass ihre Eltern ihren Geburtstag vergessen haben, wie sie überhaupt vergessen haben, dass Jana auch noch da ist. Neben ihrem Bruder Tom, der nach einem Selbstmordversuch im Krankenhaus im Koma liegt. So verweben sich die Geschichten der beiden Mädchen in diesem Sommer, ohne dass sie einander viel von sich erzählen. Doch Louise bekommt plötzlich Lust, aus ihrem selbst geplanten Sommer auszusteigen. Nachdem sie ihre theoretische Führerscheinprüfung vergeigt hat, schnappt sie sich Omas Auto, den Hund und bricht, gemeinsam mit Jana, zu einem sommerlichen Road-Trip auf. Jana weiß nicht, dass Louise noch gar keinen Führerschein hat und Louise weiß nichts von dem Vorfall mit Tom. So genießen die beiden Mädchen gegenseitig die Anwesenheit der Anderen und nehmen einen Tag Auszeit aus ihrem Leben. Tamara Bach schreibt in ihrer unverwechselbaren Sprache Geschichten, die im wirklichen Leben Platz haben und trotzdem daraus entführen.

- JPS

Wenn er kommt dann laufen wir
übersetzt von Alexandra Ernst

Klass, David
325 Seiten, Arena

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Jurybegründung AKJ:
Das Böse existiert und ich habe es gesehen, direkt vor meinen Augen. Und das Einzige, was man dagegen tun kann, ist, es wegzusperren.“ – Doch das Böse wegzusperren, das genau gelingt nicht. David Klass entwirft eine moderne Kain-und-Abel-Konstellation, die Thriller und psychologische Studie zugleich ist. Sie dreht sich um Troy, der als Jugendlicher einen Jungen erstochen hat und nun vorzeitig aus der Haft entlassen wird. „Dark Angel“ heißt das Buch im Original und bezeichnet treffend die Rolle, die Troy in der Familie und vor allem für seinen jüngeren Bruder einnimmt. Der Ich-Erzähler Jeff muss in der Konfrontation mit Troy erkennen, dass dieser auch einen Teil seiner eigenen Persönlichkeit darstellt. Klass siedelt seine spannend inszenierte Geschichte in einer amerikanischen Kleinstadt an und zeigt beklemmend die dort herrschende Doppelmoral und Enge. Er wechselt gekonnt die Perspektiven, verunsichert seine Leser, die nicht umhin können, auch Sympathie für den Bösen zu empfinden, und entlässt sie mit einem unbestimmten und beunruhigenden Ende. Die Übersetzung von Alexandra Ernst trifft anschaulich den Stil und Tonfall. So gelingt es, ein großes Thema durchzuspielen, das nicht nur in den USA eine brisante Diskussion darstellt: Was ist das Böse? Ab 13

- JPS

Wenn ihr uns findet
übersetzt von Julia Walter

Murdoch, Emily
304 Seiten, Heyne

Cover

Carey und Jenessa leben seit Jahren im Wald. Ihre Mutter lässt sie oft wochenlang allein, sie ist Alkohol und Meth-Abhängig. Eins Tages werden die beiden Mädchen im Wald von einer Frau vom Jugendamt und einem Mann aufgestöbert. Carey hat ihr ganzes Leben damit zugebracht, sich um ihre kleine Schwester zu kümmern, sie misstraut den beiden gründlich, zumal sie in dem Mann ihren leiblichen Vater erkennt. Der, vor dem ihre Mutter sie angeblich in Sicherheit gebracht hat, wegen dem sie seither im Wald leben.

Widerwillig folgt sie den beiden in die Stadt und erfährt, dass ihre leibliche Mutter selbst das Jugendamt eingeschaltet hatte, weil sie die beiden Mädchen nicht mehr selbst versorgen konnte. Besonders ihrer kleinen Schwester zuliebe, die sie all die Jahre erzogen, ernährt und beschützt hat, und die seit ein paar Jahren nicht mehr spricht, lässt sie sich auf ein Leben in der Zivilisation und im Haus ihres Vaters ein. Nach und nach fasst sie Zutrauen, zuerst zu der Frau ihres Vaters. Aber es dauert, bis sie sich auch ihrem Vater anvertrauen kann, bis sie hören kann, dass ihre Mutter sie damals entführt und im Wald versteckt hatte. Eine spannende Geschichte über das Ausgeliefert sein von Kindern und dessen traurige und traumatisierenden Folgen. Ohne falsches Pathos und Voyeurismus liebevoll aufgeschrieben und übersetzt!

- JPS

Wer hat Angst vor Jasper Jones?
übersetzt von Bettina Münch

Silvey, Craig
416 Seiten, Rowohlt

Cover

Der Roman spielt im Jahr 1965 in Australien. Der 13-jährige Charles Bucktin lebt mit seinen Eltern in der Kleinstadt Corrigan, in der Vorurteile, Gerüchte und Fremdenhass den Alltag bestimmen. Als eines Nachts der Außenseiter Jasper Jones an Charlies Fenster klopft und ihn um Hilfe bittet, entscheidet sich Charlie gleichzeitig für das Abenteuer aber auch für das Erwachsenwerden. Jasper führt Charlie tief hinein in den australischen Busch um seine schreckliche Entdeckung mit jemandem teilen und besprechen zu können. Denn beiden ist schnell klar: einem wie Jasper Jones wird alles zugetraut, doch ein Verbrechen aufzuklären, bei dem vielleicht wichtige Personen der Gesellschaft mitgewirkt oder weggesehen haben, will hier niemand. Also müssen die beiden Jungen selbst nachforschen und, was Charlie am schwersten fällt, dürfen sich niemandem anvertrauen, nicht mal Charlies bestem Freund Jeffrey Lu.

Schon bald ist Jaspers Haupt-Verdächtiger nicht mehr verdächtig und unerwartet kommt noch eine andere Person ins Spiel, die mehr weiß, als sie sagt. Unterdessen läuft die Suche nach Laura, dem verschwundenen Mädchen auf Hochtouren...

Dieser packende Thriller und wunderbar geschriebene Roman hat mehr Zeitbezüge, als die Jahreszahl zunächst vermuten lässt!

- JPS

Who i am not
Von Lügen und anderen Wahrheiten

Staunton, Ted
227 Seiten, Arena

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Der Ich-Erzähler beginnt die Geschichte gleich mit einem Geständnis:

er zählt auf, wer er alles NICHT ist. Er ist auch nicht Danny Dellomondo,

obwohl er in dessen Rolle die weitesten Teile des Buches verbringt- allerdings nicht ganz freiwillig. Er, der schon als kleiner Junge durch Pflegefamilien gereicht wurde, wurde eines Tages von einem Mann namens Harley und dessen Freundin Darla „gekauft“. Zwar verbesserte sich dadurch seine aktuelle Lebenslage erheblich, denn Harley brachte dem Jungen Sympathie entgegen und kümmerte sich um ihn. Andererseits wurde der Junge systematisch auf Betrug abgerichtet: als Kind zu einem Elternpaar, welches mit Kind  gleich viel harmloser und glaubwürdiger wirkte. Unzählige Betrügereien ergeben sich, an denen der Junge mitwirkt, Harley bringt ihm alles Wichtige bei. Eines Tages aber, in Ausübung ihrer beider Profession, wird Harley überfahren und ist auf der Stelle tot. Darla, Harleys Freundin ist schon lange alleine weiter gezogen und der Junge steht plötzlich ohne Freunde und Identität da. Um zu verhindern, dass Nachforschungen angestrengt werden, schlüpft er blitzschnell in die Rolle eines seit 3 Jahren vermissten Jungen...ein rasanter Krimi, dessen Protagonist einem schnell ans Herz wächst...

- JPS

Wie das Licht von einem anderen Stern
Boyle Rodtness, Nicole
243 Seiten, Beltz & Gelberg

Cover

Vega ist eine ganz normale Siebzehnjährige. Sie geht zur Schule, hat einen Freund, eine beste Freundin, eine nervige jüngere Schwester und freut sich auf die Klassenfahrt. Dann auf einer Party passiert das Unfassbare: Vega stürzt in den halbvollen Pool. Als sie nach Wiederbelebungsversuchen endlich erwacht, hat ihr Gehirn seine Fähigkeit Sprache zu erfassen verloren. Sie hat Aphasie. Ab sofort ist das Leben nicht mehr wie es war. Sie muss erleben, dass ihr Unvermögen, sich auszudrücken, nicht nur sie selbst sprachlos macht. Ihr Ich ist gefangen und findet keinen Weg heraus zu den andern, deren Leben so weitergeht wie bisher, nur ohne sie. Dann lernt sie Theo kennen, der ebenfalls Aphasiker ist. Wird er ihre Träume ernst nehmen, die ihr erzählen, der Sturz sei kein Unfall gewesen? Ein starker Roman über Krankheit Ausgrenzung, aber eben auch über Verlieben, Freundschaft und Eifersucht, über eine Schwester, die vom Anhängsel zur Kümmerin wird. Er spielt in der Lebensrealität von Teenagern, in der die neuen Medien zugleich Fluch und Segen darstellen. Durch seine einfühlsame Schilderung der Empfindungen und Gedanken der Protagonistin ist er besonders geeignet, Empathie zu erzeugen ohne zu belehren. Daher auch zu empfehlen, um sich dem Thema Inklusion auf ansprechende Weise zu nähern.

- KW

Wie ein unsichtbares Band
übersetzt von Ilse Layer

Garland, Inés
250 Seiten, Fischer KJB

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Alma, Carmen und Marito sind Nachbarskinder auf einer kleinen Insel in der Nähe von Buenos Aires. Alma verbringt nur die Ferien und Wochenenden dort, unter der Woche besucht sie in Buenos Aires eine katholische Privatschule. Die vorhandenen sozialen Unterschiede spielen lange Zeit keine Rolle, aber die Kinder werden älter und die Freundschaften und die Wahrnehmungen untereinander verändern sich. Alma berichtet aus ihrer Perspektive, durchaus selbstkritisch und aus der Rückschau, über ihre Verliebtheit in Marito, über die Entfremdung von ihrer vormals besten Freundin Carmen und über sich zuspitzende politische Verhältnisse zu Beginn der Militärdiktatur in Argentinien, von denen sie zunächst nicht viel bemerkt. Ihre Freundschaft und Liebe zu Marito führt dann aber doch dazu, dass Alma die aktuellen Verhältnisse in Argentinien wahrnehmen muss. Inés Garland findet mit ihrem ruhigen und tiefgründigen Erzählstil, der vieles nur andeutet, genau den Ton, der mir an Lateinamerikanischer Literatur so gefällt: es entsteht Raum für eigene Ideen und eigenes Nachdenken, es muss nicht alles ausgesprochen werden um dennoch bedrückende Klarheit und Kraft zu entfalten. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite und der Impuls, sich mit der politischen Vergangenheit des Landes näher zu beschäftigen - ein zartes und nachdrückliches Buch. Sehr lesenswert!

- JPS

Wie man unsterblich wird
übersetzt von Birgitt Kollmann

Nichols, Sally
200 Seiten, Hanser

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Ein 11jähriger Junge, Sam, ist an Leukämie erkrankt. Seine Chancen, länger als ein Jahr zu leben, stehen sehr schlecht. Er hat einige Kranken-hausaufenthalte mit Chemotherapie hinter sich, im Moment ist er jedoch zu Hause. Mit seinem ebenfalls an Krebs erkrankten Freund Felix, der im Rollstuhl sitzt, nimmt er Privatunterricht bei Mrs. Willis. Sam und Felix haben sich erst im Krankenhaus kennen gelernt. Sie verbringen viel Zeit miteinander und haben immer wieder Unsinn im Kopf und stellen das ein oder andere an.

Mrs. Willis ist eine ziemlich ungewöhnliche Lehrerin und sie und die beiden Jungen haben oft Spaß miteinander. Eines Tages gibt die Lehrerin ihren beiden Eleven den Auftrag, eine Liste von Dingen zu erstellen, die sie gerne tun oder erleben möchten. Die beiden sind gleich Feuer und Flamme. Auf Sams Liste finden sich sowohl leichter realisierbare Dinge wie eine Rolltreppe, die nach unten fährt, hinaufzugehen, aber es sind auch schwer umzusetzende Sachen darunter: z.B. mit einem Luftschiff fliegen.
Felix drängt Sam dazu, diese Dinge Realität werden zu lassen. So verändert die Liste einiges im Leben der beiden und Sam hat wieder ein Lebensziel. Auch wenn es Sam nicht gerade gut geht, versucht er, mit Hilfe von Freunden und Familie, eines nach dem anderen um zusetzen.

„Wie man unsterblich wird“ ist ein Buch, das ein sehr schweres Thema hat und dennoch Lebensmut vermittelt. Es zeigt, wie stark Kinder sind und wie vorbildlich und tapfer sie mit ihrem Schicksal umgehen. Es ist herz-erfrischend und einfühlsam geschrieben, ähnlich wie ein Tagebuch und es stellt zur gleichen Zeit wichtige Fragen.
„Wie man unsterblich wird“ ist nicht umsonst ein preisgekröntes Buch.
Das Ambulantes Kinderhospiz München, für das ich als ehrenamtliche Familienbegleiterin tätig bin, hat einen wunderbaren Leitspruch: „Die Tage mit Leben füllen, anstatt das Leben mit Tagen“ In diesem Sinn empfehle ich Erwachsenen wie auch Kindern „Wie man unsterblich wird“ zu lesen.

- DS

Wintereis
übersetzt von Mirjam Pressler

van Gestel, Peter | Text & Illustration
334 Seiten, Beltz & Gelberg

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Thomas, der Ich-Erzähler, ist 1947, als er diese Geschichte erzählt, 12 Jahre alt. Er zeigt uns das bitterkalte Amsterdam, das unter einem dicken Mantel aus Wintereis begraben liegt, man spürt die Kälte, den Hunger und den Nachhall des Schreckens in der Welt. Alle sind traumatisiert und vermissen jemanden; Thomas´Mutter ist direkt nach dem Krieg an Typhus gestorben, Zwaan, sein Freund, ist Jude und hat beide Eltern verloren. Sie wurden deportiert und ermordet, er lebte „untergetaucht“ über ein Jahr in einem Versteck. Inzwischen ist Zwaan bei seiner Tante und deren Tochter Bet untergekommen, auch Bets Vater wurde als Kommunist ermordet. Bet versteht sich nicht sonderlich gut mit ihrer Mutter, Tante Jos, versucht aber, die psychisch labile Frau so gut es geht zu schonen. Denn Tante Jos verhält sich mindestens merkwürdig, was sich im Verlauf der Geschichte noch steigert. Trotzdem erlaubt sie, das Thomas eine Weile im Haus seiner Freunde lebt, wo er sich zögernd seine Verliebtheit in Bet eingesteht. Die Geborgenheit und Freundschaft, die die drei Kinder verbindet, gibt ihnen Kraft und Halt, lässt sie miteinander sprechen und irgendwann auch das Wintereis schmelzen. Und beiläufig wird sowohl ein Stück Zeitgeschichte nachvollziehbar gemacht als auch vom Schicksal der niederländischen Juden berichtet Van Gestel schafft in Wintereis eine dichte, poetische, raue und zärtliche Sprache, besonders stark sind die Dialoge. Ein grandioses Buch!

- JPS

Wir beide wussten, es war was passiert
übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn

Herrick, Steven
205 Seiten, Thienemann

Cover

Der 16 jährige Billy ist der Hauptakteur in diesem bezaubernden und besonderen Jugendbuch. Er bricht eines Tages von zuhause auf, um seinen Vater, einen Trinker, zu verlassen und für sich selbst eine Zukunft zu finden. Auf einem Zug als Hobo verlässt er seine Heimatstadt um nach Westen zu gelangen schon hier erfährt er freundliche Unterstützung vom Zugführer, der ihm Wärme, Kaffee und Brote anbietet. Bei der Stadt Bendarat geht er von Bord und schlägt sich zunächst zur Bibliothek durch, wo er einen ganzen Tag mit Lesen verbringt. Dann sucht er sich einen offenen, ausrangierten Waggon am Bahnhof und beginnt sein Leben als Obdachloser. Hier lernt er einen älteren Mann kennen, ebenfalls obdachlos und in einem Waggon lebend, Old Bill, und zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft. Außerdem ist da noch Caitlin, die bei McDonalds arbeitet und Billy dort die Essensreste essen lässt, die sonst im Müll landen würden. Auf diese Begegnung der beiden, Billy und Caitlin, bezieht sich der Titel des Buches, zwischen den beiden jungen Leuten entwickelt sich langsam und vorsichtig eine Liebe.

Herrick Steven-und auch Uwe-Michael Gutzschhahn mit seiner genialen Übersetzung- ist hier etwas besonders Zartes und doch Vitales gelungen.

In Gestalt von lyrischen Texten, knapp und genau formuliert und dennoch poetisch, reihen sich kurze Kapitel an einander, ergreifen die Leserin und ziehen sie unausweichlich hinein ins Geschehen und ins Lesen. Selten habe ich so in Sprache gebadet wie in dieser ruhigen Liebesgeschichte, bei der es um mehr geht als Verliebtheit. Hier geht es „ums Ganze“, um Unabhängigkeit, Heimat, Zugehörigkeit, Vertrauen und das Bearbeiten alter Verletzungen. Hinreißend!

- JPS

Wir beide wussten, es war was passiert
übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn

Herrick, Steven
205 Seiten, Thienemann

Cover

Billy verlässt sein zuhause

Geht weg von seinem Vater, seiner Schule, seiner Stadt

Dort hat er sich nie zuhause gefühlt

Doch wohin?

Ein Güterzug bringt ihn weiter nach Westen

Bendarat im Südwesten Australiens

Er liebt Bücher, liebt es zu lesen

Sein neues Zuhause, ein alter Eisenbahnwaggon

Die Bibliothek

Und McDonald‘s

Dort trifft er auf Old Bill und Caitlin

Menschen, die ihm wohlgesonnen sind

Und es entwickelt sich

Ein neuer Anfang

 

Dieses Buch ist einfach wunderschön. Schlicht und schön, wie die Umschlag-gestaltung, die sich auf den Kapitelseiten fortsetzt. Billy, Old Bill und Caitlin erzählen jeweils aus ihrer Perspektive. Die Charaktere sind liebenswert. Ein Buch voll Verständnis, Toleranz und Liebe, geschrieben in Gedichtform.

So entsteht ein ganz eigenes Leseerlebnis. Mir scheint, es bekommt dadurch eine besondere Ruhe.

- JK

Wir retten Leben, sagt mein Vater
übersetzt von Andrea Kluitmann

van Ranst, Do
160 Seiten, Carlsen

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Jurybegründung AKJ:
Wie auf einer Bühne ordnet der Autor seine Figuren vor einer seltsamen Kulisse an: Da ist die Großmutter, die seit dem Tod ihres Mannes nicht mehr spricht, die Eltern der Erzählerin, die ihre Ehe verdrießlich aussitzen, und die 15-jährige Ich-Erzählerin selbst, die auf den Märchenprinzen wartet. Nicht zu vergessen deren Freundin Sue, die vergeblich, aber dafür umso intensiver liebt. Sie alle sind um das kleine Haus am Ende der Straße drapiert, die nach einer scharfen Kurve in einer halben Brücke mündet. Wohin diese Brücke reicht? Nach „Kein Ort, nirgends“ vielleicht oder direkt ins Land der Sehnsüchte und Fortsetzungsgeschichten?
Do van Ranst gelingt eine bestechend komische und originelle Fabel, die Familiengeheimnisse und kompakte Lügengeschichten originell zu skizzieren vermag. Seine familiäre Versuchsanordung ist eine höchst amüsante und zugleich tiefgründige Inszenierung. Sie versinnbildlicht nicht nur die Qualen des Erwachsenwerdens, sondern auch die verkapselten Leidenschaften ihrer pointiert gezeichneten Charaktere. Andrea Kluitmann hat den Text mit leichter Feder aus dem Niederländischen übertragen. – Ein fulminantes Familienstandbild, aus der Kurve geschossen.
Ab 13

- JPS

Wo ein bisschen Zeit ist...
übersetzt von Thomas Gunkel

Ostrovski, Emil
303 Seiten, Fischer FJB

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Was für ein rasantes Buch! Dabei wird die ganze Zeit über beharrlich philosophiert- und wie man weiß, geht das nicht unbedingt schnell.

Aber Zeit ist ein wichtiger Faktor... Der junge Jack erfährt an seinem 18. Geburtstag, dass er gerade Vater wird. Seine Exfreundin Jess will ihm die Möglichkeit geben, sein Kind zu sehen, bevor sie es zur Adoption freigibt. Er fährt ins Krankenhaus, nimmt seinen Sohn in den Arm und verlässt es mit ihm gemeinsam. Er kann nicht anders, er will ein bisschen Zeit mit ihm verbringen, will begreifen, was es heißt, Vater zu sein. So beschließt er schließlich, den Sohn seiner geliebten und demenzkranken Großmutter  zu zeigen. Er bittet seinen besten Freund Tommy um Unterstützung, gemeinsam holen sie Jess aus dem Krankenhaus ab und dann beginnt ein Roadtrip der besonderen Art. Zwischen Schreianfällen des Babys, das Jack inzwischen Sokrates genannt hat, häufigem Windelwechseln und der Verfolgung durch die Polizei philosophiert der junge Vater über die Unendlichkeit, den Glauben und die menschliche Existenz. All das macht Sinn, ist vollkommen verrückt und lässt einen das Buch kaum aus der Hand legen. Der junge Autor, selbst erst 23, schafft es, philosophische Fragen in einen aberwitzig realen Lebenszusammenhang zu stellen. Am Ende ist fallen und fliegen tatsächlich sehr dicht beieinander...

- JPS

Zeit der großen Worte
Günther, Herbert
314 Seiten, Gerstenberg

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Paul ist 14 Jahre alt, als der erste Weltkrieg beginnt. Mit euphorischen großen Worten wird zur Mobilmachung aufgerufen und eine Welle von Zusammengehörigkeitsgefühl und Patriotismus eint die Menschen der Kleinstadt. Zum ersten Mal sind sogar Verbindungen zwischen Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Klassen denkbar, ziehen die jungen Männer doch für alle in den Krieg, sind als Helden vorzeigbar. Auch Pauls Vater und Bruder Max machen sich mit der Gewissheit, das Richtige zu tun, auf den Weg an die Front. Bald schon aber klingen aus den Briefen von Max Zweifel an der Richtigkeit dieses Krieges durch. Während die anderen Jugendlichen versuchen, Paul ebenfalls auf baldiges Soldatenleben einzustimmen, beschleicht ihn das Gefühl, dass das vielleicht nicht das Richtige ist. Und dann ist da noch Helene, die ältere Dame aus der Buchhandlung, die ihn mit Literatur und der Notwendigkeit eigenen Denkens bekannt macht. Und während rundherum alles zerbricht, formen sich in ihm andere Worte…

Es gibt Bücher, die stimmen froh beim Lesen und es gibt solche, die den Lesenden so verstören, dass dieses Gefühl in den Alltag mit einfließt. Ein solches Buch ist Zeit der großen Worte und so muss ein Buch über den Krieg und seine Folgen wohl sein. Von Anfang an ahnt der Lesende, dass die große Euphorie nicht lange halten kann und das Unheil seinen Lauf nehmen wird. Beklemmung stellt sich ein.

Ein gutes Buch über Verführungen und Täuschungen, die in großen Versprechen lauern und ein Appell daran, den eigenen Verstand nicht abzuschalten. Diese Thematik ist so aktuell wie nie.

Geeignet für Jugendliche ab etwa 14 Jahren.

- KW

Zusammen allein
Bruder, Karin
271 Seiten, Hanser

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Verlassenwerden ist die Urangst jedes Kindes. Hier gibt es noch einen Nachschlag davon: Agnes ist 15 und lebt in Rumänien, als nach dem Vater auch die Mutter in den Westen abhaut. Agnes soll bei ihrer Tante bleiben, aber das hält sie nicht lange aus. So kommt es, dass sie sich auf die Suche nach ihrer Großmutter macht, von deren Existenz sie bis jetzt nichts wusste. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Beziehung, die mit dem Titel „Zusammen allein“ treffend beschrieben ist. Trotzdem oder gerade deshalb beschließt Agnes, in Rumänien zu bleiben. Hier fühlt sie sich zuhause, auch wenn die Verhältnisse alles andere als angenehm sind. Mit eindringlicher Sprache schildert Karin Bruder große gesellschaftliche und kleine private Entwicklungen, bei denen Agnes immer weitere Teile ihrer Familiengeschichte aufdeckt. So entwickeln sich sich Liebe, Angst aber auch Hoffnung im Schatten der grausamen CeauSescu- Diktatur, und nie fühlt sich der Leser mit dem Schrecken völlig allein. Dieses Buch könnte eine hervorragende Ergänzung im Geschichtsunterricht zum Ende des kalten Krieges Ende des Jahres 1989 sein...

- JPS

Weitere Titel und Rezensionen folgen!

NvM= Nikola von Merveldt
KE= Katja Eder
VK= Vera Kahl
KW= Karina Wrona
KS= Katrin Seewald
KP= Katja Pfeiffer
SB= Sylvia Bogdain
SW= Sarah Wildeisen
JPS= Jule Pfeiffer-Spiekermann
MD= Martin Deutsch